#mittendrin und #hoffnunghamstern

#mittendrin 2. Dezember 2020

Warten auf bessere Zeiten

Advent hat etwas mit Warten zu tun. Warten auf Weihnachten natürlich. Auf Gott. Warten auf bessere Zeiten... Die Sehnsucht nach Letzterem ist in der diesjährigen Adventszeit besonders groß: Die Sehnsucht nach Normalität, nach Unbeschwertheit und Leichtigkeit, nach Sich-in-den-Armen-Liegen, Begegnung und Gemeinschaft. Das Warten fällt schwer.

Vor 2000 Jahre haben die Menschen auch auf bessere Zeiten gewartet. Die Geburt Jesu war schließlich für einige Menschen ein Lichtblick im Dunkel. Mit ihm wurde nicht alles besser, Leid und Not sind immer noch an der Tagesordnung. Das Lichtvolle aber, das durch ihn in die Welt gekommen ist, ist die Botschaft, die er mitbrachte und lebte: Gott mit euch!

Im Warten auf bessere Zeiten will ich in diesen Tagen hoffnungsvoll Ausschau halten nach Spuren von diesem Gott, der mir nahe sein will - in allem, was ich gerade erlebe, was ich genieße und was ich entbehre. Gott sagt: „Ich weiß, was ich für Gedanken über euch habe, Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“ (Jer 29,11) Daran will ich mich halten in meinem Warten.

Pastorin Esther Reininghaus-Cremers, Meldorf

 

#mittendrin 25. November 2020

Was wir brauchen

Am Abendbrottisch schockierte mich meine Frau mit einer Frage: „Können wir nicht dieses Jahr den Weihnachtsbaum einmal früher im Wohnzimmer aufstellen?“ Ich war entsetzt! Bisher war bei mir vor dem 24.12. nichts zu machen in puncto Weihnachtsbaum. Dafür konnte er gerne bis Ende Januar stehen, wenn es denn die Nadeln hergaben. „Es gibt keinen Weihnachtsmarkt, keine Eisbahn, keine Glühweinstände und keine Gospelchorkonzerte in der Kirche…“ unterstrich meine Frau ihren Vorschlag, „…dann lass es uns anders schön machen. Ich glaub, wir können das gebrauchen.“

Wenn ich es mir mal in Ruhe überlege, hat meine Frau Recht. In diesem Jahr gibt es so viele Vorgaben, an die wir uns halten sollen. Kann ich da nicht mal anders mit den Regeln umgehen, die bisher das Jahr aus guten Gründen strukturiert hatten? Wenn die Seele nach Licht und Wärme ruft, darf der Blick auf den Kalender ruhig mal ein weitherziger sein.

Morgen haben wir Mitarbeiterbesprechung in der Kirchengemeinde. Der Küster hat schon angefragt, ab wann denn die Weihnachtsbäume in die Kirche können.

Pastor Rüdiger Burzeya, Kirchengemeinde Tellingstedt

 

#mittendrin 18. November 2020

Gegen Schwarz-Weiß-Malerei

Dagegen möchte der heutige kirchliche Feiertag eine wirksame Hilfe sein. Aber kann gerade er das „leisten“? Wie soll das ein Tag im grauen November-Monat schaffen, zumal schon sein Name – Buß- und Bet-Tag – mitnichten prachtvoll bunte Farben-vielfalt zu bieten und zu bergen scheint! Aber wenn wir, ihm folgend, uns heute in einem Gebet so an Gott wenden: „Gib mir immer mehr die Kraft, meine Mitmenschen nicht schwarz-weiß zu sehen, sie nicht einzuteilen in gut und schlecht, sondern jeweils und vor allem ihre farbigen Begabungen zu sehen – und die bei unseren Gesprächen zu betonen!“ Dann sind wir bereits „umgekehrt“, was ja der ursprüngliche Wortsinn von „Buße“ ist, und haben uns abgewendet von der Schwarz-Weiß-Malerei. Einen prachtvoll-bunten Feiertag uns allen! Der das für uns auch werden kann, wenn wir uns, um unserer Gesundheit willen, an die weiterhin nötigen, grauen Corona-Einschränkungen halten.

Pastor Jens Cahnbley, Kirchengemeinde Barlt

 

#mittendrin 11. November 2020

Tun, was nötig ist

„Wir zieh’n mit der Laterne Sankt Martin hinterdrein …“ Einen großen Laternenumzug und ein Pony in der Kirche gibt es in diesem Jahr nicht. St. Martin teilt seinen Mantel mit dem Bettler. Er gibt von dem, was er hat. Er tut, was nötig ist: Den Frierenden wärmen.

„… und jeder möchte gerne so wie Sankt Martin sein.“ Laternenfenster zeigen Verbundenheit und überwinden den Abstand, den wir einhalten aus Fürsorge und Verantwortung. Wir verzichten auf alltägliche Begegnungen und gesellige Runden – weil es nötig ist.

In der Bibel lese ich: „Wir wollen uns umeinander kümmern und uns gegenseitig zur Liebe und zu guten Taten anspornen.“ (Hebräer 10,24)

Pastorin Annegret Thom, Kirchengemeinde Weddingstedt

 

#mittendrin 4. November 2020

Von der Freiheit

Freiheit bedeutet für mich, keine Ängste und Sorgen zu haben. Ich fühle mich frei, wenn mir nichts im Wege steht und niemand mich bedrängt. Die Situationen können dabei ganz unterschiedlich sein. Die Geburtstagsfeier samt selbstmitgebrachtem Buffet mit meinen Freunden oder der grenzenlose Blick auf die Nordsee über die Dünen Dänemarks ganz allein.

Beides geht zurzeit nicht. Sowohl die Treffen mit anderen, als auch Urlaubsreisen und Ausflüge sind in diesen Tagen eingeschränkt. Alleinsein geht. Nur fühlt sich das überhaupt nicht frei an, weil es mir von außen verordnet ist.

Zum Reformationstag erinnern wir uns jedes Jahr wieder neu, dass Freiheit nicht aus sich selbst herauskommt, sondern dass wir uns aktiv dafür einsetzen müssen. Die Reformatoren stellten sich gegen einen Glauben, der auf Angst und Unterdrückung baut und stellten stattdessen Gottes Liebe und Vergebung ins Zentrum ihrer Verkündigung. Sie predigten Freiheit.

Gleichwohl bedeutet Freiheit aber nicht, dass keine Regeln mehr gelten und jeder das tun und lassen kann, was er will. Die eigene Freiheit endet da, wo die Freiheit des anderen beginnt. Frei bin ich, wenn ich weder aus Bedrängnis noch aus Starrsinnigkeit handele. Frei sein bedeutet dann, dass ich mich selber einschränke, nicht nur weil ich es muss, sondern weil ich es will.

Pastor Benjamin Thom, Kirchengemeinden Weddingstedt und Hennstedt

 

#mittendrin 28. Oktober 2020

Es geht auch anders

Eine kleine Gruppe Kinder wuselt flott an uns vorüber. Zettel und Stifte tragen sie geschäftig in ihren Händen. Aha, eine Wildpark-Rallye! Gute Idee. Kurz daraufhin holpert der unvermeidliche Bollerwagen mit Decken, Dosen und Safttüten bepackt samt Elternschar heran. Am nächsten Gehege stoppt die Geburtstagskohorte. Die Kids erspähen Ziegen, zählen sie aufgeregt und notieren die Anzahl der Tiere. Sie kennen die AHA-Regeln, erinnern sich gegenseitig daran, Platz zu machen für uns Passanten. Wie ein Spiel scheint es für sie zu sein. Später sieht man das Trüppchen um ein Feuer herumstehen, Marshmallows rösten oder Stockbrot. Es geht auch anders. Es bringt sogar Freude. Auch uns Zuschauenden. „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist...“ (Micha 6,8)

Pastorin Sandra Ruge-Tolksdorf, Kirchengemeinde Brunsbüttel

 

#mittendrin 21. Oktober 2020

Etwas Neues anfangen

„Wann hast du das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht?“ Diese Frage las ich an der Tür der Klavierschule, in der meine Tochter Unterricht hat. Meine Kinder tun noch ständig und mit Begeisterung irgendetwas zum ersten Mal. Mir selbst ist das etwas abhandengekommen. Kennen Sie das? Vielleicht mussten wir coronabedingt in letzter Zeit schon so viele unfreiwillige Neuerungen vornehmen. Vielleicht bin ich auch nur zu bequem oder zu ängstlich geworden. Dabei ist die Bibel voller Geschichten von Menschen, die etwas Neues anfangen. In der Tageslosung, der Bibelstelle für heute, ermutigt Gottes Engel den Propheten Elia sogar bei seinem fluchtartigen Aufbruch in ein neues Leben (1 Kön. 19,1-8). Meistens geht es ja auch ein paar Nummern kleiner: ein Instrument lernen, einen Rollator benutzen, eine fremde Speise probieren. Einfach mal wieder etwas Sinnvolles oder Schönes zum ersten Mal tun - und darauf vertrauen, dass wir dabei nicht allein sind.

Pastorin Luise Jarck-Albers, Kirchengemeinde Heide

 

#mittendrin 14. Oktober 2020

Neulich in Hamburg

Als ich Hamburg in der U-Bahn weilte, kam mir die Stimme meines Vaters in den Kopf: „Schau nur, so viele Menschen, und jeder sieht anders aus! Ist das nicht erstaunlich?“ Ja, das ist erstaunlich und ein Wunder. Beeindruckend, geht man mit einem Blick in die Gesichter der Menschen durch die Welt. Der Künstler Emil Wachter schreibt dazu: „[...] sind sie nicht auch Versprechungen (oder Entstellungen!) Gottes, dessen Bild sie wiedergeben? Wenn wir nach Gottes Bild geschaffen sind, dann durch unser Gesicht“, weil diese in ihrer Unterschiedlichkeit und Einmaligkeit „immer neue Berechnungen“ des Ewigen widerspiegeln. Ich stelle mir vor, auch mir sieht jemand ins Gesicht, irgendwo. Ich wünsche mir, dass ich Gott lobe mit meinem Gesicht; dass der Schöpfer mir viel Liebe schenken möge; dass die Menschen in einer schönen, guten Welt leben. Das geht auch mit Maske. Wenn der Mund lächelt, strahlen auch die Augen, ist die Haut entspannt, kringelt sich hier und dort ein Lachfältchen. Ich glaube an Gott, als einen, der die Hoffnung an die in uns gelegte Liebe nie aufgibt.

Pastorin Simone Fucker, Kirchengemeinde Wesselburen

 

 

#mittendrin 7. Oktober 2020

Im Einklang mit sich selbst

Meine Familie gehört – wie so viele andere Familien in diesem Jahr – zu den stolzen neuen Hühnerhaltern. Wir haben uns in zu Beginn der Coronazeit vier junge Hühner angeschafft. Die laufen im Garten und wohnen im überarbeiteten Spielhaus der Kinder. Und nun erleben wir täglich, wie unterhaltsam es ist, den Hühnern beim Scharren, Picken und sich im Sand einwühlen zuzugucken. Es passiert eigentlich gar nichts, außer, dass sich ein Huhn mal über Unerkennbares aufregt und es allen laut mitteilt. Aber diesem geschäftigen Nichtstun zuzuschauen, macht große Freude. Es beruhigt und es öffnet mir die Augen für unsere wunderbare Welt. Eine tolle Kuhle, in die die Sonne scheint, was gibt es Schöneres – für ein Huhn! Und abends, noch vor den Nachrichten, da geht es zu Bett – vielmehr auf die Stange.

Leben elementar – im Einklang mit sich selbst, den Tageszeiten und der Natur. Und wir nehmen Anteil und freuen uns mit den gackernden Hühnern über das frisch gelegte Ei. Abends sich noch ein wenig erzählen, was schön war. Wer den Hühnern auf der Stange dabei zuhört, würde sich am liebsten dazu setzen, so gemütlich klingt das. Und dann darf der Tag auch zu Ende sein. Es ist genug gewesen. Wie schön, wenn ich das mit meinen Lieben abends auch so halten kann: noch etwas erzählen und dann ist es genug gewesen.

