IMG_5668Brunsbüttel – Sie hat einen Hauch wilhelminischen Flairs und ruht wie eine Insel im Meer mit einem Turm, der symbolisch Leuchtkraft hat. Die Rede ist von der Paulus-Kirche Brunsbüttel. Sie liegt mitten in der Stadt umgeben von mittelständischen Wohnhäusern in unmittelbarer Nähe des Kanals, dem sie letztlich ihre Existenz verdankt. In diesen Tagen wurde sie 100 Jahre alt. Grund genug für die Gemeinde, eine Reihe fröhlicher Feste mit der alten Dame zu feiern. Von März bis Juni dauern die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum an.

Im Zuge des Kanalbaus hatte Brunsbüttel stetig an Bedeutung, aber auch an Größe gewonnen. 1908 war mit Brunsbüttelkoog eine Art Retortenstadt für die Beamten entstanden, bereits 1910 baute man dort ein Pastorat mit Konfirmandensaal. Jetzt brauchte es nur noch ein Gotteshaus für die junge Gemeinde. Bis 1948 nannte man die Wasserstraße noch nach ihrem Begründer „Kaiser-Wilhelm-Kanal“. Der hatte denn auch sein Augenmerk auf dem Bau des Gotteshauses. Die Baupläne wurden vom Kaiserlichen Kanal-Bauamt begleitet und von Kaiser Wilhelm II. höchst persönlich begutachtet. Zur Einweihung schenkte dessen Frau Kaiserin Auguste Viktoria der Kirche eine Altarbibel mit persönlicher Widmung, die noch heute an ihrem angestammten Platz liegt.

„100 Jahre sind für ein Menschenleben eine ganze Menge, für eine Kirche ist es dagegen eher ein jugendliches Alter“, sagte Pastor Klaus Struve, Vorsitzender des Kirchengemeinde-Rats, in seiner Begrüßung. Doch auch 100 Jahre hinterlassen Spuren. 1958 wurde der Innenausbau neu gestaltet, in jüngster Vergangenheit erhielten die angrenzenden Gemeinderäume neuen Pfiff. Und jetzt gibt es Überlegungen, ob die Pauluskirche mit ihren besonderen Möglichkeiten nicht auch auf besondere Weise genutzt werden kann. Zu diesen Überlegungen passte das Grußwort von Propst Dr. Andreas Crystall, der schon mal Haken und Winkel mitbrachte. Die Winkel seien hervorragend geeignet, moderne Technik wie Strahler oder Boxen anzubringen, sagte er mit einem Augenzwinkern und verband damit den Wunsch, dass hier junges Gemeindeleben eine Heimat finden möge. Weitere Grußworte von Kreispräsident Hans-Harald Böttger und Bürgervorsteherin Karin Süfke machten deutlich, wie tiefgehend die Verbindung von Menschen zu ihrer Kirche sein kann, zeigten aber auch die hohe Anerkennung, die die Arbeit der Gemeinde in Politik und Verwaltung erfährt. „Wir danken für Ihr Engagement im sozialen Miteinander, im Ehrenamt und in der Flüchtlingshilfe“, sagte Böttger. Unter den Gästen waren auch die Landtagsabgeordneten Bernd Voß (Grüne) und Oliver Kumbartzky (FDP).

Die Predigt hielt Propst Stefan Block als stellvertretender Bischof, musikalisch begeisterte der Bezirksbläserchor unter Leitung von Gunda Köster und Sebastian Hilmes. Die Kantorei, geführt von Ágnes Farkas, und Solisten sorgten für den feierlichen Rahmen, die Pastoren Peter Marten, Ingo Pohl und Jochen Driesnack zeigten sich gut gelaunt. Sie hatten gemeinsam mit vielen Ehrenamtlichen einen fröhlichen Tag zu Ehren der alten Dame vorbereitet, die sich an diesem Tag wunderschön geschmückt, jugendlich frisch und der Zukunft zugewandt einer großen Gemeinde präsentierte.

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