„Sprache ist der Schlüssel!“

„Sprache ist der Schlüssel!“


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Veröffentlicht von Frank Zabel am Dienstag, 11. Juni 2019, 12:15 Uhr

Brunsbüttel – Seit sechs Jahren arbeitet Natalia Jutschkow in der Migrationssozialberatung beim Diakonischen Werk Dithmarschen. In dieser Zeit hat sie unmittelbar erfahren, welche Fragen und Anliegen, aber auch Sorgen und Nöte junge Migrantinnen und Migranten haben, die seit kurzem in Dithmarschen leben. Grund genug für die engagierte Beraterin, erstmals einen offenen Informationsabend anzubieten und insbesondere junge Migrantinnen und Migranten einzuladen. Gemeinsam mit der Stadt Brunsbüttel stellte Jutschkow diesen Abend auf die Beine, gewann Sprachmittler für die Übersetzung ins Persische  und Arabische und zählte mehr als 30 Besucher.

„Ich möchte euch begleiten und unterstützen bei allen Fragen, die ihr habt“, betont Jutschkow zu Beginn, „und unsere Beratungsstelle ist für alle offen.“ Wie sich an dem Abend schnell herausstellt, liegen die dringendsten Probleme auf der Hand. Viele sind mit ihrer Wohnsituation unzufrieden. Viele warten oft (zu) lange auf einen Sprachkursus. Formulare und Behördengänge sind ohne Sprachkenntnisse fast nicht zu erledigen, der Arztbesuch im Alltag ebenso, von der Aufnahme einer Ausbildung oder einer festen Arbeit ganz zu schweigen. Mitunter macht sich Frust breit – doch Natalia Jutschkow motiviert. Sie appelliert an Geduld, Fleiß und Mitarbeit der Flüchtlinge: „Lassen sie sich nicht hängen und lernen sie als erstes die Sprache!“ Auch ohne Integrationssprachkursus gibt es weitere Angebote, zum Beispiel im Integrationstreff in Brunsbüttel das tägliche Angebot Ehrenamtlicher, die deutsche Sprache zu vermitteln. „Sprache ist der Schlüssel für alles!“ Wer die Chance auf den Integrationskursus erhalte, sollte diesen ernsthaft und dauerhaft besuchen. Jutschkow: „Das ist ein tolles Angebot – wer einen Platz bekommt, sollte nicht fehlen, sollte das durchziehen und dort nicht nur seine Zeit absitzen.“

Sie weiß aus eigenem Erleben, wovon sie spricht: Vor 14 Jahren kam Natalia Jutschkow aus Kasachstan nach Deutschland, hatte in ihrer Heimat eine große Kindertagesstätte geleitet. „Aber ich musste hier bei Null anfangen, und das müsst ihr auch!“ Sie sei froh gewesen um jede Unterstützung, die sie bekommen habe. Nur so sei es ihr möglich gewesen, die nächsten Schritte zu gehen, sich fortzubilden und berufliche weitere Schritte zu gehen.

Die Flüchtlinge bekommen an diesem Abend in ihrer Heimatsprache viele Informationen vermittelt. Wie das Asylverfahren abläuft. Wie die Verteilung der Flüchtlinge innerhalb von Dithmarschen organisiert ist. Ob es eine Alternative zur Asylunterkunft gibt. Was Mietverträge und Hausordnungen bedeuten. Was der Unterschied zwischen einer Aufenthaltsgestattung und einer Anerkennung als Flüchtling ist. Wann das Sozialamt, das Jugendamt oder das Jobcenter für sie zuständig ist. Dass es wichtig für sie ist, bei Problemen rechtzeitig in die Beratungsstelle zu kommen und angebotene Hilfe auch tatsächlich in Anspruch zu nehmen. 

Pro Jahr werden in der Migrationsberatungsstelle des Diakonischen Werkes Dithmarschen 3000 Menschen beraten und betreut, die aus dem Ausland hierhergekommen sind. Natalia Jutschkow und ihre Kolleginnen und Kollegen können sich dabei auch auf ihr großes Netzwerk verlassen, um den Flüchtlingen vor Ort unkompliziert zu helfen – zum Beispiel Frauke Rath von der Stadt Brunsbüttel, die den Infoabend gemeinsam mit ihr gestaltet hat.

Die Sprachmittler Hassan Bouryouss und Mohammad Sidiqi haben den Infoabend begleitet und für eine bessere Verständigung gesorgt. Jutschkow: „Wir alle wollen helfen und es den Migrantinnen und Migranten leichter machen, sich in Dithmarschen zurecht zu finden und hier ein neues Leben zu beginnen. Wir stehen ihnen aber auch zur Seite, wenn ihnen die Abschiebung bevorsteht oder sie sich entscheiden, freiwillig in ihre Heimat zurückzukehren.“