Nein, Weihnachten darf nicht ausfallen! Weihnachten kann gar nicht ausfallen. Selbst wenn uns nach „feiern“ rein gar nicht zumute ist. Selbst wenn sich die eigene Seele hartnäckig verweigert, weihnachtliche Gefühle zu produzieren. Selbst wenn wir das „Friede auf Erden“ der Engel der Weihnachtsgeschichte in diesen dunklen Tage nicht als Ansage hören können, sondern grade mal als dringende Bitte.

Schreckliche Bilder von Mord und Terror verbinden sich mit jedem Gedanken von Weihnachtsmarkt, von Glühweinluft, Geselligkeit, Mandelduft. Wir sind empfindlich getroffen in unserer weihnachtlichen Sehnsucht, in unserem freiheitlichen Lebensstil, in dem was wir lieben. Der Anschlag in Berlin sticht uns ins Herz. Es ist, als wäre der LKW direkt in den Stall gefahren und in die Krippe. So verheerend sollte er ja wirken, seine perfide Wirkung entfalten, Angst und Hass säen. Aber Angst frisst Seelen auf. Und Hass macht Menschen hässlich. Wer jetzt diesen Hass weiterträgt, hilft mit am weihnachtlichen Raub, macht sich zum Komplizen, zeigt sich dem Terror untergeben und gehorsam. Und sorgt dafür, dass die Heiligen drei Könige auch gleich mit unter die Räder kommen, die friedlichen Fremden, die demütig dem Stern gefolgt sind. Das passiert übrigens gerade tausendfach in den sozialen Netzwerken, sie sind voller hässlich machendem Hass. Und sie zelebrieren die Angst.

Nein, unsere Welt ist nicht friedlich, sie ist nicht heil, in Aleppo nicht, in Afghanistan nicht, nicht in Jerusalem, nicht in Berlin an der Gedächtniskirche, nicht in Dithmarschen. Es wird uns so schmerzhaft bewusst in diesem Jahr, dass wir Weihnachten ja nicht feiern, um in eine kleine heile Welt zu flüchten. Weihnachtsidylle mag sich gut anfühlen, ist aber trügerisch. Wir feiern Weihnachten doch deshalb, weil Gott in unsere dunkle, kaputte Welt kam, in Elend und Angst, in Terror und Tod, Macht und Heimatlosigkeit. Denn gerade davon erzählt die Weihnachtsgeschichte, wenn man es genau nimmt. Und davon, dass Gott in genau dieser Welt aus uns „Menschen seines Wohlgefallens“ machen möchte. Das sind die, die das „Friede auf Erden“ nicht nur hören, sondern sich auf den Weg machen und auf dem Weg bleiben. Das war damals nicht leicht und ist heute nicht leicht. Aber es ist besser, als Weihnachten innerlich ausfallen zu lassen. Wer diesen Gott aufgibt, der sich in unser Dunkel wagt, um es hell zu machen, „der löscht die Sonne, um mit einer Laterne weiterzuwandern“ (Christian Morgenstern).
Ich wünsche Ihnen in diesem Sinne friedliche Weihnachten,
Ihr Propst Dr. Andreas Crystall

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