Meldorf – Vom Kinderchor Meldorf bis zur Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) – die kirchliche Karriere von Merle Fromberg (53) ist bemerkenswert. Umso trauriger ist der Kirchenkreis Dithmarschen, dass die 53-Jährige nach 27 Jahren aktiver Mitarbeit in den Kirchenkreis Ostholstein wechselt.

„Hilfe, kann ich das alles loslassen“, war der erste Gedanke von Merle Fromberg, als Propst Peter Barz aus Eutin ihr einen Arbeitsplatz im Kirchenkreis Ostholstein anbot. Es ging um einen neu geschaffenen Arbeitsbereich, der Touristik und Kirche miteinander verbinden soll. Trotz aller Bedenken war Merle Fromberg eines schnell klar: „Diese Stelle ist eine Kombination meiner beiden großen Leidenschaften – Kirche und Tourismus.“ Die gebürtige Meldorferin nahm die Herausforderung schließlich an und begann am 1. August ihren Dienst in Eutin. Für ihre Jahrzehnte lange Mitarbeit in der Kirchengemeinde Meldorf änderte sich dadurch allerdings einiges.

Merle Fromberg trat Ende Juli von ihrem langjährigen Amt als Kirchengemeinderätin zurück. Gleichzeitig beendete sie ihre Mitgliedschaft in mehreren kirchlichen Gremien und Ausschüssen. Leicht fiel der Mutter dreier erwachsener Kinder dieser Schritt nicht. „Alle meine schönen Ehrenämter, die ich so sehr geliebt habe“, bedauert sie. Merle Fromberg sitzt an ihrem Kieferntisch im Wohnzimmer und stützt das Kinn auf die rechte Hand. Für einen Moment verliert sich ihr sonst so fester Blick. Sekunden später ist ihre Aufmerksamkeit zurück. „Wenn ich die Woche über in Eutin bin, kann ich da einfach nicht vernünftig mitarbeiten.“ Wie zur Bekräftigung ihrer Worte klopft sie mit der linken Hand kurz auf den Tisch und nickt – und erinnert sich an die Zeit, als alles begann.

„Als Vierjährige kam ich in den Kinderchor, von dort irgendwann in den Jugendchor und dann in die Kantorei“, erzählte Merle Fromberg. Mit 26 Jahren wurde sie von dem damaligen Pastor Kurt Knorr für den Kirchengemeinderat angeworben – und ihre kirchliche Karriere nahm Fahrt auf. Aus Ärger über unverständliche Beschlüsse „von oben“ kandidierte sie sechs Jahre später für die Synodenwahl des Kirchenkreises. Es folgten die Landessynode, die Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) und die Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Während der Aufzählung ihrer vielen Ehrenämter muss Merle Fromberg selber ein bisschen schmunzeln. „Das ist einfach so gekommen.“ Sie wirft ihre dunklen Locken zurück und stellt lachend fest: „Ich hatte immer gut zu tun.“ Schließlich arbeitete sie zeitgleich im Tourismus- und Servicecenter Meldorf, gehörte dem Vorstand des Eine-Welt-Ladens in Meldorf und der Partnerschaftsgruppe Papua-Neuguinea an. Dabei hatte Merle Fromberg eigentlich ganz andere Berufspläne.

„Ich wollte immer in den Diplomatendienst“, erläutert die 53-Jährige. Sie studierte in Frankreich und bestand ihr Französischdiplom mit Auszeichnung. In Hamburg studierte sie Amerikanistik, Germanistik und Völkerkunde. Der Liebe wegen ging es zurück nach Meldorf, wo direkt nach der Magisterprüfung das erste von drei Kindern geboren wurde. Merle Fromberg zuckt mit den Achseln. „Tja, und in Meldorf gibt es nun mal eben keine Botschaft.“ Aber es gab eine freie Stelle im Tourismus- und Servicecenter Meldorf, wo sie mit der Vermarktung der Ferienregion und deren Veranstaltungen ihre Leidenschaft für den Tourismus entdeckte. Und es gab die Kirchengemeinde, die mit vielen Aufgaben und Herausforderungen auf die heute 53-Jährige wartete. „Was habe ich nicht alles erlebt und gelernt in der Zeit“, sagt Merle Fromberg. Sie lacht und zeigt auf das beigefarbene Sofa vor dem Wohnzimmerfenster. „Hätte ich stattdessen abends immer da gesessen und Tatort gesehen, hätte ich wohl vieles verpasst.“

So wäre eine Ablehnung der Stelle im Kirchenkreis Ostholstein wohl einer verpassten Chance gleichgekommen. Die Chance auf einen Arbeitsplatz, mit dem Merle Fromberg ihre Leidenschaften Kirche und Touristik so wunderbar verbinden kann. Und nicht nur das. „Ich empfinde es als Geschenk, so tolle Menschen und Orte kennenlernen zu dürfen“, erklärt Merle Fromberg dankbar. Das Loslassen all ihrer schönen Ehrenämter fällt ihr dennoch schwer. Eines jedoch tröstet Merle Fromberg: „Ich ziehe doch nur an das andere Ende Schleswig-Holsteins.“

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Der Abschiedsgottesdienst für Merle Fromberg ist am Sonntag, 10. September um 10 Uhr im Meldorfer Dom. Pastor Thomas Baum wird den Gottesdienst halten.