Wort zum Sonntag

Sonnabend, 22. Februar 2020

Freud und Leid – so oft so nah

Vielerorts in Deutschland heißt es in diesen Tagen fröhlich jubelnd: „Helau“ oder „Alaaf“. Der Straßenkarneval erreicht seinen Höhepunkt, von Nürnberg über Köln, Mainz und Düsseldorf bis nach Marne. Ausgelassene Feierstimmung, Lachen und Schunkeln in der so genannten fünften Jahreszeit. Auch in Hanau sollte Fasching gefeiert werden, in der Stadt, die furchtbarer Weise für längere Zeit nun auch mit der rassistisch motivierten Bluttat vom vergangenen Mittwoch in Verbindung gebracht werden wird. Hier wurde der Umzug abgesagt – verständlich! Andernorts bleibt alles wie geplant. Doch darf das sein, geht das zusammen? Terror, Entsetzen und Trauer auf der einen Seite – Narrenball, Faschingsumzüge und Karnevalsgottesdienste auf der anderen Seite?
 

In der Bibel heißt es: „Freut Euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden.“ (Römer 12,15) Ich verstehe das weniger zwanghaft als mehr mitmenschlich-solidarisch. So haben die Kölner ihren Straßenkarneval mit einer tief ernst gemeinten solidarischen Schweigeminute begonnen – und dann gefeiert. Beides bekommt seinen Raum. Auch wenn es manchmal ein schwieriger Spagat ist, so gilt es auch in diesen Tagen: „Freut Euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden“ – Gott sei mit Beiden!

Daniel Cremers, Pastor in Meldorf