Pastorin Astrid Buchin, Kirchengemeinde Heide

 

#mittendrin 30. September 2020

Papier-Kamerad*in

Freunde spielen heute eine größere Rolle als je zuvor, vielen Deutschen sind sie wichtiger als Familie und Partner. John Lennon und Yoko Ono hatten mal die Idee zu einer bag society. Jeder Mensch, so fanden sie, sollte sich eine braune Papiertüte über den Kopf ziehen. Bist du schön, hässlich, alt, jung, bist du schwarz oder weiß, diese Fragen würden dann endlich keine Rolle mehr spielen. Jede Beziehung würde nur darauf basieren, ob man gut miteinander reden kann oder nicht. Dass man sich nicht sehen kann, machte es leichter, offen zu sein. Das wäre die Chance auf beste Freunde. Dieser kleine eingebaute Abstand würde schon helfen. Dann erst stellten Menschen die richtigen Fragen: Was war dein Kindertraum? Wie riecht für dich Nachhausekommen? Welche Religion würdest du wählen, wenn es eine andere sein müsste? Traust du dich, Neid zuzugeben? Bei Jesus Sirach heißt das so: „An drei Dingen habe ich besondere Freude: Wenn Geschwister einander gut verstehen, wenn Nachbarn Freunde sind und wenn Eheleute harmonisch leben, spricht der Ewige.“

Pastorin Ina Brinkmann, Kirchengemeinde Büsum

 

#mittendrin 23. September 2020

Von Gott signiert

In meinem Flur hängt ein Bild in Orange- und Gelbtönen. Im Hintergrund erkennt man Fragmente aus Notenpapier. Im Vordergrund sind Zeichnungen von verschiedenen Instrumenten. Doch was das Bild so einzigartig und für mich unendlich wertvoll macht, ist das Zeichen unten rechts in der Ecke: die Signatur kommt von meiner Schwester. Sie bezeugt damit, dass nur sie das Bild geschaffen hat. Durch die Signatur sind Künstlerin und Kunstwerk miteinander verbunden.

Das Wort „segnen“ kommt von dem lateinischen Wort „signare“, das heißt „zeichnen, bezeichnen“. Diese Bedeutung steckt noch deutlich in dem Wort „signieren“. Was für ein schönes Bild für den Segen! Beim Segen wird Gottes Name auf einen Menschen gelegt. Gott stellt sich zu ihm, wie ein Künstler sich zu seinem Kunstwerk stellt. Gott „signiert“ uns. Was für eine Ehre! Was für eine besondere Würde!

Achten Sie doch beim nächsten Gottesdienstbesuch einmal bewusst auf den Segen. Und gehen Sie dann als Gesegnete, von Gott Signierte und Geadelte zurück in Ihren Alltag.

Gemeindepädagogin Marlene Tiessen, St. Michaelisdonn

 

#mittendrin 16. September 2020

Gänsehaut

Vor einem Monat, als es so warm war wie jetzt, trat ich auf den Balkon in ein ganz goldenes Abendlicht, und genau da hob ein Posaunenchor an zu spielen. „Gott gab uns Atem, damit wir leben“, erklang es von der Wiese des benachbarten Jugendherbergsgeländes. Ein Kieler Bläserensemble war dort offenbar auf Wochenendfreizeit. Es war ein echter Gänsehautmoment für mich, denn ich hatte Musik von nebenan lange vermisst (dass die manchmal auch nervt - geschenkt!), und lieb gewonnene Kirchenlieder erst recht. Manchmal merkt man gerade, wenn´s wieder da ist, was einem gefehlt hat, oder? In Innenräumen verzichten wir noch immer weitgehend auf Gesang und Blasmusik, wegen der Sache mit den Aerosolen. Viele Einschränkungen bleiben zunächst. Aber Gänsehautmomente gibt es immer wieder, auch zu unerwarteten Anlässen und in neuen Formen, denn: „Gott will mit uns die Erde verwandeln, wir können neu ins Leben gehn.“ (EG 432)

Pastorin Luise Jarck-Albers, Kirchengemeinde Heide

 

#mittendrin 9. September 2020

Jugendliche sagen "Ja"

Vielerorts werden in diesen Wochen Konfirmationen gefeiert, so auch bei uns in Meldorf. Die Jugendlichen und ihre Familien haben lange auf den großen Tag warten müssen.

Konfirmationen sind Feste des Glaubens und tun unserer Kirche gut, behaupte ich. Die jungen Menschen sind Zukunft und Hoffnung unserer Gemeinden. Bei ihrer Konfirmation sagen sie öffentlich „Ja“ zum christlichen Glauben – wie leise oder laut, wie überzeugt oder wie zögerlich diese „Jas“ auch sein mögen. Ich glaube, jedes „Ja“ ist Gott wichtig.

Mir machen diese Bekenntnisse Mut. Ich wünsche mir von Herzen, dass wir als Gemeinden die gute Chance nicht versäumen, Kindern und Heranwachsenden - vor und nach ihrer Konfirmation - einen ganz großzügigen Platz in unseren Gemeinden einzuräumen, ihren Wert zu schätzen und dabei kreativ zu werden, eine Willkommenskultur zu etablieren, die Alt und Jung im Blick hat.

„Seid aber untereinander freundlich und herzlich“ (Epheser 4,32), so der Konfirmationsspruch einer meiner Konfirmandinnen. So kann es gehen. So können wir miteinander Gemeinde sein, die auf einem guten Weg ist und gemeinsam ihren Glauben lebt und feiert.

Pastorin Esther Reininghaus-Cremers, Meldorf

 

#mittendrin 2. September 2020

Vollpfosten

Eine wahre Geschichte: Ein befreundeter Pastor aus Nordrhein-Westfahlen besuchte unangekündigt einen Mann, der eher als schwieriger Charakter beschrieben werden muss: Ein ständiger Nörgler, launisch und impulsiv, zwar noch Kirchenmitglied, aber an Kirche allgemein und dem Pastor als Person öffentlich kein gutes Haar lassend. Der Pastor klingelt also an der Tür. Der Mann öffnet, sieht den Pastor und poltert direkt los: „Was willst Du Vollpfosten denn hier?“ Darauf der Pastor kurz und trocken: „Ich will Dich Vollpfosten besuchen!“ Und ob Sie es glauben oder nicht: Über diese schlagfertige und so Pastor-untypische Reaktion war der Besuchte so überrascht, dass er den Pastor in Haus ließ und es entwickelte sich ein langes, gutes und mancherlei klärendes Gespräch.

Warum bilden wir uns nicht öfters selber eine Meinung, anstatt uns in Vorurteilen, von Anderen Gehörtem oder in Schubladendenken zu verlieren? Warum reden wir eigentlich mehr übereinander als miteinander? Auch ich kenne manch scheinbaren Vollpfosten, für andere bin ich bestimmt selbst einer. Vielleicht sollten wir einander mal besuchen und reden und werden womöglich überrascht. „Liebe sucht Verständigung.“ (Altes Testament, Buch der Sprüche, Kapitel 10, Vers 12)

Pastor Daniel Cremers, Kirchengemeinde Meldorf

 

#mittendrin 26. August 2020

Sorgenfalten

„Du guckst ja so böse“, sagt das kleine Mädchen. „Ich bin nicht böse. Ich mache mir Sorgen“, erwidere ich, atme tief durch und bemühe mich um ein Lächeln. Gar nicht so einfach. Mir schwirrt der Kopf von all den Dingen, die es zu bedenken gibt im beruflichen und familiären Alltag mit Corona. Dabei bin ich so dankbar für jeden Moment Alltag, der stattfinden kann.

In der Bibel lese ich: „Alle eure Sorge werft auf Gott, denn er sorgt für euch.“ (1. Petrus 5,7) Uff, ich atme noch einmal tief durch. Gott sorgt für mich – das will ich mir sagen lassen, jeden Tag neu. Dann kann ich meine Sorgen und Ängste Gott überlassen und das tun, was nötig ist. Nicht mit grimmigen Sorgenfalten, sondern mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

„Jetzt guckst du viel freundlicher!“

Pastorin Annegret Thom, Kirchengemeinde Weddingstedt

 

#mittendrin 19. August 2020

eintauchen

Die Sonne brennt vom Himmel. Die Luft ist drückend. Und jetzt ein erfrischendes Bad in Meer, im See oder im Pool: eintauchen ins kühle Nass. Den Staub abwaschen. Der Hitze entfliehen. Ah, das tut gut!

Der Vormittag war anstrengend. Viel Arbeit, schwierige Entscheidungen. Und jetzt in der Mittagspause ein gutes Buch: eintauchen in eine andere Welt. Die Seele mal baumeln lassen. Ah, das tut gut!

In der Familie gibt es Streit. Der andere hat ja recht, aber er soll nicht recht haben! Ich brauche jetzt erst einmal Abstand und Musik: eintauchen in die Welt der Klänge. Meinen Alltag für eine kurze Zeit hinter mir lassen. Ah, das tut gut!

Es gibt Tage, da geht es mir nicht gut. Ich fühle mich ungeliebt, einsam. Ich zweifle an mir selbst, an meinen Fähigkeiten, an meinem Wert. Dann möchte ich eintauchen in Gottes Welt: in Gottes Güte, die so weit ist, wie der Himmel; in Gottes Gnade, die mich immer wieder annimmt und aufrichtet; in Gottes grenzenlose Liebe, die mir einen Wert zuspricht. Eintauchen bei Gott. Ah, das tut gut!

Gemeindepädagogin Marlene Tiessen

 

#mittendrin 12. August 2020

Nordsee, Watt, Virus

Seit Montag läuft nun der Schulbetrieb wieder. Ob ein zweiter Lock Down zu befürchten ist? In den großen Ferien schien vieles wieder möglich zu sein. Nach Monaten der Corona-Krise versprach der Sommer eine Verschnaufpause. Beides war wichtig und gleichzeitig ein Dilemma: Menschen in Hotspots wie Büsum sorgen sich um die Tourismusbranche und ihre Arbeitsplätze und sind froh um jede Buchung. Urlauber aus ganz Deutschland suchen schlicht den Tapetenwechsel, einerseits Teil des Wirtschaftsfaktors, andererseits Abstand zur Masse halten. Niemand kann sich sicher sein, nicht infektiösen Personen begegnet zu sein. Mal sehen, was die Schleswig-Holsteiner Heimkehrer mitgebracht haben.

Die Nachrichten rufen in Erinnerung: Das Virus ist nicht nur nicht verschwunden, die Gefahr ist auch nicht auf Einzelne zusammengeschrumpft. Sicher, es gibt kein Leben ohne Risiko. Aber es kommt mündige Menschen an. Sich an Regeln zu halten, selbst wenn andere sie missachten, war und bleibt das Erbe unseres Sommers für den Herbst. - So geht’s: Ich will das Verlorene suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken. Hesekiel 34, 16

Pastorin Ina Brinkmann, Kirchengemeinde Büsum

 

#mittendrin 5. August 2020

Eine Übung für das Leben

Einen „Plan B“ brauchen wir in diesem Jahr ziemlich oft! Pia hatte eine Idee: Für die ausgefallenen Kinderfreizeiten gab es ein paar Programmpunkte als kleinen Ersatz, z. B. eine Pilgerwanderung von St. Annen nach Lunden.

Jedes Kind bekam in der Kirche St. Anna ein kleines Kreuz als Segenszeichen für den Weg. Auf dem Friedhof folgten wir den Worten in der Jahreszeitenzeitenspirale: „Jesus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Siehe, ich lebe und ihr sollt auch leben.“

Dann ging es los. Schönes Wetter war vorhergesagt. Aber das Wetter hielt sich nicht daran. Schon nach den ersten Schritten begann ein feiner Nieselregen. Na und? Wir sind ja nicht aus Zucker. „Ich bin noch nie im Regen spazieren gegangen,“ sagte ein Kind. Es regnete den ganzen Weg. Wie gut, dass wir uns in Lehe in einer Garage unterstellen konnten zur Frühstückspause.

Nehmen wir die Herausforderung an und gehen auch das letzte Stück? Keine Frage. Ja! Pilgern ist eine Übung für das Leben. Gemeinsam und mit Gottes Segen lässt sich viel bewältigen. Zum Schluss ein Segen aus Irland: „Gott segne deine Lebensreise. Durch Sonnen und Regen, Hagel und Wind sei Gott an deiner Seite und schenke dir die Gewissheit, dass nach jedem Unwetter ein Regenbogen leuchtet.“

Pastorin Marlies Rattay, Kirchengemeinde St. Annen und Schlichting

 

#mittendrin 29. Juli 2020

Und es tat so gut, ihren Namen zu hören

Als sie aus dem Flugzeug stieg und sich suchend durch die vielen Gänge orientierte, spürte sie ihr Herz pochen. Wie würde sie sich zurechtfinden, hier in diesem unbekannten Land? Passkontrolle. Händezittern. Am Gepäckband bugsierte sie den Riesenkoffer auf einen Wagen. Jetzt nur noch durch die "Schleuse'" hinter der man auf sie wartete. Da standen sie, jeder mit einer Blume in der Hand. Die Kinder hatten ein Schild gemalt: "Willkommen!"

