Meldorf – Seit dem 1. April dieses Jahres hat das Diakonische Werk Dithmarschen eine neue Geschäftsführerin: Marina Stratmann ist Nachfolgerin des im Oktober vergangenen Jahres völlig überraschend verstorbenen Jörg Schöpel. Das Diakonische Werk kennt sie bereits aus enger Zusammenarbeit: Als Beraterin begleitete sie in den vergangenen Jahren die Zusammenführung des Kitawerkes und der Beratenden Dienste im Diakonischen Werk. Nach dem Tod von Jörg Schöpel die Geschäftsführung des Diakonischen Werkes zu übernehmen, überzeugte sie aus mehreren Gründen: „Die von Beginn an begleitete Zusammenführung möchte ich gern weiter gestalten: Es wurde schon eine Menge erreicht, aber gleichzeitig gibt es noch viel zu tun. Außerdem fand ich es nach 25 Jahren als selbstständige Beraterin und Trainerin für Führungskräfte sehr spannend, selbst Führungsverantwortung zu übernehmen. Und nicht zuletzt habe ich hier in der bisherigen Zusammenarbeit immer das freundliche, familiäre und sehr menschliche Miteinander sehr geschätzt.“

Marina Stratmann ist 59 Jahre alt, Hamburgerin, verheiratet und Mutter von drei Kindern. Nach Lehramtsstudium und Referendariat lernte sie kirchliche Arbeit kennen, insbesondere mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Daneben studierte sie Betriebswirtschaft. Über Jahre arbeitete sie an verschiedenen Stellen, wandte sich später auch der Frauensozialarbeit zu und entschied sich 1995 zum Schritt in die Selbstständigkeit. Ihre Schwerpunkte dabei: Berufliches Coaching, berufliche Qualifizierung, Qualifizierung von Führungskräften und Organisationsentwicklung. Rüstzeug, das sie in ihrer neuen Aufgabe in Dithmarschen gut gebrauchen kann: „Ich bin überzeugt, dass das Diakonische Werk Dithmarschen mit der neuen Struktur auf dem richtigen Weg ist, um den gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen innovativ begegnen zu können – im Kitabereich ebenso wie in den diakonischen Arbeitsfeldern.“

So sieht Marina Stratmann aktuell den Ausbau der Kitas im Kreis als zentralen Punkt ihrer Arbeit: „Das ist eine Riesenherausforderung für alle Beteiligten, auch die Kommunen. Um den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz zu gewährleisten, müssen wir Kitas erweitern, neue Gruppen schaffen oder teilweise ganze Kitas neu bauen.“ Dithmarschen stehe landesweit an vorletzter Stelle, was die Versorgung mit Kitaplätzen betreffe: „Da müssen wir ansetzen, um diese Situation deutlich zu verbessern.“ Auch die Angebotszeiten müssten ausgeweitet werden. Für diese Aufgabe seien viele Gespräche und Verhandlungen, insbesondere mit den Kommunen und der Politik, erforderlich.

Damit einher geht der auch im Kitabereich zu spürende Fachkräftemangel. Marina Stratmann: „Es reicht ja nicht, neue Plätze zu schaffen – wir brauchen auch zusätzliche Erzieherinnen und Erzieher.“ Es sei eine enorme Herausforderung, hier innovative Konzepte zu entwickeln. Angesichts des heutigen Personalbedarfs müsste man eigentlich sogar über die Gründung einer evangelischen Fachschule für die Ausbildung nachdenken, so Stratmann.

In den Beratenden Diensten des Diakonischen Werkes Dithmarschen zählen unter anderem die Beratung und Unterstützung von Familien, Migranten, Suchtkranken oder verschuldeten Menschen zu den Schwerpunkten. „Hierbei haben wir es mit Menschen aus allen gesellschaftlichen Gruppen zu tun“, so Marina Stratmann, „und insofern sind der Erfolg und der Ausbau unserer Arbeit auch ein Indikator für den gesellschaftlichen Zusammenhalt“.

Hier will sie die Beratenden Dienste und die Kitas stärker miteinander verzahnen: „Kitas sind Bestandteil unserer Gesellschaft, und auch die Kinder und ihre Eltern sind manchmal von Sorgen oder Nöten betroffen – hier helfen wir gern mit unseren beratenden Angeboten. In unseren Familienzentren in Heide und Brunsbüttel praktizieren wir dies bereits, das wollen wir weiter ausbauen.“ Dies bedeute zugleich neue Herausforderungen für die Kitas, die längst nicht mehr nur ein Ort seien, wo Kinder betreut würden. Marina Stratmann: „Kitas sind heutzutage auch Bildungseinrichtungen, in den Kinder sich ihre Welt aneignen und wesentliche Erfahrungen machen. Und zu jedem Kind gehört eine Familie, für die wir – zum Wohle des Kindes – auch Ansprechpartner über den Kita-Tag hinaus sind. Deshalb ist es unsere Aufgabe als Kitawerk, unsere Teams auch weiterhin so gut zu schulen und unsere Kitas so gut auszustatten, dass sie mit diesen Herausforderungen im Sinne unseres Mottos „Mit Gott groß werden“ angemessen umgehen können.“

Wie groß der Bedarf an sozialer Beratung ist, zeigen diese Zahlen der Beratenden Dienste aus dem vergangenen Jahr (2018):

Schuldnerberatung:
250 neue KlientInnen (Vorjahr: 216). Insgesamt 880 KlientInnen in der Beratung. Anteil der Altersgruppe zwischen 20 und 40 Jahren liegt bei 50 Prozent. Arbeitslosigkeit (43%) und langfristiges Niedrigeinkommen (23%) sind die Hauptursachen für Überschuldung.

Familienberatung:
1409 Beratungsfälle (Vorjahr: 1174). Hauptgründe für eine Anmeldung zur Beratung: familiäre Konflikte, die Kinder und Jugendliche belasten (38%).

Sozialberatung:
404 Hilfesuchende. Circa 1300 Beratungskontakte.

Migrationsberatung:
1440 Menschen wurden in der Migrationsberatungsstelle des Diakonischen Werkes betreut. Circa 8900 Beratungs- und Betreuungsgespräche.