Großer Zuspruch für Historischen Lernort

Großer Zuspruch für Historischen Lernort


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Veröffentlicht von Frank Zabel am Montag, 10. Februar 2020, 10:29 Uhr

Dieksanderkoog - Der Kirchenkreis Dithmarschen und der Verein Volkshochschulen (VHS) in Dithmarschen ziehen eine positive erste Bilanz für den Historischen Lernort Neulandhalle. Allein an den Führungen und Veranstaltungen zwischen Mai und Ende Oktober haben insgesamt 2700 Menschen teilgenommen. Hinzu kommen mehrere Tausend Besucher, die sich die Ausstellung ohne fachliche Begleitung angesehen haben. Seit dem 8. Mai 2019 informiert eine dauerhafte und selbsterklärende Außenausstellung auf dem Gelände der 1936 fertiggestellten Neulandhalle über die fatale Propaganda und Volksgemeinschafts-Ideologie der Nationalsozialisten. Träger des Lernortes ist der Kirchenkreis Dithmarschen.  

Dithmarschens Propst Dr. Andreas Crystall: „Diese so große Resonanz im ersten Jahr übertrifft alle unsere Erwartungen. Insbesondere mit der wachsenden Akzeptanz dieses Lernortes an den Schulen sind wir sehr zufrieden. Die Außenausstellung ist hervorragend konzipiert; sie funktioniert und spricht von der Schülerin bis zum Professor ein breites Publikum an.“ Gefreut habe er sich auch „über positive Rückmeldungen aus der Fachwelt, beispielsweise von den Verantwortlichen der KZ-Gedenkstätte Ladelund, von der Initiative ‚Blumen für Gudendorf‘, vom ‚Regionalzentrum für demokratische Kultur‘ der Nordkirche oder vom Holocaust-Zentrum in München“. Crystall weiter: „Den großen Zuspruch, den wir im ersten Jahr erlebt haben, verstehen wir als Bestätigung und Ermutigung. Scheinbar ist auch der Lernort gar nicht so abseitig gelegen, wie manche befürchtet oder geunkt haben. Jedenfalls haben sich sehr viele Menschen auf den Weg gemacht, und fast immer wurde uns gesagt, dass dieser Lernort genau zur richtigen Zeit gekommen ist.“  

Seit Mai 2019 haben die vom Verein Volkshochschulen in Dithmarschen ausgebildeten Histo-Guides 94 bestellte Führungen und 26 Sonntagsführungen begleitet. Weitere 13 Führungen wurden von der Forschungsstelle für regionale Zeitgeschichte und Public History (frzph), dem Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) und dem Kirchenkreis selbst organisiert. Und die Weichen für eine weitere positive Entwicklung sind gestellt: Der Verein Volkshochschulen in Dithmarschen hat bereits Kooperationen mit dem Gymnasium Marne und dem Gymnasium Heide-Ost geschlossen, in diesem Jahr sollen Partnerschaften mit weiteren Schulen aufgebaut werden. VHS-Leiter Martin Gietzelt: „Aufbauend auf unsere gute Vernetzung in der Region wollen wir in diesem Jahr den Historischen Lernort Neulandhalle noch stärker in die Schullandschaft Schleswig-Holsteins und Hamburgs einführen. Die bereits bestehenden Kooperationen mit Schulen zeigen dabei das Potenzial der Neulandhalle als außerschulischer Lernort, beispielsweise durch die Projekte ‚Schüler führen Schüler‘ und ‚Zeitzeugen‘ mit dem Gymnasium Marne, die in diesem Jahr fortgesetzt werden.“  

Ab April werden wieder regelmäßig montags und donnerstags Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen in der Neulandhalle stattfinden. U.a. werden Histo-Guides Vorträge über das „Idealbild der Frau im NS-Regime“, über die „NS-Zeit in Dithmarschen“, den „Deichbau“ und die „Dithmarscher Küste und die Landgewinnung anhand historischer Karten, Luftbildern und Fernerkundungsdaten“ halten. Einmal im Monat donnerstags wird außerdem der „Politische Club“ zu Gast in der Neulandhalle sein. „Außerdem erwarten wir den Journalisten und Autor Michael Legband und die Historiker Dr. Lars Amenda und aus Frankreich Prof. Dr. Ulrich Pfeil sowie regionale Experten mit interessanten Vorträgen und Workshops“, so VHS-Leiter Gietzelt. Geplant sei auch eine Aufführung von „Braunhemd“, einem Jugendtheaterstück des Kreises Dithmarschen über Toleranz und Zivilcourage.  

Die flankierende Bildungsarbeit unter der Leitung der VHS sei wichtig, so Propst Dr. Crystall, der selbst an zahlreichen Veranstaltungen teilgenommen hat. „Es hat sich ein tolles ehrenamtliches Engagement ausgebildet. Die Guides werden von den Besuchergruppen sehr gelobt, und das zurecht.“ Die hohe Zahl der Führungen allein im ersten Jahr „zeigt, wie hoch der Bedarf an aufklärendem historischen Lernen ist. Ich bin den vielen Mitstreitern sehr dankbar.“    


 

Der Historische Lernort Neulandhalle wurde entwickelt und umgesetzt von einer Projektgruppe der Forschungsstelle für regionale Zeitgeschichte und Public History (frzph) der Europa-Universität Flensburg unter der Leitung von Prof. Dr. Uwe Danker. Die nationalsozialistischen „Versprechen“ von Volksgemeinschaft und Lebensraum stehen hier im Mittelpunkt. Die historische Ausstellung steht vollständig im Freien. Die Geschichte von Koog und Gebäude, von Landgewinnung und Propaganda, von Zusammenhängen und Fortsetzungen, von Kehrseiten und Folgen wird auf dem Gelände zum Thema gemacht.

 

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