Wir sind doch nicht blöd!
Da sage man nicht, man könne nicht von Werbung lernen. Als ich so neulich in Heide war und über den Marktplatz ging, da habe ich das sofort begriffen. Riesig und rot prangt da das Plakat von Media-Markt. Und deutlich für alle sichtbar ist da die absolute Wahrheit zu lesen: „Weihnachten wird unter dem Baum entschieden“.
Wow, habe ich gedacht, da meine ich, die beschäftigen in ihrer Werbeabteilung Marketing-Leute. Und jetzt stelle ich fest, die beschäftigen Theologen.
„Weihnachten wird unter dem Baum entschieden“ – Klar, was die Werbestrategen meinen: Unterm Weihnachtsbaum findet in den meisten Familien die Bescherung statt. Und da sollen sich eben alle besonders auf die Waren von Media-Markt freuen. Bringst Du was von Media-Markt, dann werden alle Herzen froh. Natürlich habe ich das begriffen. Um noch so einen Spruch von Media-Markt aufzugreifen: Ich bin ja nicht blöd.
Mal abgesehen davon, dass so ein Spruch schon eine ganz schön steile These ist. „Weihnachten wird unter dem Baum entschieden“. Also, ich kenne viele Menschen, die haben gar keinen Baum. Z. B. weil sie bei ihren Kindern feiern. Oder weil sie sich einen Baum gar nicht leisten können. Oder weil sie Weihnachten doof finden und lieber nach Spanien fliegen.
Oder der Imbiss-Besitzer, bei dem ich meinen Döner hole – der ist Moslem, der feiert gar nicht Weihnachten. Und die jüdische Gemeinde hat gerade Chanukka gefeiert – ohne Baum. Sondern mit Leuchter – in der Form einer Zeder. Immerhin.
Und dann sind da die Menschen, die haben einen Baum und auch Geschenke. Aber die wissen gar nicht, warum sie feiern. „Da ist der Weihnachtsmann gestorben“ wusste neulich ein Konfirmand. Richtig: Und Ochs und Esel und Osterhase kommen zur Beerdigung. Naja, dazu müsste man auch schon einmal den Bibeltext lesen, um zu merken, dass da ein Königskind geboren wird. Und Himmel und Erde kommen, diesem Kind zu huldigen. Und dass wir den Geburtstag dieses Königskindes feiern – und nicht uns selber.
„Weihnachten wird unterm Baum entschieden“ – das ist erst einmal eine christliche Aussage. Und das Stichwort ist „Baum“. Erinnern Sie sich, wo in der Bibel die erste Entscheidung unter einem Baum gefällt wurde? Richtig, Eva gibt Adam eine Frucht – und er beißt hinein. Seitdem wissen die Menschen, was Gut und was Böse ist – und was Entscheidung ist zwischen Gut und Böse. Und weil sie das wissen, fliegen sie aus dem geschützten Paradies und sind vom direkten Zugang von Gott getrennt. „Sinden“ heißt das auf Mittelhochdeutsch – „Sünde“ heißt „Trennung von Gott“ – mehr nicht. Nichts moralisches.
Der zweite Baum ist der Stammbaum des König Davids, der sein Land in Recht und Gerechtigkeit regiert, als Friedefürst und Beauftragter Gottes. Und dessen Stammbaum wird von den Babyloniern ausgerottet. Um im Bild zu bleiben, abgehauen. Und die Hoffnung ist: aus diesem abgehauenen Baumstumpf kommt ein neuer Reisig, der heil und Leben bringt. „Es ist ein Reis entsprungen“ – singen Sie jedes Jahr. Nun wissen Sie warum.
So, und wer ist dieser Reisig aus dem Baumstumpf? Wer hebt die Trennung zwischen Gott und Mensch auf? Wer ist dies Königskind, dass da in Bethlehem geboren wird? Und wer schließlich bringt Dir und mir die Auferstehung und das Leben? Richtig: Jesus, den wir den Christus nennen.
Verstehen Sie, was uns die Media-Menschen da sagen? Weihnachten entscheidet Dein Leben. Es sagt Dir, wer Dir das Leben bringt. Wer Dir die Auferstehung und das Leben bringt. Das ist Gottes Geschenk an Dich. Das liegt unterm Baum. Du brauchst es nur auszupacken.
„Weihnachten wird unterm Baum entschieden“ – das hab ich kapiert. Ich bin ja nicht blöd.
Jörg Denke