Meldorf – „Glaube, Macht und Selbstjustiz“ – so lautet der Titel der Ausstellung im Dithmarscher Landesmuseum, die sich mit der Reformation in Dithmarschen beschäftigt. Ein Jahr lang habe die Vorarbeit gedauert, so Museumsdirektorin Dr. Jutta Müller. Exponate wurden gesichtet, Texte redigiert und schließlich wurde das Gesamtkonzept in eine ansprechende graphische Form gegossen. Vier Räume im Museum erzählen nun davon, wie das damals war in Dithmarschen und warum Heinrich von Zütphen sterben musste.

Dabei wird sehr schnell deutlich, dass die Reformation nicht allein durch Luthers Thesen ausgelöst wurde. Im Mittelalter grassierten Seuchen, Kriege und Hungersnöte, die die Menschen damals als Strafe Gottes deuteten. Auf diesem Hintergrund blühte das Ablasswesen: Mit dem Erwerb eines solchen Briefes konnten sich Sündige von Fegefeuerstrafen freikaufen. Die Bauernrepublik Dithmarschen war gekennzeichnet durch immer wieder aufflammende Mächtkämpfe zwischen Geschlechtern, Kirchspielen und den 48er Regenten, und sie spiegelte so eine Unruhe, die im ganzen Reich immer wieder aufflammte, einen Grundkonflikt zwischen Politik und Kirche, bei dem mal die eine, mal die andere die Oberhand gewann.

Der reformatorische Prediger Heinrich von Zütphen geriet zwischen die Räder eines solchen Machtkampfes. Dithmarschen hatte sich losgesagt vom Hamburger Domkapitel. Dies wurde aber nur geduldet unter der Voraussetzung, das keine protestantischen Prediger eingesetzt würden. Aber genau das geschah im November 1524: Nicolaus Boje holte den Freund Martin Luthers nach Meldorf. Der Prior des dortigen Dominikanerklosters Augustinus Torneborch reagierte sofort und nahm Kontakte mit den 48er auf. Protestantische Verkündigung gefährde die Unabhängigkeit vom Hamburger Domkapitel, erklärte er und traf damit den Nerv der Regenten.

Dennoch hätte nie passieren dürfen, was dann geschah: Ein Teil der Regenten überfiel mit einer Horde betrunken gemachter Bauern in der Nacht vom 9. Dezember das Pastorat und zerrte von Zütphen mit sehr grober Gewalt auf die Straße. Sie stießen ihn barfuß vor sich her bis Heide und ermordeten ihn ohne Prozess am folgenden Tag auf dem Galgenberg öffentlich. Luther war empört, die Kunde ging durch das ganze Land, und Dithmarschen erlangte traurige Berühmtheit bis an die Grenzen des Reiches und darüber hinaus.

In der Ausstellung wird diese Geschichte natürlich ausführlich erzählt: Der Kupferstich über dieses Martyrium bedeckt eine ganze Wand. Gestühlswangen mit Geschlechterwappen sind ausgestellt, eine Bibel aus dem Haus von Markus Swynn und ein Ablassbrief aus Rom, der den Bau der Kirche in St. Annen beförderte. Ein anschauliches Bild entsteht über dramatische Jahre und deren Folgen für Politik und Gesellschaft bis heute.

„Glaube, Macht und Selbstjustiz “
Der Beginn der Reformation in Dithmarschen.
Sonderausstellung im Dithmarscher Landesmuseum
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11-16.30 Uhr, Sonntag, 11-16 Uhr.
Ort: Meldorf, Dithmarscher Landesmuseum, Bütjestr. 2-4