Zu den wenig rühmlichen Geschichten Dithmarschens zählt die Ermordung des Augustinereremiten Heinrich von Zütphen, der am 9./10. Dezember 1524 auf dem Marktplatz in Heide auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Der Mönch hatte in Meldorf gepredigt und wurde daher von Anhängern des Hamburger Domkapitels verfolgt und schließlich zu Tode gebracht. Über sein Schicksal spricht am Freitag, 23. Juni, Professor Dr. Dr. Johannes Schilling aus Kiel in der St.-Jürgen-Kirche Heide.

Anlässlich des Reformationsjubiläums haben Kirchenkreis, Volkshochschule und Landesmuseum gemeinsam eine Vortragsreihe initiiert, die sich mit der Reformation in Dithmarschen beschäftigt und die Hintergründe und Auswirkungen von Luthers Thesenanschlag im Jahr 1517 von vielen Seiten beleuchtet. Heinrich von Zütphen und sein Martyrium brachten den Dithmarschern in ganz Europa traurige Berühmtheit ein. Mit seinem Vortrag erinnert Johannes Schilling an diesen frühen Vertreter der Reformation. Wer war dieser Mann? Wo kam er her? Welche Botschaft vertrat er? Warum ließ sich seine neue Predigt mit dem herkömmlichen Kirchenwesen nicht übereinbringen? Und welche Erkenntnisse kann man aus der Beschäftigung mit einer solchen Geschichte ziehen?

Heinrich von Zütphen war übrigens nicht der erste evangelische Märtyrer. Schon am 1. Juli 1523 waren auf dem Marktplatz in Brüssel zwei Ordensbrüder um ihres evangelischen Glaubens willen hingerichtet worden. Martin Luther wurde durch dieses Ereignis zum Dichter geistlicher Lieder – sein erstes Lied „Ein neues Lied wir heben an“ galt den beiden Brüsseler Märtyrern. Auch Geschichte und Schicksal seines Ordensbruders Heinrich hat Luther 1525 in einer Flugschrift veröffentlicht. Er schildert darin das Martyrium des Augustiners und denkt über die Frage nach, was es mit dem Zeugnis des Glaubens in bedrängten und lebensbedrohlichen Situationen auf sich hat.

Prof. Dr. Dr. Johannes Schilling war von 1993 -2016 Professor für Kirchengeschichte an der Universität Kiel und in diesen Jahren Vorsitzender des Vereins für Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte. Er ist Präsident der Luther-Gesellschaft und des 13. Internationalen Lutherforschungskongresses, der im Sommer 2017 in Wittenberg stattfindet. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr, Eintritt: 5 Euro.