Nach einer langen Autofahrt, der ersten Führung durchs Haus und einigen einsamen Minuten samt Heimwehtränen in dem Zimmer, das nun ihres werden sollte, wurde sie zum Essen gerufen. Sie ging die Treppe hinab und hörte das Klappern der Teller und Gläser. Die Familie saß fröhlich am Tisch. Dann wurden alle still. "Wer spricht heute das Gebet?"Der Kleinste wollte. Und dankte Gott für das Essen - und dafür, dass sie nun mit am Tisch saß und heil angekommen war. Und es tat so gut, ihren Namen zu hören.

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. Epheser 2,9

Pastorin Sandra Ruge-Tolksdorf, Kirchengemeinde Brunsbüttel

 

#mittendrin 22. Juli 2020

Endlich Urlaub!

Ich freue mich im Herbst auf unsere einsame Insel im Kattegatt: drei kleine Dörfer, Bauern und Fischer. Nix mit all-inclusive, dafür aber ganz viel Natur, Strände, Wälder, Seen, Dünen und verträumte Moore, viel frische Luft, lange Wanderungen mit dem schönsten und intelligentesten Hund Dithmarschens, Angeln am Meer, Sturmdrachen steigen lassen am Strand, Salz sieden aus Meereswasser, ein opulentes Frühstück für die große Gästeschar vorbereiten, im Stundentakt der Allerliebsten den Cappuccino ans Bett bringen und endlich „Die Quelle“ von James Michener zu Ende lesen … dann ist meine Welt so richtig in Ordnung!

Hauptsache: Der amerikanische Präsident, Herr Tönnies und die Zeitgenossen vom Ballermann bleiben vor der Tür! Wenigstens im Urlaub!

Und dann eine der schönen Inselkirchen aufsuchen, ganz allein, während alle anderen noch im Bett sind, und ihm ein leises Dankeschön sagen: für dieses Geschenk der gemeinsamen Zeit! Mensch, wird das schön!

Pastor Thomas Rust, Kirchengemeinde Hennstedt

 

#mittendrin 15. Juli 2020

Gottes Haus am See

Ich bin ein Sommerkind. Meine Geburtstage in Kinderzeiten waren immer „Draußen-Feste“. Es war schön heiß. Die Geschenke waren eher schmal. Wichtiger war: das ist mein Tag, alle kommen meinetwegen.

In seinem wunderbar optimistischen Song „Haus am See“ singt Peter Fox: „Ich hab' den Tag auf meiner Seite, ich hab' Rückenwind“. Ein Sommerlied vom Juli 2006. Es beschreibt eine Lebensreise mit allen Höhen und Tiefen („Gott hat einen harten linken Haken“).

Nach sechs Lebensjahrzehnten weiß ich von diesem Auf und Ab des eigenen Weges durch die Zeit. Mein Blick geht so langsam in die Zukunft. Und ich spür den Rückenwind meines Glaubens. Jesus sagt: „Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen“.

Zum Lebensende heißt es bei Peter Fox:
Hier bin ich geboren, hier werd' ich begraben
Hab' taube Ohren, 'n weißen Bart und sitz' im Garten
Meine hundert Enkel spielen Cricket auf'm Rasen

Wenn ich so daran denke, kann ich's eigentlich kaum erwarten. Ein schönes Bild für das Paradies: Gottes Haus am See.

Pastor Klaus Struve, Kirchengemeinde Wesselburen

 

#mittendrin 8. Juli 2020

Mittendrin

So heißt eine neue Folge von Impulsen zum Weiterdenken – immer mittwochs, also mittendrin in der Woche. Am weitesten entfernt vom Wochenende – in beiden Richtungen: nach vorn und nach hinten. Wie ein Schiff auf hoher See, ebenso weit vom Heimat- wie vom Zielhafen entfernt. Das kann einen bei stürmischem Wetter mit Angst erfüllen.

Wenn wir unser Lebensschiff gerade durch eine sehr unruhige See steuern müssen, voller Fragen und Nöte, empfinden wir uns vielleicht mittendrin im Schlamassel, ohne eine Chance, schnell irgendwo anzulegen und ruhig zu werden. Dann können wir rufen, wie es vor 2000 Jahren die Jünger Jesu auf dem bedrohlich aufgewühlten See Genezareth taten: „Herr, hilf uns, wir kommen um!“ Und plötzlich kann der Blick auf neue Ufer gelenkt werden. Vielleicht eine bisher nicht wahrgenommene Bucht, in der der Wind gestillt ist. Ein neues Ziel, gar nicht mehr weit entfernt.

Mittendrin im Fahrwasser der Möglichkeiten Gottes – das geht auch am Mittwoch. Einfach mal ausprobieren!

Harald Meyenburg, Pastor in Wesselburen und Neuenkirchen

 

#hoffnunghamstern 1. Juli 2020

Überraschungsgast

"Finger weg!“ Die Worte meiner Frau klangen bedrohlich – dabei hatte ich noch nicht einmal mit dem Ausbuddeln angefangen. In unserem kleinen Beet, mitten zwischen Petersilie und Tomaten, hatte sich ein mir unbekanntes Pflänzchen gezeigt, und das konnte ja nur irgendein Unkraut sein. „Nein, das ist eine Sonnenblume, die hat sich selbst ausgesät.“ Ach so, ja dann… Als botanischer Laie war ich leicht überfordert.

Das war vor wenigen Wochen. Mittlerweile ist der Überraschungsgast gewachsen und dominiert seine Umgebung, von social distancing im Beet ist ‘mal gar nichts zu sehen. Meine Frau ist nicht mehr so sicher, ob wir seinerzeit richtig entschieden haben – also: sie richtig entschieden hat. Ich schon: Wunderbar, der Blume beim Wachsen zuzusehen, auf die Blüte zu warten und zu erkennen: Wir haben eben nicht alles selbst in der Hand. Oder wie es im Gleichnis von der selbstwachsenden Saat (Markus 4,26–29) heißt: „Ganz von selbst bringt die Erde Frucht“.

Das war erst einmal der letzte tägliche „Mutmacher“ – und zugleich der Beginn einer neuen, wöchentlich erscheinenden Kolumne: Ab kommenden Mittwoch heißt es an dieser Stelle dann „Mittendrin“.

Frank Zabel, Öffentlichkeitsbeauftragter des Kirchenkreises Dithmarschen

 

#hoffnunghamstern 30. Juni 2020

Sternschnuppennächte

Bald schon werden sie wieder da sein, die Sternschnuppennächte. Dann sehen wir in klaren Nächten die Sternschnuppen des „Perseiden-Meteorstroms“. Alles ist wissenschaftlich erklärbar. Doch wohnt diesem Phänomen nicht auch etwas Zauberhaftes inne? Mich erinnert das an das Märchen vom Sterntalermädchen oder auch an den Chassidismus, eine Bewegung im Judentum. Da heißt es: In allem wohnt ein Gottesfunke.

Dieser Funke ist es, der unser Streben nach oben führt, zum Göttlichen hin. Die Sternschnuppe malt für mich Bilder davon, dass in uns allen das Gute ist, wir alle Anteil haben am Göttlichen, alle unser Ziel in der Liebe finden, wie sie uns in Christus vor Augen kommt – in poetisch-schöner Sprache, geleitet hin zu einer Erfüllung all unserer Sehnsüchte. Uralte Sehnsüchte.

„Sing mit den Sternen zusammen. Allen berichte von Liebe. Dass in den Menschen das Streben aufwärts lebendig stets bleibe!“ (Sternengesang. Aus: Freude. Sammlung christlicher Poesie, Zürich 1977.)

Pastorin Simone Fucker, Kirchengemeinde Wesselburen

 

#hoffnunghamstern 29. Juni 2020

Immer und überall

Wenn man den alten Herrn im Garten antrifft, wie er auf seine Hacke gelehnt den Erdbeeren beim Rotwerden zuschaut, dann ist es da.

Wenn man mit letzter Kraft aber durchaus zufrieden nach einem langen Tag die Stufen zur Haustür emporklimmt und die Nachbarskatze dort bereits wartet, um zu prüfen, ob es noch was Leckeres abzustauben gibt. Wenn sich eine Sorge in Luft aufgelöst hat. Wenn das Gefühl ungerecht behandelt worden zu sein, nicht mehr wichtig ist. Wenn man in eine stille Kirche tritt und sich dort in eine Bank setzt, vielleicht eine Kerze entzündet. Wenn man ganz und gar in eine Geschichte abtaucht oder in ein Gespräch oder in ein Lachen. Dann ist es da. Das Gefühl von Frieden.

Natürlich verfliegt es nach einer kleinen Zeit, aber es bleibt jederzeit abrufbar. Es bleibt eingetragen in unser Inneres.

"Frieden gabst du schon, Frieden muss noch werden."

Pastorin Sandra Ruge-Tolksdorf, Kirchengemeinde Brunsbüttel

 

#hoffnunghamstern 26. Juni 2020

Immer und überall

Heute ist der letzte Schultag vor den Sommerferien. Und für viele Kinder ist heute auch der letzte Kindergartentag, bevor sie dann im August eingeschult werden. Ein Abschnitt ihres Lebens geht zu Ende, ein neuer liegt vor ihnen. In diesen Situationen gebe ich Kindern – aber auch Erwachsenen – gerne einen Ohrwurm mit:

„Vom Anfang bis zum Ende hält Gott seine Hände über mir und über dir. Ja er hat es versprochen, hat nie sein Wort gebrochen. Glaube mir, ich bin bei dir! Immer und überall bin ich da!“

Ein einfaches Kinderlied, das doch so klar von Gottes Fürsorge spricht. „Immer ist Gott da. Am Anfang und am Ende. In der Schulzeit und in den Ferien. Im Alltag und im Urlaub. Bei Hoch-Zeiten und in dunklen Tälern. Ob du ihn spürst oder gar nicht an ihn denkst: immer ist Gott da. Er hält seine Hände über dir.“ Darauf kann ich mich verlassen. Daran will ich mich immer wieder festhalten. Was für eine wunderbare Zusage für die kommende Ferienzeit!

Gemeindepädagogin Marlene Tiessen

 

#hoffnunghamstern 25. Juni 2020

Ein freundliches Wort

Liebe T., Du hast mir neulich gesagt, wie gut Dir das tut, wenn jemand Dich fröhlich und freundlich begrüßt. Mir geht das auch so – habe ich Dir das eigentlich gesagt? Ich schäme mich, denn ich nehme mir viel zu wenig Zeit dafür. Die letzten Monate habe ich noch hektischer erlebt als sonst. Es gibt so vieles zu bedenken und neu und anders zu überlegen und zu planen. Da nerven die kleinen kurzen Alltagsbegegnungen mich fast. Doch wenn Du mich fröhlich zur Begrüßung anlachst, geht es mir gleich etwas besser.

In der Bibel lese ich: „Sorge im Herzen bedrückt den Menschen; aber ein freundliches Wort erfreut ihn.“ (Sprüche 12,25) So einfach kann es manchmal sein: Guten Morgen, liebe T.!

Pastorin Annegret Thom, Kirchengemeinde Weddingstedt

 

#hoffnunghamstern 24. Juni 2020

Friedensstifter

Nachts vor unserer Haustür streiten sie sich. Alkohol war wohl im Spiel und nicht zu knapp. Gleich fliegen Fäuste, denke ich und behalte recht. Es wird laut und noch eine Spur unflätiger. Es eskaliert mächtig. „Hört doch auf!“, schrillt es dazwischen. Eine Bierflasche zerspringt auf der Straße.

Ich wähle die 110, traue mich selbst nicht vor die Tür. Kurz darauf biegt das Einsatzfahrzeug in unsere Straße. Zwei Uniformierte steigen aus und treten hinzu. Ganz ruhig, ganz sachlich begeben sie sich in die Situation, lassen sich nicht provozieren, nicht abschrecken, finden die richtige Sprache. Reden, lenken das Gespräch, jeder kommt zu Wort. Es funktioniert. Die Schreihälse werden ruhiger, steigen ein. Im besten Fall werden sie jetzt zu Hause abgeliefert. Jedenfalls stelle ich es mir so vor.

Hut ab vor all denen, die statt wegzulaufen, standhalten. Chapeau all jenen, die sich berufsbedingt auf gefährliches Pflaster wagen.

„Die Frucht der Gerechtigkeit aber wird gesät in Frieden für die, die Frieden stiften.“ Jakobus 3,18

Pastorin Sandra Ruge-Tolksdorf, Kirchengemeinde Brunsbüttel

 

#hoffnunghamstern 23. Juni 2020

Ein besonderer Tag...

… kann jeder sein oder werden, so auch dieser 23. Juni. Er ist es schon für die, die heute Geburtstag oder ein anderes Jubiläum haben: Selbst wenn ja das Erhalten von Gratulationen und das Feiern nach wie vor – coronabedingt – nur eingeschränkt möglich sind. Für alle übrigen, zu denen ich mit gehöre, lassen sich trotzdem Besonderheiten dieses Tages finden!

