Dieksanderkoog – Am 8. Mai wird der Historische Lernort Neulandhalle in Dieksanderkoog von Landtagspräsident Klaus Schlie und Bischof Gothart Magaard (Schleswig) eröffnet. Dies gab Dithmarschens Propst Dr. Andreas Crystall bei der Begutachtung eines neuen Lahnungsfeldes an der Neulandhalle bekannt. Auf dem Außengelände entsteht derzeit eine dauerhafte und selbsterklärende Ausstellung zur fatalen NS-Propaganda und Volksgemeinschafts-Ideologie.

Ein Ausstellungsaspekt ist das Thema Landgewinnung und Eindeichung – ein von Mitarbeitern des Landesamtes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeressschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH) gebautes Lahnungsfeld soll dies veranschaulichen. Für Prof. Dr. Uwe Danker von der Forschungsstelle für regionale Zeitgeschichte und Public History (FRZPH), der für die Konzeption und Ausarbeitung der neuen Ausstellung verantwortlich ist, stellt die Kooperation mit dem Landesamt einen Glücksfall dar: „Wir haben uns gefragt, wie wir das Thema Landgewinnung in den Außenbereich der Neulandhalle integrieren können. Das Landesamt hat uns sehr geholfen.“ Prof. Dr. Danker und Propst Dr. Crystall dankten dem Landesamt und Ausbildungsmeister Stephan Siegfriedt sowie dem Team vor Ort ausdrücklich für die Arbeit.

An zwei Arbeitstagen hatten die Auszubildenden des LKN.SH Michel von Postel und Stefan Schoer (beide 1. Ausbildungsjahr) sowie Malte Dirks, René Hansen, Hannes Kröger, Moritz Laube und Finn Jonas Paulsen (alle 3. Ausbildungsjahr) gemeinsam mit ihrem Ausbilder Olaf Diekmann 48,5 Meter Lahnungen errichtet. 232 Holzpfähle und 232 Drahtschlaufen, 126 Meter Tau und 15 Großbunde Faschinat wurden dafür verarbeitet. So sind die bis zu 50 Zentimeter hohen Lahnungen entstanden, die zukünftig auch als Sitzgelegenheit dienen sollen. Dr. Crystall: „Das veranschaulicht, wie früher Land gewonnen wurde. Auch wenn Lahnungen heute in erster Linie dem Schutz unserer Küste dienen, wollen wir solche Techniken gerade an der Neulandhalle zeigen, weil ihre spezielle Geschichte eng verknüpft ist mit diesem alten Handwerk, das prägend für die schleswig-holsteinische Westküste war und ist.“

Die Arbeiten an der Außenausstellung schreiten weiter voran. Am 20. März laden Kirchenkreis und Ausstellungsmacher die Koog-Bewohner zu einer zweiten Informationsveranstaltung in die Neulandhalle ein – dann gibt es detaillierte Informationen zur Konzeption des Lernortes. Nicht einmal zwei Monate später wird der Historische Lernort Neulandhalle eröffnet. „Der 8. Mai ist ein besonderer Tag. Schließlich schwiegen ab dem 8. Mai 1945 die Waffen und fand der Schrecken, den die Nazis über die Welt gebracht hatten, ein Ende“, so Dr. Crystall.

Hintergrund:
Die Neulandhalle war im Jahr 1935 gebaut worden – als zentraler Versammlungsort im gerade eingedeichten Dieksanderkoog (damals „Adolf-Hitler-Koog“). Hier wurde „Volksgemeinschaft“ inszeniert – das zentrale Gebäude, von den Nationalsozialisten als „Anti-Kirche“ konzipiert, wurde 1971 von der evangelischen Kirche als Stätte für ihre Jugendarbeit erworben. 2011 hat der Kirchenkreis Dithmarschen die Jugendfreizeitstätte Neulandhalle angesichts stark rückläufiger Übernachtungszahlen aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Bereits damals entwickelte Professor Dr. Uwe Danker von der Universität Flensburg die Idee eines Historischen Lernortes. 2017 haben die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland, der Kirchenkreis Dithmarschen und das Land Schleswig-Holstein eine Vereinbarung getroffen: Die Neulandhalle soll zum Historischen Lernort werden. Mit den von der Nordkirche (eine Million Euro) und vom Land (500.000 Euro) zur Verfügung gestellten Mitteln wird eine nachhaltige Bildungsarbeit am Lernort ermöglicht.

Bildunterschrift:
Freuen sich über das neue Lahnungsfeld an der Neulandhalle (von links): Propst Dr. Andreas Crystall, Prof. Dr. Uwe Danker (FRZPH), Nathalie Finke (Kirchenkreis) und Jan Waitzmann (FRZPH), vom Landesamt für Küstenschutz (hintere Reihe von links) Michel von Postel, Stefan Schoer, Moritz Laube, Malte Dirks, Stephan Siegfriedt und Olaf Diekmann sowie (vorne von links) Hannes Kröger, René Hansen und Finn Jonas Paulsen. Foto: Claussen / Kirchenkreis Dithmarschen