Heide – Die Reformation ist lange her und fast vergessen, könnte man meinen. Dass der Thesenanschlag Martin Luthers im Jahr 1517 aber vielmehr einen bis heute fortlaufenden Prozess in Gang setzte, das machte Pastorin Katja Hose in ihrem Vortrag beim 23. Frauenfrühstück in Heide am Beispiel Ada Ehmlers deutlich. Die engagierte Ehrenamtliche hatte sich in den 1970er-Jahren gegen die Apartheid in Südafrika eingesetzt. Sie tat das als überzeugte Christin in den Spuren Martin Luthers.

Katja Hose, Referentin für Frauenarbeit in Dithmarschen, schlug in ihrem Vortrag einen weiten Bogen. Die Reformation habe das Gottes- und das Menschenbild verändert und zu einer Konzentration auf das Wesentliche geführt, sagte sie. Durch die Thesen Martin Luthers fanden sich viele Frauen in ihrem Zweifel am klösterlich-zurückgezogenen Leben bestätigt und gestalteten fortan aktiv die Gesellschaft mit. Vor allem der Gedanke Luthers vom „Priestertum aller Gläubigen“ rief seitdem immer wieder Menschen in die Verantwortung für Kirche und Welt.
So auch Ada Ehmler. 1925 in Wilhelmshaven geboren und in einem pietistisch und gänzlich unpolitischem Elternhaus großgeworden, erlebt sie als junges Mädchen hilflos die Reichsprogromnacht 1938 und kann sich seitdem nicht von dem Gedanken lösen, das Wegsehen einfach nicht reicht. Als 1977 in Südafrika die Black-Women-Federation vom Apartheidsregime gebannt wird, schließt sich die Nordelbische Frauenarbeit der Boykott-Bewegung an. Und Ada Ehmler wird zur Aktivistin für diese Aktion: Sie steht mit ihren Mitstreiterinnen in der typisch werdenden gelben Schürze auf Wochenmärkten und bewirkt, dass Obst- und Gemüsestände zu Orten des politischen und theologischen Diskurses werden. Sie vertritt ihre Position öffentlich und wird schließlich zur Beauftragten der Südafrika-Gruppen im nordelbischen Frauenwerk. 15 Jahre dauert der Boykott, bis endlich 1990 mit der Freilassung Nelson Mandelas für Südafrika eine neue Zeit beginnt. Für ihr Engagement wird Ada Ehmler mit der Bugenmedaille der Nordkirche ausgezeichnet.

Ada Ehmler stirbt im Jahr 2009 im Alter von 83 Jahren, betrauert von ihrem Mann, der sie immer unterstützt hat. „Ich will einfach weiter versuchen, das Heute so zu gestalten, dass ich auch morgen noch damit leben kann und dass ich auch damit sterben kann“ – Worte, die wie ein Vermächtnis klingen und Leitlinie auch für heutiges Handeln sein können.
Zum Frauenfrühstück waren fast 50 Frauen in das Gemeindehaus St.-Jürgen gekommen. Seit vielen Jahren laden Heider Ehrenamtliche im Februar zu diesem Beisammensein, das mit einem gemütlichen Frühstück beginnt und in einem anspruchsvollen Vortrag mündet.