Etwa durch eine Rubrik unserer Zeitung, die ich sehr schätze: Denn immer stehen doch auf Seite 2 die besonderen Ereignisse und Personen, die mit dem jeweiligen Tag verbunden sind. Ein weiteres Angebot vermitteln die alljährlichen Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine – mit ihren zwei Bibelstellen zu jedem Datum. Für heute sind das: Gott „sendet seine Rede auf die Erde, sein Wort läuft schnell“ (Psalm 147,15); „Gottes Wort ist nicht gebunden“ (2. Timotheus 2,9). Da nur dieses Wort von sämtlichen Begrenzungen unserer Welt wirklich frei ist, vermag es uns überall und jederzeit neue Zuversicht und Orientierung zu schenken!

Pastor Jens Cahnbley, Kirchengemeinde Heide

 

#hoffnunghamstern 22. Juni 2020

Übermütige Sommergedanken

Mein dritter Sommer ist es in der Marsch. In voller Pracht zeigt sie sich. Ein gutes Jahr, meine ich; trotz Cronona und weil ich meine bäuerlichen Wurzeln immer wieder spüre. Wenn ich aus der Pastoratstür trete, strömt betörender Duft der Rosen im Beet mir entgegen. Der Sommer zeigt mir die Fülle des Lebens – hier in der Marsch, wo sich Rose und Lavendel wohl fühlen im schweren Boden. Man wird ganz leicht. Zum Tanz und Spiel will man eingeladen werden, wenn die Sonnenstrahlen und der erfrischende Regen sich die Hand geben. Wenn Hummel und Fliege, Amsel und Meise mich begrüßen, dann will ich ihnen zulächeln und mich freuen, dass sie mir Gesellschaft leisten. Wie leicht tanzen auch sie und werden mir zum Vor-Bild. Sommer, den kann ich nicht wollen, verhindern oder einüben. Er kommt, ist da und sein Glück ist der Übermut.

Versonnen darf ich denken: Ich will sie zulassen, diese Sommerzeit, den Tag vor dem Abend loben. Immerwährend denke ich im Herzen: „Du krönst das Jahr mit deinem Gut, und deine Fußstapfen triefen von Segen“ (Ps 65,12). Es gründet mich dieser Gedanke in meinem sommerleichten Freudenflug über den fruchtbaren Boden der Marsch und macht mich leicht. Ich traue meinem Herrgott.

Pastorin Simone Fucker, Kirchengemeinde Wesselburen

 

#hoffnunghamstern 19. Juni 2020

Alles hängt irgendwie zusammen

Ich bin im Garten, schon seit Tagen lachen mich die Brennnesseln an. Ich kämpfe mit dem Kraut, den juckenden Hinterlassenschaften und den langen widerspenstigen Wurzeln. Warum muss es bloß Brennnesseln geben?! Reichen denn nicht Mohn- und Kornblumen, Rosen und Margeriten? Ich schwitze und weiß genau, die Wurzelstücke, die in der Erde bleiben, treiben spätestens in zwei Wochen wieder aus. Blöde Brennnesseln!

Ich verschnaufe und freue mich an den brummenden Insekten und den bunt schillernden Schmetterlingen. Und ich erinnere mich, dass die Schmetterlinge, die mich jetzt entzücken, die Brennnesseln für ihre Larven benötigen. Die ungeliebte Pflanze hat also doch ihren Sinn. Alles hängt irgendwie zusammen. Bei mir im Garten und auf der ganzen Welt. Ich überlasse also zwei, drei Ecken im Garten den Brennnesseln. So kann ich mich auch im kommenden Jahr an Schmetterlingen freuen.

Ich ahne an meinem kleinen Gartenkampf, dass wir auch im Großen die Artenvielfalt brauchen, damit sich alles gut ergänzt. Juckend sitze ich in meinen Nesseln und ahne Gottes weites Herz in seiner bunten Schöpfung.

Pastorin Astrid Buchin, Kirchengemeinde Heide, stv. Pröpstin

 

 

#hoffnunghamstern 18. Juni 2020

Die Welt kann so friedlich sein

Es ist der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. (Hebräer 11,1)

Das ist das Bibelwort aus dem Buch der biblischen Losungen für heute.

Keine Garantie, und doch: Boden, der trägt.

Während ich schreibe, sehe ich die großen Bäume in unserem Garten: die Linde, die Esche, den Ahorn, die Pappel. Und wie so oft denke ich an die Gedichtzeile von Günter Eich: „Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume?“ Viel älter sind sie als ich, in großer Verlässlichkeit bringen sie im Frühling ihre grünen Blätter hervor. Vögel bauen ihre Nester darin, die Taube, die Eule, die Amsel, der Zaunkönig. Ihre Rufe begleiten den Abend. Die Welt kann so friedlich sein.

Ja, ich finde Bäume tröstlich. Ich möchte immer in der Nähe großer Bäume wohnen. Das Rascheln der Pappel war schon ein Kindheitsbegleiter. Bäume öffnen mir das Herz zum Vertrauen.

In der Bibel ist zu lesen: Gesegnet ist der Mensch, der sich auf Gott verlässt, er ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt. (Jeremia 17, 7-8)

Pastorin Marlies Rattay, Kirchengemeinden St. Annen und Schlichting

 

#hoffnunghamstern 17. Juni 2020

Menschsein

Ich bin voller Widersprüche. Ich höre gerne laut Musik, aber ärgere mich, wenn die Musik anderer mich stört. Ich bin in vielfältiger Hinsicht fasziniert von unangepassten Menschen, aber wohne in einem Einfamilienhaus samt Hecke, Carport und Garten. Ich halte mich selber nur ungerne an die eine oder andere Regel, aber erwarte, dass andere es tun. Ich möchte nicht, dass irgendwer zu Schaden kommt, aber schaffe es nicht, meiner Verantwortung immer und überall gerecht zu werden. Ich setze mich ein für barmherziges Denken, Handeln und Fühlen, aber verhalte mich oft genug unbarmherzig mir selbst gegenüber. Ich sehe die bunte Auswahl des Lebens vor mir, aber werde zwangsläufig schuldig an den Möglichkeiten.

Ich bin voller Widersprüche, aber das Akzeptieren der Widersprüchlichkeit im Leben der anderen fällt mir schwer.

Ich hadere mit so manchem, was das Menschsein mit sich bringt. Aber die Menschlichkeit ist das, was mich mit den Menschen verbindet. Ohne sie bleibt nur der Widerspruch.

Pastor Helge Jörgensen, Kirchengemeinde Albersdorf

 

#hoffnunghamstern 16. Juni 2020

Lebenseinstellung

Einmal habe ich eine sehr alte Dame zum Geburtstag besucht. Sie war wirklich sehr alt geworden und ist heute noch älter. Wir plauderten über das Leben. Viel hat sie erlebt, Gutes wie Böses. Manchmal hatte sie genug zum Leben, manchmal war es beinahe zu wenig. Den Krieg hat sie erfahren und Frieden. Glück hat sie gespürt und Leid tragen müssen. So aufrecht saß sie mir gegenüber und ich empfand es als einen großen Reichtum, als ein Geschenk, mich mit der Dame unterhalten zu dürfen, ja, ihr zuhören zu dürfen. Natürlich fragte ich sie, welches Rezept ihres ist für ein langes Leben. Ohne zu überlegen sagte sie: „Jeden Morgen Haferflocken essen und Zufriedenheit und Dankbarkeit.“ Diesen Satz werde ich nie wieder vergessen, egal, ob ich jung oder alt sterben werde. Immer nur Sonne, wäre fatal; immer nur weiterkommen, ginge zu schnell; Regenwolken müssen auch mal sein. Danken will ich meinem Gott und fröhlichen Mut haben, ihm trauen, dass alles gut wird. Ich glaube, dann wird man ein glückseliges Gotteskind.

Pastorin Simone Fucker, Kirchengemeinde Wesselburen

 

#hoffnunghamstern 15. Juni 2020

Frieden und Gerechtigkeit

Im Februar habe ich die Holocaustgedenkstätte in Yad Vashem in Jerusalem besucht. Mein Vater war 1942 als 19jähriger mit seiner Familie im damaligen Warthegau angesiedelt und als Soldat eingezogen worden.

In Yad Vashem begegnet mir der Tod von unschuldigen jüdischen Menschen millionenfach. Auch im Warthegau war Massenmord brutal an der Tagesordnung. Mein Vater hat nicht viel davon erzählt. Doch ich habe seine Schwermut gespürt. Das System im dritten Reich war schlimm und lebensbedrohlich. So schlimm, dass viele auch noch heute schweigen und keine Worte dafür haben.

Immer wieder empfinde ich plötzlich so große Angst, Traurigkeit und Übelkeit und frage mich, wo sie herkommen. Die Abstandsregeln in Covid-19-Zeiten fördern solche Gedanken. Auch, wenn Eltern schweigen, geben sie etwas von dem weiter, was sie erlebt haben. Für mich ist tröstlich, dass Gott da ist und wir mit seiner Hilfe etwas tun können im Einsatz um Frieden und Gerechtigkeit.

So spricht der Herr: Schafft Recht und Gerechtigkeit und errettet den Beraubten von des Frevlers Hand und bedrängt nicht die Fremdlinge, Waisen und Witwen und tut niemand Gewalt an und vergießt kein unschuldiges Blut (Jeremia, 22, 3)

Monika Schmudde, Referentin im Frauenwerk Dithmarschen

 

#hoffnunghamstern 12. Juni 2020

Dreieiniges singen können

Inzwischen dürfen wir ja draußen auch wieder gemeinschaftlich singen – mit dem weiterhin notwendigen Abstand! Und für sich allein ist es sowieso jeder wie jedem erlaubt. Das Singen kann bekanntlich – egal ob einzeln oder zusammen – sehr ermutigend wirken! Erst recht, wenn es im Nachklang des letzten Sonntags geschieht, „Trinitatis“ mit Namen, dem Dreieinigkeitsfest.

Als Beispiel dazu zitiere ich gern aus dem Evangelischen Gesangbuch eine meiner Lieblingsstrophen – die 3. von der Nr. 139, leicht singbar nach der Melodie „Nun danket alle Gott“: „Gelobet sei der Herr, mein Gott, mein Trost, mein Leben, des Vaters werter Geist, den mir der Sohn gegeben; der mir mein Herz erquickt, der mir gibt neue Kraft, der mir in aller Not Rat, Trost und Hilfe schafft“ (Text: Johann Olearius, 1665).

Eine gute Wirkung dieser Zeilen ist genauso möglich, wenn wir nicht schön bis falsch singen oder wir sie einfach „nur“ nachsprechen …

Pastor Jens Cahnbley, Kirchengemeinde Heide

 

#hoffnunghamstern 11. Juni 2020

Unser tägliches Brot

Im Vaterunser bitten wir Gott: „Gib uns unser tägliches Brot.“ Diese Bitte fasziniert mich immer wieder. Wenn es um Nahrungsmittel geht, brauche ich Gott eigentlich nicht zu bitten. Da habe ich alles, was ich brauche: nicht nur Brot, sondern auch Gemüse und Käse und Joghurt. Und ich bin dankbar dafür, dass ich so gut versorgt bin.

Ich glaube, bei dieser Bitte geht es aber nicht nur um Nahrungsmittel, sondern im wahrsten Sinne des Wortes um „Lebens-mittel“. Ich bitte Gott, mir das zu geben, was ich zum Leben brauche.

Jesus sagt: „Ich bin das Brot des Lebens.“ Und er meint damit: „Ich bin dein „Lebens-mittel“. Ich kann deinen Hunger nach Leben stillen. Ich weiß, was du brauchst. Wenn du mich bittest, werde ich dich wirklich satt machen.“ Was für eine Zusage, die in dieser Bitte um das tägliche Brot mitschwingt!

Übrigens: heute feiern katholische Christen Fronleichnam. Sie erinnern daran, dass Jesus ihnen im Brot beim Abendmahl ganz nah ist.

Marlene Tiessen, Gemeindepädagogin

 

#hoffnunghamstern 10. Juni 2020

„Was Sie wollen, gibt es bei uns nicht!“

Wir stehen in der Schlange meiner Lieblingsbäckerei. Es dauert heute etwas länger, denn ein neuer Mitarbeiter bedient und wird dabei von seiner Kollegin unterstützt. Dass sie einander mögen, merkt man sofort. Sie scherzen und verströmen Fröhlichkeit.

