Liebe Leute,

die ganze Welt liebt Weihnachten. Sie feiert in diesen Tagen mit einem unglaublichen, kaum erklärbaren Aufwand und mit großer emotionaler Kraft. Weihnachten ist alle Jahre wieder ein weltergreifendes Ereignis – und geschieht in der kleinsten Kammer und im letzten Winkel unserer Erde. Warum eigentlich?

In der Weihnachtsgeschichte wird berichtet, dass damals, vor mehr als 2000 Jahren, in einer Nacht Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammenkommen und sich um eine Krippe mit einem Kind versammeln. Und dort Sternstunden erleben. Die Verlassenen sind willkommen. Die Könige nehmen ihre Kronen ab. Die im Dunkeln sitzen, kommen ins Licht. Niemand muss etwas leisten, um dabei sein zu können. Man muss nur hingehen und seinen Platz finden.

Die Krippe ist also ein Ort des gesellschaftlichen Wunders: Reiche knien neben Armen, Gebildete neben Lebenserfahrenen, Verachtete neben Etablierten, Beheimatete neben Heimatlosen, Fromme neben Zweifelnden, Junge neben Alten. Alle werden Heimatsuchende in dieser Nacht. Und erleben die Fremdheit dieser Welt. Lauter sich Fremde sind gemeinsam unterwegs und geheimnisvoll vereint. Sie werden ungeahnt eine Heilige Familie, die erste wieder seit dem Verlust des Paradieses vor Urzeiten. Und immer dort, wo dieses geschieht seit 2000 Jahren, wo man diese Geschichte erzählt, wo man sich um diese Krippe versammelt, da wiederholt sich dieses Heiligwerden, da geschieht eine Heilige Nacht. Weihnachten vervielfältigt sich.

Unsere Welt wird auch 2018 ungezählte weihnachtliche Verwandlungen erleben. Die Weihnachtsgeschichte ist das nachhaltigste Ereignis, das ich kenne. Und das Tröstlichste. In diesem Sinne: Sammeln Sie sich an der Krippe, gestehen Sie sich alle geheimen Sehnsüchte, suchen Sie Ihren Platz im Stall. Ich wünsche Ihnen Sternstunden, Frieden auf Erden und in Ihrem Leben und gesegnete Weihnachten.

Ihr Dr. Andreas Crystall, Propst des Kirchenkreises Dithmarschen