Dieksanderkoog – Die Ausstellung im Außenbereich der Neulandhalle hat die Forschungsstelle für regionale Zeitgeschichte und Public History an der Europa-Universität Flensburg unter der Leitung ihres Direktors Prof. Dr. Uwe Danker entwickelt. Erstmals seit der Eröffnung des Historischen Lernortes am 8. Mai dieses Jahres trafen sich Prof. Dr. Danker und sein Team nun mit ihren wissenschaftlichen Beratern vor Ort, um eine Zwischenbilanz zu ziehen. Und die fiel außerordentlich gut aus.

So sagte Prof. Dr. Frank Bajohr, wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Holocaust-Studien am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin, er kenne „keine weiteren Orte, an denen die Leitbilder des Nationalsozialismus so dokumentiert werden wie hier“. Die Neulandhalle und ihre Ausstellung verdienten es, über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus national und international bekannt gemacht zu werden, so Prof. Dr. Bajohr: „Denn diese Strahlkraft in unser Land hinein hat sie, auch wenn es hier etwas abgelegen ist.“ Er könne sich überregionale Lehrerfortbildungen oder wissenschaftliche Konferenzen, Kongresse und Workshops im Koog vorstellen, man brauche hier Multiplikatoren. „In und an der Neulandhalle werden mutig heikle Themen adressiert, die in der deutschen Erinnerungskultur bislang keinen Platz gefunden haben“.

Dies sah auch Dr. Kirsten Heinsohn, stellvertretende Direktorin der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg, so: „Es gibt kaum einen anderen Ort, an dem ein an sich harmloses Projekt wie die Eindeichung so sehr mit der Strategie der Nationalsozialisten verwoben ist. Gemeinschaft, Leben, Volk – diese Begriffe in der Außenausstellung wirken zunächst harmonisch, aber auf den Rückseiten erfahren wir in der gelungenen Kombination aus Text und Bild die wahren perfiden Beweggründe der Nationalsozialisten. Sich dies als Besucher selbst erschließen zu können, ist die große Leistung dieser Ausstellung.“

So erfährt die Ausstellung – erdacht und konzipiert von Prof. Dr. Uwe Danker und gestaltet von Uwe Franzen aus Lüneburg – von allen Seiten großes Lob: Prof. Dr. Werner Reinhart, Präsident der Europa-Universität Flensburg, bezeichnet sie „als Leuchtturmprojekt unserer Forschungsstelle“. Wie diese Ausstellung gemacht sei, stelle Neuland dar, das man betreten habe. Für eine Europa-Universität gehörten die Erinnerungskultur und die Bereitschaft, sich der Geschichte zu stellen, dazu: „Das erfüllt diese Ausstellung, dabei irritiert sie aber auch, jedoch produktiv – sie setzt auf Understatement, klagt nicht an, teilt keine Empörung mit. Stattdessen erlebt man die Empörung.“ In Zeiten, in denen man vielen jungen Menschen „die Vorteile von Demokratie erklären muss, braucht es solche Orte wie den Historischen Lernort Neulandhalle“.

Prof. Dr. Anke John, die eine Professur für Geschichtsdidaktik an der Universität Jena innehat, sieht in der Ausstellung eine „stilbildende Funktion“, wie man vorbildlich mit „schwierigen“ Orten umgehen könne, ohne diese zu diffamieren oder deren Bewohner anzuklagen. Prof. Dr. Bajohr pflichtet bei: „Diese Ausstellung hat Modellcharakter für den Umgang mit den so genannten bösen Orten.“ Man rede immer allgemein von „den Nazis“, dabei müsse man konkret werden und sich zum Beispiel anschauen, wie Planung und Realität ausgesehen hätten: „Die Neulandhalle jedenfalls füllt eine Leerstelle in den Dokumentations- und Erinnerungsorten.“

Prof. Dr. Uwe Danker kündigte an, weitere zielgruppenorientierte Angebote zu schaffen, Themen zu vertiefen, weiteres didaktisches Material für Schul- und Studienbesuche zu entwickeln und auch über eine Zweisprachigkeit der Ausstellung nachzudenken, insbesondere für ausländische Gäste. Von ihm wie auch von den anderen Wissenschaftlern in der Runde wurde der Wunsch laut, dass die Neulandhalle über den Förderzeitraum von vier Jahren hinaus unterstützt und finanziert werde. Dr. Kirsten Heinsohn: „Die Politik und die öffentliche Hand sind hier in der Verantwortung.“

Foto: Prof. Dr. Uwe Danker mit Dr. Kirsten Heinsohn, Prof. Dr. Frank Bajohr, Prof. Dr. Werner Reinhart, Prof. Dr. Anke John sowie Propst Dr. Andreas Crystall (von links) in der Außenausstellung der Neulandhalle. (Foto: Claussen)