„Auszubildender“, liest man auf seinem Namensschild. Und dann steht da sein Name, von dem ich mich frage, wie man ihn wohl korrekt ausspricht. „Ebony & Ivory“, ich muss an einen Song von Paul McCartney und Stevie Wonder denken. „…living in perfect harmony…“

„…und einen Mohrenkopf, bitte!“, gibt ein Kunde jetzt seine letzte Bestellung auf. Der Auszubildende nimmt Blickkontakt zu seiner Anleiterin auf. Er wiederholt die Bestellung halblaut fragend?

„Gibt es hier nicht!“, sagt die Verkäuferin jetzt an den Wartenden gewandt. „Verstehe ich nicht, da sind doch noch zwei!“, tippt der Mann auf die Glasvitrine.

„Was Sie wollen, gibt es bei uns nicht!“ Sie nennt ihm den Endbetrag, kassiert und wir sind nun an der Reihe. Ob sie dem jüngeren Kollegen wohl in einer ruhigeren Minute erklärt, was da plötzlich in sie gefahren ist?

Pastorin Sandra Ruge-Tolksdorf, Kirchengemeinde Brunsbüttel

 

#hoffnunghamstern 9. Juni 2020

Fake News?

Fake News“ sind zu einem Inbegriff geworden für so manches, was aus dem Mund eines ganz speziellen Präsidenten jenseits des Atlantiks zu uns herüberschwappt: Halbwahrheiten oder faustdicke Lügen, Getratsche und Gerüchte …

Erst kürzlich erzählte mir ein lieber Mensch, es kursiere bei uns in Dithmarschen ein Gerücht, dass dieser amerikanische Präsident mit einer Regierungsdelegation in Israel geweilt habe und tragischerweise dabei verstorben sei. In Israel habe man der amerikanischen Delegation angeboten, ihren Präsidenten gleich in Israel beizusetzen. Das koste doch in den USA mindestens 10.000 Dollar, in Israel dagegen nur 100 Dollar. Die amerikanische Delegation sei entsetzt gewesen: „Um Himmels willen! Nur das nicht! Bei euch geht doch das Gerücht, da sei nach drei Tagen einer wieder auferstanden!“

Gerücht oder Wahrheit? Entscheiden Sie selbst! Für viele Menschen wurde die Auferstehung zur ganz großen Kraftquelle in Zeiten der Not!

Pastor Thomas Rust, Kirchengemeinde Hennstedt

 

#hoffnunghamstern 8. Juni 2020

Familie = Frauensache?

„School‘s out forever“ – keine Schule mehr, niemals. Alice Cooper besang diesen Traum von geplagten Schülerinnen und Schülern vor fast 50 Jahren. In den letzten Wochen und Monaten waren wir da zeitweise ganz nah dran. Viele haben allerdings schnell gemerkt, dass das Leben ohne Schule bei weitem nicht so verlockend ist wie gedacht.

Heute werden in Schleswig-Holstein die Grundschulen in den regulären Betrieb zurückkehren. „Einschulung 2.0.“ könnte man es nennen. Eltern sind eher erleichtert, Lehrkräfte eher skeptisch, ob das so gutgeht. Die allermeisten Schulkinder freuen sich aber, wieder mit ihren vertrauten Freundinnen und Freunden zusammen sein zu können.

Es wäre schön, wenn wir dabei nicht vergessen, was insbesondere die Mütter seit dem Beginn der Krise geleistet haben, leisten mussten. Denn alte Rollenklischees waren schnell zurück. Familie, das ist immer noch vor allem Frauensache.

Ein großes Dankeschön an alle Mütter (und an die vorbildlichen unter den Vätern natürlich auch)!

Bleibt weiter alle gesund!

Pastor Klaus Struve, Kirchengemeinde Wesselburen

 

#hoffnunghamstern 5. Juni 2020

Weite und Freiheit

Frei sein wie ein Adler. Das wär’s doch, oder? Wegfliegen können, wenn man es möchte. Die Welt von oben betrachten, ins helle Blau des Himmels eintauchen und mit anderen um die Wette fliegen. Aber dann auch wieder zurückkommen können ins heimische und gemachte Nest. Der Himmel mit seiner Weite und seiner Freiheit lockt uns Menschen.

Heute, am 5. Juni, ist der Tag des Heißluftballons. Vor 237 Jahren wurde am 5. Juni 1783 die erste Ballonfahrt absolviert: Die Gebrüder Montgolfier schafften es, einen Ballon aus Leinen und Papier mithilfe von erhitzter Luft aufsteigen zu lassen. Der Flug soll zehn Minuten gedauert und eine Höhe von 2000 Metern erreicht haben. Zwar noch unbemannt, aber immerhin.

Mittlerweile ist „Fliegen“ gar nichts Besonderes mehr. Frei zu sein wie ein Adler, das wünschen wir uns aber weiterhin. Die Bibel ist ein Buch voller solcher Freiheitsgeschichten: Ein Volk wird aus Gefangenschaft und Unterdrückung befreit. So manche erleben Befreiung von inneren Nöten und Kämpfen. Hinter diesen Erfahrungen steht Gott. Er verspricht uns, dass wir in seiner Gegenwart „auffahren mit Flügeln wie Adler“ (Jesaja 40,31) und somit dem Himmel ein Stück näherkommen.

Pastor Tom Wolter, Kirchengemeinde St. Michaelisdonn

 

#hoffnunghamstern 4. Juni 2020

Du bist nicht allein

„Was macht dir Mut?“ Der junge Mann sieht mich ratlos an. Ich versuche es andersherum: „Was entmutigt dich?“ Darauf kommt die Antwort prompt: „Dumme Menschen! Solche, die sich nicht einsetzen in der Welt. Weil sie denken, dass es nicht nützt. Oder zu bequem sind. Oder immer darauf warten, dass ein anderer anfängt.“ Wir schauen uns ratlos an und fühlen gemeinsam Schmerz und Angst. Die Nachrichten in diesen Tagen sind gruselig.

Ich hole Luft und frag nochmal und jetzt weiß er es: „Mir machen Mut all die Menschen, die mitmachen und mithelfen. Die sich nicht zu schade sind. Die anfangen. Die hinterfragen. Die ehrlich sind. Die das Gute wollen und tun!“ Und dann überlegen wir, wer alles dazu gehört in unserer kleinen Welt und in der großen Welt da draußen. Wir sind nicht allein!

In der Bibel lese ich: „Passt euch nicht dieser Zeit an. Gebraucht vielmehr euren Verstand in einer neuen Weise und lasst euch dadurch verwandeln. Dann könnt ihr beurteilen, was der Wille Gottes ist: Ob etwas gut ist, ob es Gott gefällt und ob es vollkommen ist.“ (Römer 12,2)

Pastorin Annegret Thom, Kirchengemeinde Weddingstedt

 

#hoffnunghamstern 3. Juni 2020

Ars moriendi

Ich stehe am Grab bei einer Urnenbeisetzung und blicke, während die Trauergemeinde sich versammelt, in einen tiefblauen Himmel. Das saftige Grün der Birke zeichnet sich ab und harmonisiert mit dem Blau. Die Sonne wärmt mein Gesicht. Die Vögel singen ihre Lieder. Die Natur erwacht in diesen frühsommerlichen Zeiten.

Ich empfinde Glück und tiefe Hoffnung – für den Verstorbenen, im festen Glauben an das Sein bei Gott und in mir. Ein intensiver Augenblick. Wenn ich in diesem Augenblick müsst´ gehen, dann wäre in mir das Gefühl: Alles ist gut. Gerade die Pracht des Lebens – im Frühling – schafft in mir ein Bewusstsein, dass die Kunst des Lebens nicht ohne eine Kunst des Sterbens sein kann.

„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“ (Ps 90,12). Ein kluger Satz, das Leben zu lernen, zu erfahren, zu spüren in seiner Pracht und Fülle, seiner Lebendigkeit und Kraft. Mit dem Bewusstsein meiner Endlichkeit hier in der Welt, wird das Leben so wertvoll und wunderbar, will ich mein Menschsein in Liebe, Güte und in Dankbarkeit üben.

Die Kunst des Lebens ist doch immer auch die Kunst des Sterbens. Und ich muss mich weder vor dem einen noch vor dem anderen ängstigen. Alles ist gut.

Pastorin Simone Fucker, Kirchengemeinde Wesselburen

 

#hoffnunghamstern 2. Juni 2020

Warum sollen wir uns denn freuen?

Die Anzeigetafel zeigte die Nr. 27 an. Endlich an der Reihe. Ich klopfte an die Tür und trat in das Zimmer. „Warum freuen Sie sich denn so?“, schwappte es mir sofort vom Schreibtisch aus entgegen.

„Kaum aufgestanden, schon kalt erwischt!“, dachte ich. Und: „Ob die Dame hinter dem PC zu den Menschen gehörte, die Freundlichkeit eher mit einer gewissen Skepsis begegnen. Hatte ihr womöglich derjenige vor mir, der mit der Nr. 26, zugesetzt?“

„Wenn Sie wollen, fangen wir noch einmal von vorne an. Ich klopfe einfach erneut und starte ernster?“, wollte ich vorschlagen und konnte mich zum Glück noch zur Ordnung rufen.

„Warum sollen wir uns denn freuen?“, diese Frage beschäftigte Menschen bereits vor langer Zeit. „Gott hat uns hier vergessen.“

Wie sie fürchten wir momentan um unsere Existenz, um den Frieden in unserer kleinen und großen Welt. Die Sorge sitzt uns im Nacken wie eine unangenehme Verspannung.

Und jetzt? Weitermachen, nicht aufstecken. Freundlich bleiben, nicht den Humor und das Ziel aus den Augen verlieren und vor allem nicht den Tag vor dem Abend verdammen.

Übrigens wurde es noch eine vergnügliche Begegnung zwischen der Dame und mir. Ich wurde kompetent beraten. Dankeschön!

„In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet! (aus: ♫ Lobe den Herrn ♪)

Pastorin Sandra Ruge-Tolksdorf, Kirchengemeinde Brunsbüttel

 

#hoffnunghamstern 29. Mai 2020

Und nach dem Happy-End?

Die letzte Szene in Superhelden-Filmen verläuft in der Regel ähnlich: Die Superhelden steigen aus den Trümmern der letzten, ultimativen Schlacht von Gut gegen Böse, klopfen sich den Staub von den Schultern und halten Ausschau nach den Menschen, die ihnen wichtig sind. Und dann?

Dann ist Ende und Abspann – Feierabend. Ich frage mich oft, wie es nach dem vermeintlichen Ende weitergeht.

Zurzeit wähnen wir uns in dieser Zeit zwischen der vermeintlich geschlagenen Schlacht und dem Abspann.

Niemandem ist so richtig nach Feiern zumute, weil wir nicht genau wissen, ob es wirklich einen Grund zum Feiern gibt. Um in der Film-Analogie zu bleiben: ob „das Böse“ tatsächlich besiegt ist. Denn dass es jederzeit zu vermehrten Corona-Infektionen kommen kann, ist allen bewusst.

Wenn überhaupt, geschieht ein vorsichtiger Blick über das Eigene hinaus: „Freut euch mit den Fröhlichen, weint mit den Weinenden. Seid eines Sinnes untereinander“, schreibt Paulus vor 2000 Jahren an seine Gemeinde in Rom. Das ist doch ein erster Schritt in dieser Zeit des „Danach“.

Pastorin Tanja Sievers, Kirchengemeinde Heide

 

#hoffnunghamstern 28. Mai 2020

Frischluft tut gut

In meinem Vorgarten hat ein Hund ein Häufchen hinterlassen. Verärgert entferne ich es und gehe zurück ins Haus. Wie kann der Hundebesitzer nur so sein? Direkt gegenüber steht ein Spender mit Hundekotbeuteln! Ich ärgere mich und denke über einen Gartenzaun nach. Dann ziehe ich alle Vorhänge auf, um den Gehweg besser zu sehen. Am Ende des Tages ziehe ich Bilanz. Zwei Stunden habe ich gefühlt heute nur mit diesem Haufen zugebracht. Immer wieder habe ich ihn vor meinem inneren Auge gesehen. Ich bilde mir ein, die ganze Wohnung riecht bereits danach.

Die folgenden Tage passiert nichts. Kein neuer Haufen zu sehen. Doch ein Teil von mir liegt innerlich noch immer unruhig auf der Lauer. „Das, worauf du deine Aufmerksamkeit lenkst, wird dich beherrschen.“ – da ist schon was Wahres dran.

Ich will meinen Blick ab jetzt wieder häufiger auf die schönen Dinge im Leben werfen. Damit bekämpfe ich nicht alle Häufchen dieser Erde, doch ich bekomme zwischendurch wieder besser Luft.

