Meldorf – Die letzten Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, in wenigen Tagen wird die sechsköpfige Delegation der El Salvador-Partnerschaftsgruppe aufbrechen: Am 23. Januar beginnt für die Frauen und Männer aus Dithmarschen die Reise nach Zentralamerika. Zu den Zielen gehören diesmal die Partnergemeinden in El Salvador, Santa Ana und Cara Sucia, sowie Guatemala. Bereits seit einem Vierteljahrhundert werden die Partnerschaften gepflegt, „auf Augenhöhe“, wie der frühere Barlter Pastor Dr. Dietrich Stein sagt.

Damals, im Jahr 1992, gründeten Mitglieder der Kirchengemeinde Barlt gemeinsam mit Mitstreitern aus Marne und Eddelak die El Salvador-Partnerschaftsgruppe. Gerade war der Bürgerkrieg in dem kleinsten Land Zentralamerikas beendet, der rund 70.000 Menschen das Leben gekostet hatte. Die damalige nordelbische Kirche solidarisierte sich mit der dortigen lutherischen Kirche – Partnerschaften wurden ins Leben gerufen, um bei der Bewältigung der sozialen Probleme zu helfen. So auch die Partnerschaftsgruppe im damaligen Kirchenkreis Süderdithmarschen.

Seitdem sind Dithmarscherinnen und Dithmarscher rund 20 Mal nach El Salvador gereist. „Es ist eine Dialog-Partnerschaft, die von persönlichen Begegnungen lebt“, sagt Andrea Hanssen, die bereits einige Male mitgereist ist. „Es geht darum, Kontakte zu knüpfen, Menschen zusammenzubringen und voneinander zu lernen.“ So sei beispielsweise in Cara Sucia eine lokale Radiostation finanziell gefördert worden, nachdem die Dithmarscher sich bei der deutschen Botschaft dafür eingesetzt hatten. „Der Sender wird von Jugendlichen betrieben und ist ein wichtiges Frühwarnsystem bei drohenden Naturkatastrophen.“ El Salvador liegt in einem Erdbebengebiet. Auch als Wahlbeobachter waren die Dithmarscher dort schon unterwegs. Und erst vor zwei Jahren absolvierte ein junger Agrar-Ingenieur aus El Salvador ein Praktikum in Kronprinzenkoog – als Multiplikator gibt er das erworbene Wissen in seiner Heimat weiter. Auf der anderen Seite versprechen sich die Dithmarscher auch einen Erkenntnisgewinn: „El Salvador ist führend bei der Saatguterforschung“, sagt Annette Thode-Flicek, „davon können wir auch profitieren.“ Kontakte zwischen dem dortigen und dem schleswig-holsteinischen Landwirtschaftsministerium wurden bereits hergestellt.

Und so wundert es nicht, dass die Dithmarscher Delegation Grüße des schleswig-holsteinischen Landwirtschaftsministers Robert Habeck, des Landrats Dr. Jörn Klimant und Kreispräsidenten Hans-Harald Böttger sowie von Propst Dr. Andreas Crystall im Gepäck hat.

„Der ökumenische Gedanke erweitert für uns als Kirche den Horizont“, sagt Pastor Stein. Ein wichtiger Aspekt der Partnerschaft sei die Nachhaltigkeit, ergänzt Delegationsmitglied Alexander Kühnl. Das „Buen Vivir“ (das gute Leben) des ecuadorianischen Wirtschaftswissenschaftlers Alberto Acosta Espinosa bewege viele Menschen in Lateinamerika, sagt Kühnl. Die Partnerschaftsgruppe hatte den Intellektuellen schon einmal nach Meldorf eingeladen. Sie versteht sich politisch, ein Zusammenleben in Vielfalt und Harmonie mit der Natur, wie Acosta Espinosa es lehrt, beschäftigt die Dithmarscher, die in Zentralamerika schließlich auch dazulernen möchten. Stein: „Es ist ja keine Patenschaft, sondern eine Partnerschaft auf Augenhöhe.“