Albersdorf – „Willkommen auf weitem Raum“, so begann Propst Dr. Andreas Crystall in Anspielung auf Psalm 31 sein geistliches Leitwort zur ersten Willkommenskonferenz im Kirchenkreis Dithmarschen. 120 Engagierte aus den Kirchengemeinden und den Diensten und Werken waren gekommen, um miteinander über die Zukunft von Kirche im ländlichen Raum nachzudenken und die Herausforderungen in den Blick zu nehmen.

„Weiten Raum haben wir in Dithmarschen genug“, so der Propst, „aber welches Wetter wird da sein?“ Dabei hielt er ein altes Barometer in die Höhe, dessen Anzeige auf „Veränderlich“ stand. Diese Veränderlichkeit der kirchlichen Landschaft stand im Mittelpunkt des Tages. Mit ihr umzugehen wird die Herausforderung für die neuen Kirchengemeinderäte sein, die im Advent vergangenen Jahres gewählt wurden. „Wir begrüßen Sie nicht als Gäste, sondern als Familienmitglieder“, sagte der Propst. „Wir zeigen Ihnen heute nicht nur unser sauberes Wohnzimmer und unseren frischgemähten Rasen, wir gucken mit Ihnen gemeinsam auch Keller und Dachboden an.“ Er legte Zahlen, Daten und Fakten aus Dithmarscher vor, die viele nachdenkliche Gesichter hervorriefen.

Professor Dr. Gerhard Wegener vom Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD legte eine detaillierte Untersuchung zum Thema „Wie geht es den Kirchengemeinden“ vor. Das Institut hatte zahlreiche Kirchengemeinderäte und PastorInnen nach ihren Prioritäten und ihren Positionen befragt. Deutlich wurde dabei, dass der Gemeinschaftsaspekt an vielen Orten wichtiger ist als der religiöse und dass nur wenige Gemeinde ein Interesse daran haben, sich auf dem Markt sozialer, kultureller oder religiöser Anbieter hervorzutun. „Zufriedenheit ist kein angemessenes Kriterium“, sagte Wegener. Es brauche eine „kreative Unzufriedenheit“, die vermehrt auch nach der Außenwirkung frage. Wege in die Zukunft seien das Vertrauen in die eigene Kraft und eine gute Organisation mit modernen Leitungsmethoden.
Ulrike Brand-Seiss vom Gemeindedienst der Nordkirche wies mit dem Projekt „So kann es gehen – Gemeinden erproben neue Wege“ neue Spielräume auf, die auch nordkirchlich mitgetragen werden. Eine Möglichkeit besteht darin, pastorale Präsenz ohne Residenzpflicht in einem Pastorat zu erproben. So können gemeinschaftliche Aufgaben besser in den Blick genommen und auf lange Sicht die flächendeckende Versorgung garantiert werden. Wichtig war ihr auch, dass Gemeinden das Umfeld mehr in den Blick nehmen und sich selbst als Teil des Sozialraums begreifen. „Öffnen Sie Ihre Räume und Ihre Herzen für Ihr Umfeld“, sagte sie, „dann werden Sie keine Probleme mehr mit Ressourcen haben.“ „Sie sind die Experten für Ihre Gemeinde“, betonten beide.

Durch den Tag, den Personal- und Organistionsentwicklerin Jenny Nehrdich federführend vorbereitet hatte, führten Angelika Michelly und Benjamin Pohlmann. Synodenpräses Gunhild Maume lud ein, sich doch für die neu zu wählende Kirchenkreissynode aufstellen zu lassen. In erweiterten Kirchspiels-Gruppen diskutierten die Teilnehmer das Gehörte. entwickelten Ideen und motivierten sich gegenseitig.

„Ich glaube, dass Gott unsere Füße auf gute Spielräume führen wird“, so der Propst. „Meine Bitte ist, nicht damit zu warten, bis es so richtig doll weh tut, bis einem das Wasser zu Halse steht und bis man nur noch reagieren kann. Wir haben ein Zeitfenster von etwa fünf Jahren, das ist wenig. Aber wir sind ja auch schon gut vorbereitet, irgendwie brüten wir ja auch schon aus, und nun sind die neuen Kirchengemeinderäte am Zug.“

Andacht und Vortrag Propst Dr. Andreas Crystall
Zahlen, Daten, Fakten Andreas Crystall
Vortrag Gerhard Wegener
Einbringung Jenny Nehrdich
Vortrag Ulrike Brand-Seiss

Willkommenskonferenz