Dat matscht so schön

Heide/Brunsbüttel – „Ihr Völker der Welt, schaut auf dieses Watt!“ – der Appell ist gar nicht so weit hergeholt, denn die Wattolümpiade Brunsbüttel ist inzwischen weit über die Grenzen Dithmarschens bekannt. Am 5. und 6. Juni geht es wieder los. Von Anfang an dabei ist „Szenepastor“ Eddy Huhn, er wird, wie es in „Wattopedia“ heißt, wieder einmal „das Watt zur Kathedrale machen.“ Unterstützt wird er dabei von den Meldorfer „Sixpacks“, die ihn kürzlich sogar zum Mitglied honoris causa kürten.

Der Gottesdienst am Außendeich beginnt um 11 Uhr. „Es ist auch ein Gottesdienst wider den tierischen Ernst“, sagt Eddy Huhn lächelnd. Er hob die Bedeutung des Gleichnisses vom Schatz im Acker hervor und betonte im Pressegespräch den erotischen Aspekt: Schließlich habe das Suhlen im matschigen Element durchaus etwas mit Körperlichkeit zu tun. „O ja, sehr erotisch!“, unterstützte ihn Insa Krups von den Meldorfer „Sixpacks“ spontan. Der Schlick klebe nach einem Tag im Watt sogar in den Ohrmuscheln, tagelang hafte der Geruch von Moder an der Haut und der Schmutz unter den Zehennägeln erinnere mindestens eine Woche lang an das Event.

Bei allem Spaß bleibt aber die Ernsthaftigkeit nicht auf der Strecke. Mit den Eintrittserlösen wird die Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft unterstützt. Es ist ein „schmutziger Sport für eine saubere Sache“, so fasst es die Homepage zusammen. Mit dem Geld werden Beratungsstellen in Schleswig-Holstein gefördert. Und zugleich macht die Veranstaltung irgendwie Mut: So ernst kann es gar nicht werden, dass echte „Wattlethen“ sich unterkriegen ließen.

In diesem Jahr steht die Wattolümpiade im Zeichen der „Fußballwattmeisterschaft“. „Das Dreckige muss ins Eckige“ – so lautet das Motto. Und die Mannschaften sind aufgerufen, sich originell zu verkleiden. Die „Sixpacks“, die mal als Cowbows, mal als Piraten und zuletzt sogar als Schafe kamen, haben sich wieder viel Mühe gegeben. Wie sie diesmal auftreten, das verraten sie aber nicht einmal ihrem Seelsorger. „Wir werden schön sein“, verspricht Beate Schröder, die ebenfalls für die Meldorfer Mannschaft in den Schlick steigt.

Während des Gottesdienstes ziehen die Gruppen in einer feierlichen Prozession an den Ort des Geschehens. Die „Sixpacks“ tragen Kreuz und Altarschmuck ins Watt. Und dann spricht Eddy Huhn den Segen – den ganz normalen aaronitischen. Denn ein richtiger Segen, das muss sein, den brauchen die Sportler im matschigen Element ganz besonders nötig. Um 13 Uhr geht es dann los mit den Wettkämpfen: Fischtennis und Aalstaffellauf, Wattwolliball und Gummistiefelweitwurf – die Disziplinen sind der Phantasie der Veranstalter, dem „Wattikan“, entsprungen und werden erst kurz vor Beginn bekannt gegeben.

„Wir konnten auch schon einen sportlichen Preis gewinnen“, sagt Insa Krups stolz – das Team hat einmal beim Aalstaffellauf gewonnen. In diesem Jahr aber können die „Sixpacks“ nur den Pokal für das Erstrunden-Aus verteidigen. Eddy Huhn nimmt das Ganze gelassen. Der 77-Jährige ist für jeden Spaß zu haben – wenn es um eine gute Sache geht.
Text: Inke Raabe, Bild: privat