Brunsbüttel – Seit über zwei Jahrzehnten engagiert sich Dagmar Delventhal (65) sehr aktiv für die Kirchengemeinde Brunsbüttel. Für ihr ehrenamtliches Engagement erhält sie nun das Ansgarkreuz der Nordkirche.

„In unserem Kirchengemeinderat fehlt ein Finanzexperte“, erklärte die damalige Pastorin Birgit Mahn aus Brunsbüttel der überraschten Dagmar Delventhal. „Könnten Sie das nicht machen?“ Über zwanzig Jahre ist der spätabendliche Überraschungsbesuch nun her. Es wurde ein Besuch mit weitreichenden Folgen. Damals hatte Dagmar Delventhal mit Kirche noch nicht so viel am Hut, allerdings begleitete die gelernte Bankkauffrau gern Tochter Kristina (heute 30) zu den Kindergottesdiensten. Dort lernte sie auch Pastorin Mahn kennen, deren Anfrage zwar überraschend, aber dennoch gelegen kam. Nach der Geburt ihrer Tochter hatte Dagmar Delventhal ihre langjährige Tätigkeit als Zweigstellenleiterin in einer Bank aufgegeben und liebäugelte schon länger mit einem Ehrenamt. Die gebürtige Brunsbüttlerin stimmte also zu – und ahnte nicht, dass sie über zwanzig Jahre später dafür die höchste kirchliche Auszeichnung erhalten würde, das Ansgarkreuz.
„Damals bin ich erstmal damit angefangen, mich in den Haushalt der Kirchengemeinde einzuarbeiten“, erinnert sich die stellvertretene Vorsitzende des Kirchengemeinderats an die ersten Monate. „Heute trage ich dafür die Verantwortung.“ Seit 14 Jahren ist Dagmar Delventhal zeichnungsbefugt und Ansprechpartnerin für viele Fragen. „Wenn der Hausmeister eine neue Arbeitshose braucht oder im Büro der Schredder neu muss, werde ich gefragt“, erklärt die 65-Jährige. „Das trifft allerdings auch zu, wenn eine Mauerwerkssanierung für 300.000 Euro ansteht.“ So sehr sich Dagmar Delventhal über das Vertrauen in ihre Person freut, so sehr ist sie sich auch ihrer Verantwortung bewusst. „Es lastet manchmal schon ein hoher Druck auf mir, schließlich möchte ich niemanden enttäuschen.“

Aus wenigen Stunden wöchentlich ist längst eine Halbtagstätigkeit geworden – ehrenamtlich, wohlgemerkt. An vier Tagen in der Woche kümmert sich die Frau von Manfred Delventhal nicht nur um das Büro und die Finanzen, sondern auch um Personalangelegenheiten und die Organisation aller Veranstaltungen. Sie arbeitet zudem in der Synode und im Kirchenkreisfinanzausschuss.

Für ihr außergewöhnliches Engagement erhielt sie bereits vor vier Jahren von den Brunsbüttelern Christdemokraten den Bürgerpreis. Für Dagmar Delventhal war diese Ehrung lange kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Gerade vor wenigen Monaten nahm sie eine scheinbar unüberwindbare Hürde als Herausforderung und meisterte diese mit Bravour. Als Ende des vergangenen Jahres alle drei Pastoren monatelang gleichzeitig ausfielen, geriet die Kirchengemeinde Brunsbüttel in einen Ausnahmezustand. Nicht aber Dagmar Delventhal. Mit einer für die 65-Jährige so typischen Mischung aus Liebenswürdigkeit und Beharrlichkeit gelang es ihr, „den Betrieb“ dennoch aufrecht zu erhalten. Sie telefonierte nach Vertretungspastoren, organisierte die Gottesdienste und warb letztendlich sogar einen neuen Pastor für ihre Gemeinde an. Und damit nicht genug. Dagmar Delventhal schiebt sich eine Strähne ihrer langen, blonden Haare hinter das Ohr und sagt grinsend: „Trotz aller Turbulenzen hat es geklappt und es ist auch nichts Schlimmes passiert!“

Im Gegenteil, denn ihr besonderes Engagement wurde nicht nur in der Synode mit Applaus belohnt, sondern auch ihre Kirchengemeinde weiß ihre Leistungen zu würdigen. In einem Festgottesdienst wird daher die stellvertretene Pröpstin Astrid Buchin Dagmar Delventhal das Ansgarkreuz verleihen. Diese freut sich zwar sehr über die Auszeichnung, findet aber den Rummel um ihre Person übertrieben. „Ich hätte all das doch auch ohne Ansgarkreuz weitergemacht“, sagt Dagmar Delventhal bescheiden. „Ich bin einfach dankbar dafür, hier bei der Kirche meinen Platz gefunden zu haben.“

Der Festgottesdienst in der Pauluskirche ist am Sonntag, 9. April um 11 Uhr. Nach dem Gottesdienst lädt die Kirchengemeinde zu einem Empfang ein.

Text und Bild: Svenja Engel