Meldorf – Demografischer Wandel, Fachkräftemangel, aufwendige Gebäudestrukturen: Der Kirchenkreis Dithmarschen mit seinen 29 Gemeinden und rund 80.000 Mitgliedern steht vor großen Herausforderungen. Gestern (4. September) hat im Meldorfer Gemeindezentrum ein umfangreiches Beteiligungsverfahren zur Entwicklung des Kirchenkreises begonnen. In den kommenden Wochen werden in den sechs Dithmarscher Kirchspielen verschiedene Fragen der Gemeindeentwicklung bearbeitet. Den Anfang machten gestern die Kirchengemeinden Meldorf, Süderhastedt und Windbergen-Gudendorf mit je fünf Vertreterinnen und Vertretern.

Das Beteiligungsverfahren hatte die Dithmarscher Synode im Januar einstimmig beschlossen. Um in naher Zukunft die richtigen Weichen zu stellen, befassten sich die Ehren- und Hauptamtlichen jetzt insbesondere mit den Prognosen für das Jahr 2030. Bereits heute steht angesichts der bevorstehenden Pensionierungswelle der geburtenstarken Jahrgänge fest, dass die Zahl der Pastorinnen und Pastoren erheblich sinken wird. Allein für den Kirchenkreis Dithmarschen wird prognostiziert, dass es in knapp zehn Jahren statt der bisherigen 50 nur noch 30 Vollzeitstellen geben wird. Angesichts dieser Entwicklung benötigt der Kirchenkreis einen aktualisierten Pfarrstellenstrukturplan. In den Kirchspielen geht es aber auch um diese Fragen: Welche Prioritäten sollen in der kirchlichen Arbeit gesetzt werden? Wo können Gemeinden enger zusammenrücken, um die Entwicklungen abzufedern? Welche der insgesamt 270 kirchlichen Gebäude in Dithmarschen, beispielsweise Pastorate, müssen in den kommenden Jahren modernisiert werden, von welchen Gebäuden wollen sich die meist kleiner werdenden Gemeinden trennen?

„Ein Prozess der Gemeindeentwicklung ist nötig, um die Verantwortung für die Menschen einer bestimmten geografischen Region in Zukunft wahrzunehmen“, sagt Jenny Nehrdich, Organisationsentwicklerin im Kirchenkreis. „Und schließlich geht es auch darum, wo der Kirchenkreis die Gemeinden auf diesem Weg unterstützen kann. Der Kirchenkreis hält Angebote vor oder entwickelt sie. Die Kirchspiele sollten nun klären, wie sie von diesen Angeboten gemeinschaftlich Nutzen haben könnten.“

Propst Dr. Andreas Crystall sagte bei der Auftaktveranstaltung: „Viele Gestaltungsaufgaben waren vorhersehbar und wurden von uns schon vor einigen Jahren angepackt, beispielsweise mit dem Kitawerk oder dem Friedhofswerk. Aber wir benötigen auch kreative Ideen der Gemeinden in unseren Kirchspielen, um auch künftig eine gute und flächendeckende kirchliche Versorgung in Dithmarschen sicherzustellen.“

Die Ideen, die in den kommenden Wochen erarbeitet werden, sollen im März in den Kirchspielen vertieft und im Herbst 2020 von der Kirchenkreis-Synode diskutiert werden. Die Entscheidungshoheit über strukturelle Veränderungen behalten die Kirchengemeinden.


Bild: Planspiele in kleinen Gruppen: Vertreter der Kirchengemeinden Meldorf, Süderhastedt und Windbergen-Gudendorf diskutieren über kirchliche Standorte im Jahr 2030.