Pastorin Elli Brandt, Kirchengemeinde Eddelak

 

#hoffnunghamstern 27. Mai 2020

Glauben heißt auch warten können

In was für einer seltsamen Zeit befinden wir uns gerade im Kirchenjahr! Die Zeit zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Jesus hat sich von seinen Jüngern verabschiedet und ist nun zu seinem Vater zurückgekehrt, aber Jesu angekündigte Verheißung des Kommens des Heiligen Geistes hat sich noch nicht erfüllt. Ja… Jesus ist schon weg, aber der Heilige Geist noch nicht da. Es ist eine Art „Zwischen-Zeit“.

Der Evangelist Lukas beschreibt, was in dieser Zwischenzeit passiert. Wie die Jünger Jesu samt den Frauen im Obergemach des Hauses zusammenkommen und beten. Und hoffen. Und vertrauen. Und warten.

Ja, glauben heißt auch warten können. Vielleicht gerade in dieser besonderen Zeit, in der wir leben, ist es wichtig, dies in Erinnerung zu rufen. Glauben heißt auch warten können.

Diese ungewohnte Situation auf der ganzen Welt, sie macht uns zu schaffen. Aber zugleich erinnert sie mich auch daran: Gottes Verheißung steht noch aus. Es wird eine andere Zeit kommen. Darauf vertraue ich. Und mit Gottes Hilfe warte ich darauf geduldig.

Pastor Pauls Plate, Kirchengemeinde Tellingstedt

 

#hoffnunghamstern 26. Mai 2020

Umdenken

Mit der Post bekam ich ein Buch: „Corona und das Christentum“, oder so ähnlich. Warum, das weiß ich nicht. Es lag im Briefkasten. Es geht darin darum, dass Gott uns bestraft mit der Pandemie. Nicht nur religiöse Gruppierungen deuten die Pandemie, sondern auch Leute, die mit der Religion eigentlich nichts am Hut haben. Da wird Gott dann plötzlich doch ein Thema: „Wie kann ein Gott das zulassen!“, oder so ähnlich...

Im Lukasevangelium gibt es eine Geschichte, die erzählt, dass ein Turm umstürzte und viele Leute erschlug. Da sagten die Menschen, das war eine Strafe Gottes, weil sie gesündigt haben. Jesus sagt: „Glaubt ihr denn, dass diese durch den Turmeinsturz umgekommenen Menschen schuldiger gewesen wären als alle anderen Menschen? Nein, sage ich!“ (Lk 13,1ff.)

Jesus fordert die Menschen auf, auch aufgrund dieses schrecklichen Ereignisses, umzudenken. Er meint damit, nachzudenken, ob denn in unserer Gesellschaft noch alles so passt, wie es ist. Und wenn nicht, dann sind wir nicht Opfer, sondern können zu Tätern / Täterinnen des Guten werden. Zeugen davon werden wir doch gerade jetzt täglich. Und überhaupt: „Es ist dir gesagt Mensch, was gut ist; nämlich Liebe üben und erkennen, dass wir nicht Gott sind, sondern Menschen.“

Pastorin Simone Fucker, Kirchengemeinde Wesselburen

 

#hoffnunghamstern 25. Mai 2020

Hey, Pippi Langstrumpf...!

In diesem Monat wird sie 75 Jahre alt: Pippi Langstrumpf. Seit ihrem Entstehen hat die Kinderbuchfigur Astrid Lindgrens unzählige Menschen, Groß und Klein, auf der ganzen Welt beeindruckt.

Auch ich habe dieses unerschrockene Mädchen als Kind bewundert. Und wenn ich heute als Erwachsene ab und an die alten Filme schaue, übt sie noch immer eine gewisse Faszination auf mich aus: Pippi lebt ganz im Hier und Jetzt, besitzt ein herrlich heiteres Gemüt, Neues macht ihr keine Bange und sie ist stark und couragiert.

Manchmal wünschte ich mir ihren Mut. Wo die ängstliche Annika schreit: „Der Sturm wird immer stärker,“ behält Pippi lachend die Zuversicht: „Macht nichts. Ich auch!“ Klar, Pippi ist eine Phantasiefigur. So stark und furchtlos ist im realen Leben wohl niemand. Wir geraten durchaus manchmal ins Wanken, wenn uns Sorgenstürme heftig ins Gesicht pusten. Wir sind normale Menschen, die Nöte kennen, und unsere Stärke ist begrenzt.

Ich bin froh und dankbar, dass es einen gibt, der mir immer wieder von seiner Kraft abgibt. Dass ich schwach sein darf und nicht alles allein schaffen muss. Gott ist da. Er sagt: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2. Kor 12,9)

Pastorin Esther Reininghaus-Cremers, Kirchengemeinde Meldorf

 

#hoffnunghamstern 22. Mai 2020

Verlassen – und doch nicht!

Das erste Gefühl vom gestrigen Tag, angesichts seines Geschehens, war ursprünglich keine Fest-Freude, sondern das des Verlassen-Seins. Denn das empfanden wohl Jüngerinnen und Jünger von Jesus: „Schon wieder ist Jesus nicht mehr bei uns. Zuerst durch sein Sterben am Karfreitag – und jetzt durch seine Himmelfahrt!“

Ähnliche Gefühle hatten in den vergangenen Wochen eine Menge unserer älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger, die wegen der Corona-Krise die Besuche und Nähe der ihnen verbundensten Personen entbehren mussten.

Zur Situation vor 2000 Jahren, direkt nach dem Himmelfahrtsgeschehen, gibt es natürlich Unterschiede; der wesentlichste ist: Das, worauf die Jüngerinnen und Jünger zehn Tage warteten, der von Jesus und Gottvater an Pfingsten gesandte Geist, der wirkt seither in unserer Welt – unsichtbar zwar, aber wahr, innerlich Kraft gebend, auch uns!

Und dieser Heilige Geist stärkt uns Menschen ebenso, für andere da zu sein, etwa durch telefonische Gespräche oder durch Alltagshilfen wie Einkäufe. Solch Gutes dieser Wochen lasst uns festhalten!

Pastor Jens Cahnbley, Kirchengemeinde Heide

 

#hoffnunghamstern 20. Mai 2020

Ich stell' mich dazu

40 Tage lang war Jesus nach Ostern bei seinen Freunden auf der Erde. Morgen ist Himmelfahrt: Jesus entschwindet und seine Freunde bleiben zurück. Ich sehe sie da stehen mit verwirrtem Gesicht und hängenden Armen. Es ist alles zu viel, was sie erlebt haben im Auf und Ab der vergangenen Wochen. Sie wissen nicht, was sie nun tun sollen. Und ich stell‘ mich dazu und blicke mit ihnen in den Himmel. Weil mir alles zu viel ist, was ich erlebt habe im Auf und Ab der vergangenen Wochen und weil ich keine Ahnung habe, wie alles weitergehen wird.

Jesus geht nicht einfach so. Er verspricht seinen Freunden, mit seinem Geist zu ihnen zu kommen – damit sie weitermachen können mit Kraft und Ideen und neuem Mut. Und ich stell‘ mich dazu und bitte Jesus, dass er auch mir seinen Geist schenkt – damit ich weitermachen kann mit Kraft und Ideen und neuem Mut.

In der Bibel lese ich: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2.Timotheus 1,7)

Pastorin Annegret Thom, Kirchengemeinde Weddingstedt

 

#hoffnunghamstern 19. Mai 2020

Ach so!

Stufen zur Empore rauf. Schwere Treppe zum Kirchenboden runterziehen. Trompete im Arm. Schritte über den Dachboden. Leiter zum Turm hoch. Luke auf. Kopf und Oberkörper herausschieben. Ausblick! Jetzt sehe ich alles anders. Die belaubten Kronen der 78 Linden um den Kirchplatz. Ein Dackel, der Gassi geführt wird. Prächtige Wolkenformationen. Sonne im Westen. Ein Stück Ruhe.

Seit 68 Tagen habe ich täglich diese Perspektive. Kurz nach 18 Uhr, wenn ich oben von der Tellingstedter Kirche ein Lied auf dem Instrument spiele. Ein Stück Kontinuität in einer Zeit der vielen Veränderungen. Manchmal wünsche ich mir, dass ich dort oben eine Erklärung bekomme, warum alles so ist, wie es ist. Ein Satz nur, und ich könnte tief aus dem Herzen sagen: „Ach so!“ Ist aber nicht so.

Also lasse ich mich lehren durch ein Lied. Spiele es und füge mich ein in das Vertrauen der anderen. Höre zu, was ihr Glaube mir sagt. Und aus dem Bedürfnis nach dem einen welterklärenden Satz wird der Blick für den nächsten Schritt, für meine Verantwortung heute. Dann geht es wieder runter: Kopf rein, Luke schließen, Leiter, Dachboden, Empore, Treppenstufen... wieder auf dem Erdboden angekommen. Der nächste Schritt wird gesegnet sein. Das muss genügen. Das wird genügen. „Ach so!“

Pastor Rüdiger Burzeya, Kirchengemeinde Tellingstedt

 

#hoffnunghamstern 18. Mai 2020

Wir üben uns langsam ein

In den letzten Wochen wache ich immer so gegen 4.30 Uhr kurz auf. Draußen ist das morgendliche Wettsingen der Vögel zu hören. So laut, dass ich regelmäßig davon erwache. Die Vögel sagen: Hier bin ich! Sie grenzen ihr Revier ab durch den Gesang! Und die Angebetete hört den Lärm und weiß sich umworben und beschützt. Und manchmal singen die Vögel auch einfach aus Freude.

Ab heute ist wieder vieles möglich: Gaststätten, Hotels und Ferienwohnungen dürfen endlich wieder Gäste begrüßen. Auch Gottesdienste sind möglich. Im Freien darf wieder Sport gemacht werden. Langsam normalisiert sich das Leben.

Die Vögel singen laut und markieren damit ihr Revier, den Abstand, den sie brauchen, um gut leben zu können. Wir müssen uns immer wieder daran erinnern, es ausmessen und Markierungen auf den Boden, auf die Sitzbänke zeichnen, damit jeder das eigene, sichere Revier bekommt. Der Raum, der dafür sorgt, dass niemand gefährdet wird, dass wir im Restaurant, auf dem Sportplatz, in der Kirchenbank rücksichtsvoll sind. Wir üben uns langsam ein und spüren zugleich, wie weit weg das noch von echter Normalität ist. Und das Singen müssen wir vorerst weiter den Vögeln überlassen.

Pastorin Astrid Buchin, Kirchengemeinde Heide, stv. Pröpstin

 

#hoffnunghamstern 15. Mai 2020

Ich erinnere mich

Ich erinnere mich an große Familienfeste mit Unmengen Kuchen.
Ich erinnere mich an hunderte Fotos von ein und demselben Sonnenuntergang.
Ich erinnere mich daran, zusammen mit tausenden das gleiche Lied zu grölen.
Ich erinnere mich an Freunde, die viel zu früh krank wurden.

Ich erinnere mich an durchtanzte Nächte in überfüllten Diskotheken.
Ich erinnere mich an spontane Wochenendausflüge.
Ich erinnere mich an Umarmungen, die selbstverständlicher nicht hätten sein können.
Ich erinnere mich an Bilder von Särgen am Straßenrand.

Ich erinnere mich an die losgelöste Stimmung im überhitzten Auto Richtung Sommer.
Ich erinnere mich an Musik auf dem Weg zur Arbeit.
Ich erinnere mich an Sport, wenn mir danach war.
Ich erinnere mich an unbarmherzigen Streit um das Für und Wider, der nur Verlierer kennt.

Ich erinnere mich an Orte, an denen ich schon immer lieber alleine war.
Ich erinnere mich an Menschen, denen das Leben noch nie leichtfiel.
Ich erinnere mich, wie oft ich Gott innerlich schon angeschrien habe.
Ich erinnere mich, dass mein Glaube schon immer auch ein Trotzdem war.

Pastor Helge Jörgensen, Kirchengemeinde Albersdorf

 

#hoffnunghamstern 14. Mai 2020

Mit Vernunft und Hoffnung

Es passiert an einem Freitag gegen halb elf. Ich stehe auf dem Markt und möchte Hoffnung unter die Menschen bringen. Zwei verschiedene Postkartenmotive mit Hoffnungsworten aus der Bibel habe ich dabei. Manche Menschen freuen sich über die Karten, einige sind verwirrt und ganz selten ernte ich auch einmal unfreundliche Worte. Manch einer erklärt mir, so etwas brauche er nicht, und geht weiter.

Auch die Rentnerin, die ich gerade angesprochen habe, sagt mir, sie brauche die Postkarten nicht. Doch sie bleibt stehen und wir kommen ins Gespräch. Sie erzählt mir, wie es ihr zurzeit geht. Und sie strahlt dabei. Sie sei so dankbar, dass sie an so einem schönen Ort leben dürfe und dass sie ihre Rente habe. Und mit ein wenig Vernunft und Hoffnung könne man diese Zeit schon überstehen. Dann verabschiedet sie sich von mir und wünscht mir alles Gute.

