Meldorf – Die Reformation als Glaubensfrage und machtpolitische Herausforderung ist Thema des Vortrags, den Professor. Dr. Oliver Auge am Mittwoch, 5. April, in der Meldorfer Gelehrtenschule halten wird. Es ist der zweite Vortrag einer Reihe, die der Kirchenkreis Dithmarschen, das Dithmarscher Landesmuseum und die Volkshochschule Dithmarschen im Zusammenhang mit dem Reformationsjubiläum organisieren.

„Die Einführung der Reformation war generell und auch in Dithmarschen nie nur ein religiöses beziehungsweise kirchliches Unterfangen“, erklärt der Geschichtswissenschaftler und Altphilologe Oliver Auge. „Es ging immer zugleich um die Durchsetzung handfester machtpolitischer Interessen und Zielsetzungen.“ In Dithmarschen sei es hierbei konkret zur Konfrontation zwischen den nach immer stärkeren Machtbefugnissen strebenden 48ern und den um ihre Autonomie bangenden Kirchspielen sowie den einflussreichen und an alten Traditionen festhaltenden Geschlechtern gekommen. Opfer dieser Gemengelage aus Interessen, zu denen sich noch die des Hamburger Domkapitels und des Bremer Erzbischofs gesellten, wurde prominent der Reformationsprediger Heinrich von Zütphen, der aus Meldorf in einer Nacht-und-Nebel-Aktion gekidnappt und kurz darauf in Heide auf grausame Art und Weise hingerichtet wurde. Der Vortrag umreißt die damalige Situation in Dithmarschen und wagt auf dieser Grundlage eine Einordnung, um was es damals in Dithmarschen eigentlich ging: um den Glauben oder die Macht oder um beides.

Prof. Dr. Oliver Auge lehrt seit 2008 Regionalgeschichte an der Universität Kiel. Zwei Rufe nach Salzburg und Greifswald hat er 2013 und 2016 abgelehnt. Gemeinsam mit dem Dithmarscher Landesmuseum erarbeitet er derzeit unter aktiver Mithilfe einer studentischen Projektgruppe eine Ausstellung zur Reformationsgeschichte Dithmarschens, die ab 1. Juni 2017 in Meldorf zu sehen sein wird. Der Vortrag in der Meldorfer Gelehrtenschule beginnt am Mittwoch, 5. April, um 19 Uhr. Eintritt: 5 Euro.

Beitragsbild: Dithmarschen-Wiki, Stefan Rasche
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