Dithmarschen – „Diakonische Arbeit ist stille Arbeit“, so beschreibt Propst Dr. Andreas Crystall den Dienst des Diakonischen Werkes Dithmarschen (DWD). Und in der Tat: Wenn man sich das Spektrum ansieht, wird schnell bewusst, dass die Mitarbeitenden nur selten darüber sprechen. Das Tun ist ihnen wichtiger als das Wort, das ist nun einmal ihr Wesen, und das seit nunmehr 50 Jahren.

„Begonnen hat es 1967 mit einer einzigen Mitarbeiterin“, erklärt Gerhard Wiekhorst, Geschäftsführer des DWD in Meldorf. Und diese Mitarbeiterin war nicht einmal vom Kirchenkreis angestellt, sondern wurde vom Diakonischen Werk Schleswig-Holstein entsandt. Zu der Zeit übernahmen noch Gemeindeschwestern einen großen Teil der diakonischen Arbeit. Sie waren ja viel mehr als häusliche Pflegekräfte: Sie hatten stets ihr Ohr an den Nöten ihrer Umgebung. Aber die Bedarfe änderten sich: Seit der Einführung des Bundessozialhilfegesetzes 1992 wurden zunehmend außerbehördliche Beratungsstellen gebraucht. So wurde die Sozialberatung zu einem Grundstock in der Entwicklung des DWD. Bald darauf folgte der Ausbau der Haus- und Familienpflege. Auch der Bedarf an Suchtkrankenhilfe wurde schnell sichtbar. In den 1990er-Jahren entstand dann, ausgelöst durch den Zuzug vieler Russlanddeutscher, die Migrationsberatung, die heute aus der Flüchtlingsarbeit in Dithmarschen nicht mehr wegzudenken ist. Aktuell ist auch die Familienberatung ein wichtiger Zweig: Immer mehr Familien zerbrechen, immer schwieriger wird es für viele, Kinder gut ins Leben zu bringen. Die Familienberatung unterstützt professionell und verschwiegen – im Stillen halt – und hilft, schwierige Lebenssituationen zu meistern. Inzwischen hat das DWD über 40 Mitarbeitende, hinzu kommen die vielen Pflegekräfte der kirchlichen Sozialstationen und Altenhilfe-Einrichtungen.

Möglich wurde diese Arbeit durch gute Kooperationen: Verträge mit Bund, Land, Kreis und Kommunen sichern die Hilfen, die Behörden finden im DWD einen vertrauenswürdigen, verlässlichen und kompetenten Partner. Dennoch gibt es Bereiche, die nicht drittmittelfinanziert werden können: Etwa 400000 Euro schießt der Kirchenkreis pro Jahr aus Kirchensteuermitteln hinzu. Das DWD ist Mitglied bei der Hoelp und im Schuldnerberatungsverein Lichtblick. Gemeinsam mit der Dithmarscher Landeszeitung organisiert es Jahr für Jahr die Sterntaler-Aktion. Ein anderes Beispiel ist der Kommunaldiakonische Wohnungsverband Heide (KDWV), der Menschen in Wohnungsnot hilft.

„Das DWD hat sich stets als Mitgestalter der sozialen Landschaft im Kreis Dithmarschen verstanden“, so Gerhard Wiekhorst. Im Stillen arbeiten, ja, das passt zum DWD. Aber Still-Stand ist etwas, was Wiekhorst sich nicht vorstellen kann. „Wir gehen weiter“, sagt er. „Wir reagieren immer auf den aktuellen Bedarf. Wir sind immer mit einem Ohr an den Bedürfnissen der Menschen.“

Ein großer Festgottesdienst zum 50-jährigen Jubiläum beginnt am Donnerstag, 22. Juni, um 14 Uhr im Meldorfer Dom. Die Predigt hält Landespastor Heiko Naß.