Ich verteile an diesem Tag noch viele Postkarten und führe noch so manches Gespräch. Ihre Worte und ihr Strahlen nehme ich mit nach Hause.

Pastorin Catharina Klein, Kirchengemeinde Büsum

 

#hoffnunghamstern 13. Mai 2020

Ein schwarzer Punkt

Manche lästern über uns Dithmarscher: „Die gehen viermal im Leben zur Kirche – und zweimal davon werden sie getragen!“ Eine wirklich bösartige Verunglimpfung! Denn es sind mindestens fünfmal ­– im Urlaub gehen manche nämlich auch gerne mal in eine Kirche. Da sehen einen ja die Nachbarn nicht…

In einem der letzten Urlaube besuchte ich ebenfalls einen Gottesdienst. Ein junger Pastor hielt von der Kanzel ein großes weißes Plakat mit einem winzigen schwarzen Punkt in die Gemeinde: „Was seht Ihr hier?“ „Klar“, erwiderte ich spontan, „einen schwarzen Punkt.“

„Erwischt“, höre ich ihn sagen, „ein großes weißes Plakat, aber alle sind auf diesen winzigen schwarzen Punkt fixiert! Der moderne Mensch – auf das Negative fokussiert!“

Die Corona-Auflagen werden mehr und mehr gelockert, es geht in kleinen Schritten wieder bergauf. Und mir fehlt, dass wir in großer Dankbarkeit klar benennen, wie wir durch diese Krise hindurchbegleitet werden. Stattdessen wird gemäkelt, Druck gemacht. Ich denke oft an ein Bibelwort: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!“ Und in diesen Dank schließe ich all diejenigen mit ein, die ihren Job in dieser Zeit so richtig gut machen!

Pastor Thomas Rust, Kirchengemeinde Hennstedt

 

#hoffnunghamstern 12. Mai 2020

Geschafft!

Bei strahlendem Sonnenschein ging es los. Wir starteten unseren Spaziergang an der Wasserkante. Unsere Gummistiefel hinterließen Spuren im schlickigen Watt.

Beinahe unbemerkt zogen die weißen Schleier heran. Schon nach kürzester Zeit befanden wir uns in der dicksten Nebelsuppe. Und was zunächst spannend schien, entpuppte sich schnell als beängstigend. Keiner sprach ein Wort. Wir tasteten uns an der Wasserkannte entlang zurück zum Ausgangspunkt unserer Tour. Erst am Parkplatz löste sich die Anspannung. „Geschafft.“

Wann wir das wohl angesichts der Pandemie erleichtert werden sagen können: „Geschafft!“ Es wird noch dauern. Die Situation ist zwar gelockert, doch wann erneut „Schleier“ über das Land ziehen werden, ist unklar.

Unklar auch, welche Folgen sich für unser gesellschaftliches Miteinander ergeben werden. Komplexe Zeiten liegen vor uns. Was werden wir daraus machen?

Vom unlängst verstorbenen Hanns Dieter Hüsch stammt dieser an den Psalm 23 angelehnte Satz:
„Und wenn ich nicht wüsste
Wohin meinen Kopf zur Ruhe betten
In dieser törichten Zeit
/ …/ 
So wird mein Gemüt doch gerettet
Durch die Barmherzigkeit Gottes
/ …/
und meine Heiterkeit darf ich allzeit
Ausüben...“

In der Hoffnung, dass auch alle anderen Strandläufer sicher aus dem Nebel zurückgekommen sind.

Pastorin Sandra Ruge-Tolksdorf, Kirchengemeinde Brunsbüttel


 

 

#hoffnunghamstern 11. Mai 2020

Die Hoffnung hat eine Schwester: Sie heißt "Erinnerung"!

Das ist einer meiner Mutmachsätze, wenn es eng wird. Wenn ich das Gefühl habe, die Luft zum Atmen wird knapp und ums Herz wird es eng.

Und dann versuche ich Schritt für Schritt, wieder festen Boden unter den Füßen zu bekommen.

Und dann stell ich mir die nächste Frage: Worauf hoffe ich? Dass alles wieder gut wird? Aber was heißt schon gut? Und dann kommt meine Hoffnung auch schon ins Stolpern. Nein, es wird nicht wieder gut. Menschen bleiben in dieser Krise auf der Strecke. Egal, wie sehr wir uns bemühen.

Also: Worauf hoffe ich?

Vielleicht geht es hier gar nicht um Hoffnung, sondern ums Warten können. Der Unterschied? Wenn Sie an der Bushaltestelle stehen und hoffen, dass ein Bus kommt, dann wissen Sie nicht, ob einer kommt. Oder stehen Sie an der Bushaltestelle und warten darauf, dass der Bus kommt? Dann kommt er gewiss, vielleicht mit Verspätung, aber er kommt. Und es ist gut, wenn ich da nicht alleine sitze, sondern jemand mit mir wartet. Gerade, wenn es dunkel ist.

Und so vertraue ich darauf, dass Gott sich zu mir setzt und an meiner Seite bleibt und mit mir wartet, nein, nicht, bis der Bus kommt, aber bis diese Krise vorbei ist.

Pastorin Almut Loepthien, Kirchengemeinde Lunden

 

#hoffnunghamstern 8. Mai 2020

Gute Worte üben

Beinahe lustig finde ich es: Immer wieder gibt es Diskussionen um das Vermummungsverbot. Es befremdet uns, wenn wir das Gesicht unseres Gegenübers nicht sehen können; geschieht doch ein großer Teil unserer Kommunikation darüber, welchen Gesichtsausdruck wir haben oder wahrnehmen. Nun tragen wir alle Mund-Nase-Masken – und sind vermummt, nicht mehr nur die Burka-Trägerinnen. Da tun sich in der Diskussion neue Perspektiven auf.

Gänzlich lehrreich kann die momentane Situation werden. Denn plötzlich müssen wir achtsamer mit Worten umgehen. Spricht die Mimik mit – z.B. mit einem schelmischen Lächeln – kann ein daher gesagtes und neckend gemeintes Wort kaum verletzen. Hört man nur das Wort und sieht das Lächeln, den Schalk im Nacken nicht, so kann das Wort doch sehr verletzen. Immer wieder nehme ich wahr, auch an mir selbst, dass das Bewusstsein schöner, guter Sprache im Miteinander leidet. Viele schöne Worte sind beinahe vergessen. Wir nehmen uns wenig Zeit, Worte auszuwählen im Gespräch.

Jetzt sind wir auf das Wort zurückgeworfen und müssen die guten, die Hoffnungsworte wieder üben. Denn: „Wer unvorsichtig herausfährt mit Worten, sticht wie ein Schwert; aber die Zunge der Weisen bringt Heilung.“ (Sprüche 12,18) – Hoffnungsworte brauchen wir.

Pastorin Simone Fucker, Kirchengemeinde Wesselburen

 

#hoffnunghamstern 7. Mai 2020

„Hätte… hätte…“

Morgen wäre es losgegangen: Abfahrt um 10:30 Uhr, Treffpunkt am Meldorfer Südermarkt. Von dort mit dem Bus nach Westerhever. An Bord über 50 Jugendliche. Morgen wäre es losgegangen, auf Konfi-Freizeit. Eine Woche später hätte ich mit meiner Konfi-Gruppe dann Konfirmation im Meldorfer Dom gefeiert.

„Hätte… hätte… Fahrradkette!“ Wir leben in Zeiten eines vermehrten Konjunktives. Viel „hätte“, „wäre“, „sollte“, „würde“… Der Konjunktiv wird laut deutscher Grammatik als sog. Möglichkeitsform bezeichnet. Oft auch im Sinne einer Un-möglichkeitsform. Vieles, was wir in diesen Wochen und Monaten geplant und worauf wir uns gefreut haben, ist derzeit eben nicht möglich, wird unmöglich gemacht von diesem unsichtbaren Erreger, der sich weltweit eingenistet hat – von daher gerade viel Konjunktiv. Das ist mal zum Heulen, mal zum Verzweifeln, mal ärgerlich oder einfach nur schade!

In meiner Heimat am Niederrhein sagen die Leute oft bei Dingen, die sie nicht ändern können: „Et kütt wie et kütt!“. In der Bibel heißt es in ähnliche Richtung: „Alles hat seine Zeit!“ Es kommen auch wieder andere Zeiten! Mit weniger Konjunktiv und mehr Möglichkeiten! Darauf freue ich mich schon! Und auch auf die Konfirmation mit meinen Konfis!

Pastor Daniel Cremers, Kirchengemeinde Meldorf

 

#hoffnunghamstern 6. Mai 2020

Hoffnung

Für einen Gottesdienst zum Thema „Hoffnung“ suchte ich ein Symbol und fand schließlich den Stängel einer Mohnpflanze mit einer Blütenknospe, pflückte ihn ab und stellte ihn in eine Vase. Als ich ihn dann kurz vor dem Gottesdienst mitnehmen wollte, bot er einen traurigen Anblick: Völlig welk hing er herunter, eher ein trostloses Bild des Jammers. „Aus dem wird nie mehr etwas, der ist nun wirklich völlig ungeeignet als Zeichen der Hoffnung“, dachte ich und fand glücklicherweise noch einen Zweig mit Knospen, der dann in der Andacht Verwendung fand.

Einige Tage später fiel mein Blick dann zufällig wieder auf den Stiel mit der Mohnknospe. Wie erstaunt war ich, zu sehen, dass er sich doch tatsächlich wieder aufgerichtet hatte. Die Knospe ist dann noch zu einer wunderschönen Blüte geworden, an der ich meine besondere Freude hatte.

Ja, so ist das mit der Hoffnung. Manchmal liegt sie total am Boden und ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass sich die bedrückende Situation wieder zum Guten wendet. Aber ich darf darauf vertrauen, dass Gott immer wieder Unmögliches möglich macht.

Pastorin Hendrikje Timmermann, Kirchengemeinde Wöhrden

 

#hoffnunghamstern 5. Mai 2020

Alte Gedulds-Geschichte

Verständlich, wenn wohl die meisten über Geduld bald nichts mehr hören oder lesen mögen. Dabei brauchen wir sie nach wie vor sehr dringend! In der Bibel gibt es mehrfach Gedulds-Geschichten. Eine davon passt besonders gut zum Mai, dem Lieblingsmonat so vieler, denn sie handelt von sehnlichster Liebe – und findet sich im 1. Buch Mose, Kapitel 29.

Da wird von Jakob erzählt, der bei Laban eintrifft, seinem späteren Schwiegervater. Denn gerade hat Jakob eine Tochter Labans kennengelernt, Rahel, mit der er so gern den Bund fürs Leben einginge! Um das Ziel mal glückserfüllt in Händen zu haben, nähme er es ohne Zögern als seinen einzigen „Lohn“ von Laban – und wäre deshalb bereit, lange für Laban „umsonst“ zu arbeiten. Und dann heißt es ganz schlicht (Vers 20): „So diente Jakob um Rahel sieben Jahre, und es kam ihm vor, als wärens einzelne Tage, so lieb hatte er sie.“

Mit Gottes Wort – und seinem spürbaren Weggeleit, das sich täglich erbitten lässt – können wir leichter Geduld haben und bewahren.

Pastor Jens Cahnbley, Kirchengemeinde Heide

 

#hoffnunghamstern 4. Mai 2020

Freude auf Treffen "in echt"

Mitten in der schönsten Auseinandersetzung riss das Gespräch ab. Hatte meine Freundin einfach aufgelegt? Frechheit. „Nun fahr gedanklich mal rechts ran“, hatte sie noch gesagt. Und: „Jetzt mach aber halblang, du hast leicht reden!“

Hatte ich zu heftig auf ihre Argumente reagiert? Waren die Pferde mit mir durchgegangen? Fragen über Fragen quälten mich den lieben langen, durch diese Auseinandersetzung verhunzten Tag. Vor allem diese eine Frage nagte. Ob sie wohl ernstlich gekränkt wäre?

Meine „Durch-dick-und-dünn-Freundin“. Am Abend schrieb ich ihr, wie wichtig sie mir sei. Ziemlich ausführlich schrieb ich das. Dann warten. Irgendwann ihre Antwort. Ihr Akku habe den Geist aufgegeben. Ladekabel unauffindbar. Wie ich darauf käme, dass sie ernstlich sauer sei, wollte sie wissen. Und wie wichtig ihr unser Austausch sei. Hoffentlich bald wieder face to face und ohne technische Probleme.

Wie ich mich darauf freue: Treffen „in echt“ und möglichst ohne Strömungsabriss.

