100 Jahre Gotteslob

Meldorf – In diesem Jahr wird er 100 Jahre alt und ist doch tatsächlich jünger, erfolgreicher und aktiver als je zuvor: Der Meldorfer Posaunenchor. Mehr als 30 Bläserinnen und Bläser zwischen 9 und 77 Jahren treffen sich regelmäßig unter Leitung von Sebastian Hilmes zum Üben. Und wenn sie ihre Instrumente ansetzen, dann erklingen keineswegs nur „alte Schinken“, dann jazzt und groovt es auch schon mal, dann wippen die Füße und dann jagt es den Zuhörern in den Bänken des altehrwürdigen Doms schon mal einen wohligen, genussvollen Schauder über den Rücken. 100 Jahre – ein Grund zum Feiern: Das Wochenende um den 9. Mai steht in Meldorf ganz im Zeichen der Posaunenmission.

Schon am Freitag, 7. Mai, treffen sich auf dem Marktplatz Musiker aus ganz Dithmarschen. Um 17 Uhr startet das „Platzkonzert“. Dazu sind alle Musikbegeisterten herzlich willkommen. Neben dem Choralbuch will Hilmes unter anderem Stücke aus dem Bläserheft für den diesjährigen Posaunentag in Angeln intonieren. Etwa eine Stunde lang wird die historische Meldorfer Innenstadt vom festlichen Bläserklang erfüllt sein.
Für den nächsten Tag erwartet Sebastian Hilmes den Landesposaunenwart Werner Petersen. Er wird während des Festkonzerts, das um 18 Uhr im Dom beginnt, verdienstvolle Bläserinnen und Bläser für ihre Treue auszeichnen. „Wir werden einen Querschnitt durch 100 Jahre Posaunenchormusik spielen“, verspricht Sebastian Hilmes. Darunter sind Choralsätze von Johann Sebastian Bach ebenso wie die Stücke, die Johannes Kuhlo oder Fritz Fliedner extra für Posaunenchöre gesetzt haben. In kleiner Besetzung will Hilmes demonstrieren, wie ein Posaunenchor vor 100 Jahren, als es noch kaum Trompeten und Posaunen, sondern fast nur Hörner gab, geklungen hat. Das ganze Fest steht unter dem Motto „Nun danket alle Gott“.

Auf das Konzert hat sich der Chor lange vorbereitet – ebenso wie auf die Ausstellung im Dom-Inneren. Dort sind an Stellwänden Bilder und Zeitungsartikel aus 100 Jahren angebracht. In Vitrinen liegen alte Instrumente wie zum Beispiel ein Kuhlo-Horn, ein einfaches, kleines Instrument, an das sich viele noch aus den frühen Jahren der Posaunenchorarbeit erinnern. Auch ein Tenorhorn mit Beutel ist dort zu sehen – man nahm das früher mit der Pflege der Instrumente nicht so genau, das Geld reichte nicht für Hartschalen-Etuis, so half man sich mit Segeltuchtaschen, die nur wenig Schutz boten und im Laufe der Jahre herrlich schmuddelig werden konnten. In Regalen finden sich Noten, die heute kaum mehr verwendet werden und das Herz manch altgedienten Bläsers höherschlagen lassen.
Im Dom-Inneren liegt auch die Festschrift aus, die ihm Zusammenhang mit dem Gemeindebrief erschien. Darin erzählen Bläser mit viel Humor von ihren Erfahrungen und erinnern sich an besondere Chorleiter. Einer von ihnen hatte zum Beispiel seinen Schüler dabei erwischt, wie er auf dem Kuhlo-Horn „Die Ballade von Meckie Messer“ übte – von der Straße aus hatte er die Melodie erkannt. Er stürmte wutentbrannt hoch und beschimpfte den Schüler heftig. Für solche Art der Entweihung sei das Horn nicht vorgesehen, meinte er.

Am Sonntag, 9. Mai, beginnt dann im Dom um 10 Uhr der Festgottesdienst – die Aktiven des Meldorfer Posaunenchores gestalten ihn maßgeblich mit, manch ehemaliger Bläser setzt zur Feier des Tages noch einmal das Instrument an die Lippen. „Wir werden dann fast vollständig sein“, sagt Sebastian Hilmes. Pastorin Britta Taddiken hält die Predigt. Ein bisschen aufregend ist es schon, das ganze, selbst für einen gestandenen Chorleiter wie Sebastian Hilmes. Aber 100 Jahre – das ist ja schließlich auch nicht ganz ohne.

Text und Bild: Inke Raabe