Ansgarkreuz für Siegfried Kraska

Ansgarkreuz für Siegfried Kraska


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Veröffentlicht von Jan-Ole Claussen am Donnerstag, 24. Oktober 2019, 00:00 Uhr

Hemmingstedt – Am kommenden Sonntag wird die stellvertretende Pröpstin Astrid Buchin dem Hemmingstedter Siegfried Kraska das Ansgarkreuz verleihen. Der festliche Gottesdienst in der Hemmingstedter Kirche beginnt um 9.30 Uhr. Das Ansgarkreuz wird an Gemeindeglieder verliehen, die durch großen persönlichen und ehrenamtlichen Einsatz in der kirchlichen Arbeit hervorgetreten sind. Das ist Siegfried Kraska zweifelsohne: Seit 2008 ist er Mitglied im Kirchenvorstand und kümmert sich als Vorsitzender des Bauausschusses gemeinsam mit einem Team um alle baulichen Maßnahmen in der Gemeinde.

Lang ist die Liste der Projekte denn auch, die der Bauausschuss umgesetzt hat, seitdem Kraska Vorsitzender ist: Die Kirche wurde gestrichen, der Aufgang zur Kirche und mehrere Wege wurden erneuert, die Beleuchtung auf den neuesten Stand gebracht oder etwa ein neuer Traktor angeschafft. Sehr dankbar sind ihm viele Besucher der Gottesdienste für den Einbau einer Heizung unter den ersten Sitzen in der Kirche. Auch die die Erneuerung des Fußbodens im Gemeindesaal oder die Modernisierung der Küche zählen zu seinen Projekten und vieles mehr. „Es macht mir Spaß, mich um solche Dinge zu kümmern“, erzählt der 79jährige, der sich auch selbst mit handwerklichem Geschick einbringt: So hat er beispielsweise einen Torbogen mit Herzen geschweißt, durch den Hochzeitspaare nach der Trauung in der Kirche gehen können. Oder der Gemeinde eine alte Telefonzelle geschenkt, in der nun Kinderbücher zur Mitnahme bereit liegen. Oder für den Aufbau des traditionellen und sehr gut besuchten Weihnachtsgottesdienstes in einem Stall gesorgt. Oder Weihnachtsbäume für die Gemeinde organisiert, auch übrigens für den örtlichen Kindergarten und die Schule. Aktuell sollen Gemeindesaal und Büro gestrichen werden – Angebote hat Siegfried Kraska bereits eingeholt.  

Geboren ist er in Ostpreußen, seine Familie flüchtete mit ihm nach Deutschland, als er ein Kind war. Glückliche Fügung: Kurz, bevor die Familie im Hafen von Pillau an Bord gehen wollte, riss er sich von der Hand seiner Mutter los. Ihr Schiff legte ab – es war die „Wilhelm Gustloff“, die kurz darauf beschossen wurde. Mehr als 9000 Menschen starben in der eisigen Ostsee. „Wir hatten Glück“, sagt Kraska. Auch, als die Familie später in Stelle nahe den Bahngleisen wohnte und in unmittelbarer Nähe Bomben einschlugen.

1959 zogen seine Eltern mit ihm nach Lunden, bauten dort ein Haus, er ging hier zur Schule, sang schon als Kind im Kirchenchor und bei der Jungschar mit und half im Konfirmandenunterricht. Der Bezug zur Kirche und zu kirchlicher Arbeit war früh gelegt. Eigentlich sollte er nach der Schule Friseur werden, doch er entschied sich lieber für eine Ausbildung zum Autoschlosser. Kraska wurde Innungsbester, arbeitete in verschiedenen Werkstätten, besuchte die Meisterschule in Heide und war schließlich mit 22 Jahren Deutschlands jüngster Kfz-Meister. Es war fast nur eine Frage der Zeit, bis er 1967 seine eigene Werkstatt gründete. Stets an seiner Seite: Ehefrau Monika, die sich um das Büro und die Familie kümmerte. Seit fast 54 Jahren sind die beiden nun verheiratet, haben gemeinsam den Betrieb erweitert, 1975 ihr Wohnhaus auf dem großen Grundstück direkt neben dem Betrieb an der Meldorfer Straße in Hemmingstedt gebaut.

Trotz aller Arbeit fand und findet Kraska – seit 20 Jahren eigentlich im Ruhestand – Zeit für Ehrenämter und Hobbys, war unter anderem 33 Jahre Vorsitzender des Hemmingstedter Sozialausschusses und einige Jahre stellvertretender Bürgermeister. Gemeinsam mit seiner Frau verreist er gern, unternimmt Fahrradtouren, ist im Garten aktiv, bastelt an seinen Oldtimern, hat einen Fischteich, kümmert sich um seine Enten und Hühner. „Wenn wir damals nicht geflüchtet wären – ich wäre sicher Landwirt geworden“, sagt er mit einem Schmunzeln. Kein Wunder, dass in seiner Halle auch ein Trecker und ein Kreiselmäher stehen und regelmäßig zum Einsatz kommen.      

Hintergrund: Die Verleihung des Ansgarkreuzes an Gemeindeglieder geschieht im Gedenken an Ansgar von Bremen, der im 9. Jahrhundert als Erzbischof von Hamburg-Bremen in Norddeutschland und Skandinavien gewirkt hat und als „Apostel des Nordens“ erinnert wird.

Bildunterschrift: Siegfried Kraska – hier an seinem alten englischen Taxi, mit dem er schon viele Brautpaare kutschiert hat – wird am Sonntag mit dem Ansgarkreuz geehrt. Foto: Claussen