Neuenkirchen – Seine Bewegungen sind sicher, seine Aussprache deutlich, seine Botschaft souverän: Wenn Michael Warnck einen Gottesdienst leitet ist spürbar, dass er inhaltlich und liturgisch bei der Sache ist und genau weiß, was er tut. Er ist Prädikant, ein gut ausgebildeter Laienprediger. Seit nunmehr zehn Jahren tut er diesen Dienst und kann inzwischen auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen.

„Der Impuls für die Ausbildung kam 2006 vom damaligen Propst Henning Kiene“, erinnert sich Michael Warnck. Der studierte Bibliothekar war damals Mitglied im Kirchengemeinderat Meldorf und fiel dem Propsten durch sein engagiertes Lektorat auf und dadurch, dass er gerne mal selbständig Andachten übernahm. Und so meldete sich Michael Warnck zur Ausbildung durch den Gemeindedienst der Nordkirche an und drückte drei Jahre lang fürs Ehrenamt die Schulbank: Er lernte Theologie und Hymnologie, Liturgie, Gottesdienstgestaltung und die Verwaltung der Sakramente. Dabei ging es weniger um abstrakte Wissenschaft als darum, einen lebendigen und authentischen Zugang zur Botschaft sowie einen bewussten Umgang mit der eigenen Sprache zu finden. Michael Warnck ist das gut gelungen. „Ich war überrascht von dem großen Freiraum, den es in der Auslegung gibt“, sagt er. Der Gottesdienst ist für ihn ein Fest in den „weit geöffneten Armen Gottes“, dogmatische Grundsätze treten dabei in den Hintergrund.

Inzwischen hat Michael Warnck mehr als 150 Gottesdienste gehalten. Regelmäßig ist er in Neuenkirchen sowie in den Meldorfer Altenheimen zu erleben. Darüber hinaus ist er in Weddingstedt, auf Helgoland, in Wesselburen und in Wyk auf Föhr eingesetzt. Dabei haben die Prädikanten-Einsätze in der Nordkirche durchaus einen eigenen Stellenwert: Luther spricht vom „Priestertum aller Glaubenden“, die Nordkirche begrüßt ausdrücklich die Arbeit der Prädikanten, machen sie doch deutlich, dass Kirche mehr ist als der Pastor/die Pastorin vor Ort. Prädikanten zeigen, dass es in den Gemeinden viele Gaben gibt und dass jeder und jede in seinem Stand an der Verkündigung des Evangeliums Anteil hat.

Aber: Wie schafft Michael Warnck das neben der Arbeit? Im Hauptamt ist er Berufsberater in Husum, etwa zwei Mal im Monat steht er im Prädikantentalar vor einer Gemeinde. „Mittlerweile verfüge ich über viel Erfahrung bei den Gottesdienstgestaltungen und einen großen Schatz an Predigten“, erzählt er. Entsprechend routiniert sei inzwischen die jeweilige Vorbereitung. Dabei lotet er jedes Mal neu aus: Was ist angemessen für die jeweilige Gemeinde? Wie gelingt das Zusammenspiel von Liedern, Gebeten und Predigt? Wie übersetzt man die alten Worte und Bilder der Bibel in die heutige Zeit? „Die Entstehung der Predigt ist Teil meines privaten und beruflichen Alltags geworden“, sagt der 54-Jährige Familienvater.

Wichtig ist ihm, dass Gottesdienst mehr ist als das gesprochene Wort. Er möchte am liebsten alle Sinne ansprechen, greift bei besonderen Anlässen auch schon mal zu Weihrauch und Klangschale, das Abendmahl ist ihm im wahrsten Sinne heilig, denn es geht dabei um „schmecken und sehen, wie freundlich der Herr ist“. Michael Warnck geht es nicht nur um ein kognitives Verstehen der Bibel, genauso wichtig ist ihm das Erleben der Nähe Gottes und die Gemeinschaft derer, die glauben. So sieht er sich als Prädikant in „Gottes Dienst“ und lädt von Herzen gerne andere dazu ein, mit ihm gemeinsam Gottes-Dienst zu feiern.