„Was betrübt du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?“ (Psalm 43,5)

Pastorin Sandra Ruge-Tolksdorf

 

#hoffnunghamstern 30. April 2020

Du bist nicht allein

Nun bin ich ins Haus gegangen – erst mochte ich gar nicht, denn es regnet! Nach Wochen und Wochen regnet es! Es duftet, die Vögel kommen aus ihren Verstecken, singen und finden allerlei. Als würde alles aufatmen, Luft holen ist allein schon ein Genuss. Lang ersehnter Regen, ein Segen für die Natur und die gepflegten Gärten.

Unser Vorgarten ist auch frühlingsfein – aber was die meisten Spaziergänger stehen bleiben lässt vor unserem Haus, das ist der riesige Regenbogen, den unsere Kinder durch die Fenster und die beiden Stockwerke gemalt und aufgehängt haben. Der Regenbogen, biblisch Gottes Versprechen, dass unsere Erde und wir Menschen bewahrt werden. Meine Kinder haben den Regenbogen aber für andere Kinder gemalt. Damit die Kinder, die vorbeigehen, wissen: Du bist nicht allein.

Der Regenbogen – Hoffnung, Zusammenhalt und die Gewissheit: Ihr seid nicht allein; in den anderen Häusern und Wohnungen, da warten andere mit Euch.

Und irgendwann kommt der Regen, oder die Möglichkeit, sich wieder zu sehen: die Schulfreunde, Oma und Opa, die Gäste der verschobenen Familienfeier. Der Regenbogen als Versprechen: Du bist nicht allein – zusammen üben wir uns in der nötigen Geduld.

Pastorin Astrid Buchin, Kirchengemeinde Heide, stellvertretende Pröpstin

 

#hoffnunghamstern 29. April 2020

Corona-Blues

Kennen Sie das auch? Die Sonne scheint, doch innen drin will so gar nichts mit dem Frühling zusammen jubeln. Es nervt schon fast. Das Licht blendet mich, die Wärme der Sonne stört mich. Die roten und gelben Tulpen in ihrer Pracht sind in meinen Augen fast beleidigend. Krise. Langeweile. Trübsinnblasen.Corona-Blues. Immer mal wieder.

Es gäbe so viel tun: den Garten umgraben, die Beete von Unkraut befreien oder eine gute Freundin anrufen. Doch nicht einmal gute Musik hilft. Dann eben aushalten. Und durchhalten. Warten, bis es besser wird. Denn: Es wird immer besser. Irgendwann. Das ist Erfahrungswissen.

„Und ob ich schon wanderte im finstern Tal…“ das Psalmwort schießt mir durch den Kopf und ich möchte doch so gern raus aus diesem Jammertal…ans Wasser, zu Freunden, ins Kino … so viel fällt mir ein, was gerade besser wäre.

„Nütz je nix“ höre ich plötzlich in meinem Kopf die Stimme von Irene. Sie sagt das auf ihre ganz eigene Dithmarscher Art. Sie sieht mich an, zieht dabei die Schultern ein bisschen hoch, legt den Kopf schräg und hält die Hände nach oben geöffnet. Ob ich will oder nicht: bei diesem Bild im Kopf lächle ich. Wenn auch noch gequält.

Pastorin Maike Engelkes, Kirchengemeinde Windbergen-Gudendorf

 

#hoffnunghamstern 28. April 2020

Gegen den Lärm des Alltags

Eigentlich bin ich niemand, der frühmorgens gut hochkommt. Doch es hilft ja nix: Wenigstens der Hund hat Bedürfnisse. Also aufgestanden, Hund gefüttert und dann raus an die frische Luft.

Dort wartet die Morgendämmerung und mit ihr der Vogelgesang. Die ersten Vögel beginnen schon eineinhalb Stunden vor Sonnenaufgang mit ihrem Gezwitscher. Klar, die Männchen singen, um ihr Revier gegen andere zu verteidigen oder um Weibchen für sich zu begeistern. Doch das ist nicht immer der Grund. Nicht nur morgendliche Spaziergänger, sondern auch Wissenschaftler vermuten, dass Singvögel manchmal einfach aus reiner Freude singen. Und dabei werden sie immer lauter: Weil wir Menschen mit unseren Motoren und Maschinen immer mehr Grundrauschen produzieren, beginnen die Vögel mehr und mehr gegen an zu trällern, um sich Gehör zu verschaffen.

Man könnte sagen: Aus Lebensfreude singen die Vögel an gegen den Lärm des Alltags, gegen die Dunkelheit der Nacht und gegen die Kälte des Winters. Und dabei machen sie sich vielleicht auch ein wenig lustig über den griesgrämigen Spaziergänger, der da frühmorgens seinen Gedanken nachhängt, anstatt den Anbruch des neuen Tages zu besingen.

Pastor Tom Wolter, Kirchengemeinde St. Michaelisdonn

 

#hoffnunghamstern 27. April 2020

Getrennt verbunden

Ich stehe auf dem Friedhof. Vor mir eine Urne. Und im gebührenden Abstand zwei Personen. Irgendwo im Hintergrund stehen auch Bestatter und Friedhofswart. Eigentlich wäre heute das ganze Dorf da. Mit Reden am Grab und mit Chorgesang. Dieser Mensch war für das Dorf wichtig. Das will man zeigen. Ihm Ehre und Achtung erweisen. Das alles geht gerade nicht.

Möglichst kurz soll ich es machen, lautet die Anweisung. Und zugleich auch würdig und tröstend. Wie soll das gehen? Nähe zeigen mit einem Mindestabstand? Tröstendes einander zurufen?

Von der Kirche höre ich die Glocken läuten. Sie läuten immer, wenn ein Mensch gestorben ist. Sie begleiten Trauerzug und Beisetzung. Heute wolle sie extra lange läuten, hat die Küsterin gesagt. Damit es alle hören. Viele werden dabei die Predigt mitlesen – Internet und Kopierer sei Dank.

Wir sind Gottes Familie, so werden sie lesen. Als Familie sind wir auch getrennt verbunden. Wir haben Gottes Nähe auch in den Zeiten von Sicherheitsabstand. Für Gott gibt es keine Quarantäne. Gott ist da, genau neben Dir. Du bist Gottes Kind. Teil seiner Familie. Du gehörst auch als Einzelner dazu. Das zählt. Jetzt und immer.

Pastor Jörg Denke, Kirchengemeinden Pahlen und Delve

 

#hoffnunghamstern 23. April 2020

Ein Corona-Päckchen

Ich mag es nicht, im Internet einzukaufen. Und sich gleichzeitig zu beklagen, dass lokale Geschäfte ums Überleben kämpfen. Ich mag es auch nicht, wenn Paket-Zusteller von Haus zu Haus hetzen, manche unter finanziell mehr als fragwürdigen Bedingungen.

Nun klingelte es aber bei uns an der Tür – und da steht ein Paket-Zusteller. „Ich habe nichts bestellt!“ „Aber das ist an Sie gerichtet, und der Absender hat auch zufällig Ihren Namen!“ Ich krame nach einem kleinen Trinkgeld und trage das Päckchen neugierig ins Haus.

Es entpuppt sich als ein „Corona-Päckchen“ unserer Kinder – eine tolles Lebenszeichen in all den Einschränkungen dieser Zeit: ein Buch von Hermann Hesse, Hannah Arendt oder über Graf Stauffenberg, Lieblingsstoffe zum Nähen von Mundschutzen – vor allem viel Vitamin C in Form von Marzipan … Ich war doch ziemlich gerührt, was ihnen da eingefallen war. Und etwas peinlich berührt, dass wir nicht selbst auf so eine nette Idee gekommen waren. Aber das kann man ja noch ändern. Wie sagte Jesus: Behandele andere Menschen so, wie Du selbst behandelt werden möchtest!

Ich wünsche Euch viel Geduld und Gottvertrauen und – na klar! – so ein richtig liebes „Corona-Päckchen“.

Pastor Thomas Rust, Kirchengemeinde Hennstedt

 

#hoffnunghamstern 22. April 2020

Geduld?

Seit Ostersonntag sitzt ein Huhn im Nest und brütet. Meine Kinder fragen: „Wann kommen endlich die Küken?“ Ich sage: „Es dauert drei Wochen. Genau so lange, wie es dauern muss. Ihr müsst Geduld haben.“

Diese Tage fordern von uns allen unendlich viel Geduld. Die Kinder fragen: „Wann ist alles wieder so wie sonst?“ Ich sage: „Ich weiß es nicht. Ihr müsst Geduld haben.“

Unser Huhn weiß nicht, dass es 21 Tage auf dem Nest sitzen muss. Es brütet zum ersten Mal. Ob das Huhn überhaupt weiß, was geschehen wird, wenn die drei Wochen vorbei sind? Ich weiß: Wenn die Küken schlüpfen, wird Mama Henne wissen, was zu tun ist – einfach so.

Ich wünschte mir, dass es für uns so einfach wäre: Wir wissen nicht, was geschehen wird. Wir warten geduldig. Und dann, irgendwann, werden wir wissen, was zu tun ist – einfach so.

Wenn wir auf etwas hoffen, was wir noch nicht sehen, dann müssen wir geduldig darauf warten. (Römer 8,25)

Geduld? Geduld!

Pastorin Annegret Thom, Kirchengemeinde Weddingstedt

 

#hoffnunghamstern 21. April 2020

Jede Information beruhigte mein Herz

Und der Wind legte sich und es ward eine große Stille...(Markus 4, 39b)

…so ähnlich fühlte es sich für mich an, als ich am vergangenen Freitag die Gelegenheit erhielt, einigen der leitenden MedizinerInnen, PflegerInnen sowie den Hygienespezialistinnen des WKK Heide zu begegnen. Sie hatten sich die Zeit genommen, um mit uns PastorInnen vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie ins Gespräch zu kommen. Wir SeelsorgerInnen waren mit der Frage angereist, ob und wie wir die Klinik in den nächsten Wochen unterstützen können.

Ich muss gestehen, dass mein Ankommen auf dem Klinikgelände von Herzklopfen begleitet war. Doch meine Unsicherheit legte sich, sobald unsere GastgeberInnen ruhig und sachlich von ihrer Arbeit berichteten. Es habe so manch eine Umstrukturierung gegeben, um die Klinik und ihre Mitarbeitenden auf die möglichen Aufgaben vorzubereiten. Keiner wisse natürlich, was genau auf Dithmarschen zukomme. Aber die Lage sei ruhig und unter Kontrolle.

Jedes Wort unserer GesprächspartnerInnen tat mir gut, jede Information beruhigte mein Herz.

Großartig, dass Sie für alle da sind, die Sie brauchen!

Pastorin Sandra Ruge-Tolksdorf, Kirchengemeinde Brunsbüttel

 

#hoffnunghamstern 20. April 2020

Mein unsichtbarer Freund

Wem kann ich vertrauen? Vertrauen an sich ermöglicht erst das Leben in guten Beziehungen. Aber Vertrauen kann auch enttäuscht werden. Wem können wir in der Zeit der Corona-Pandemie vertrauen? Es gibt so viele selbst ernannte ExpertInnen. Jetzt sitzen wir hinter verschlossenen Türen und können uns vielleicht ein bisschen in die Situation der Menschen hineinversetzen, die mit Jesus gelebt und ihm vertraut haben und dann schmerzlich erleben mussten, wie dieser verraten, verhaftet, gefoltert und getötet wurde. Sie hatten Angst vor Konsequenzen durch die jüdische Obrigkeit. In dieser Unsicherheit und Ungewissheit steht plötzlich Jesus in ihrer Mitte und spricht den Friedensgruß.

Gott, der Lebendige, steht uns unsichtbar und doch erfahrbar zur Seite – in unseren starken und in unseren schwachen Augenblicken des Lebens. Das ist die Zusage von Ostern. Jeder Sonntag setzt ein Zeichen von Ostern, ein Zeichen einer Freude, die ermutigt und das Leben heller macht.

Zef 3,17 Der HERR, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der rettet; er freut sich über dich in Fröhlichkeit, er schweigt in seiner Liebe, er jauchzt über dich mit Jubel.

Monika Schmudde, Referentin im Frauenwerk Dithmarschen

 

#hoffnunghamstern 17. April 2020

Freiheit?

Die Krankheit, die rings um uns wächst, erinnert daran, dass nichts im Leben so sein muss. Es steht im krassen Widerspruch zu den Standards sonst, die uns bedrängen und mit denen wir mitlaufen, ob wir wollen oder nicht. Die Krise hält uns den Spiegel vor.

Es ist wie bei dem Mann, der über Land geht. Es scheint die Sonne. Der Mann läuft die Furchen entlang. Sein Blick ist auf den Boden gerichtet. Konzentriert. Er prüft die Beschaffenheit des Ackers. Zu trocken? Zu lehmig? Schlecht gepflügt. Das auf jeden Fall. Die innere Aufgaben-Liste wächst und wächst. Da sieht der Mann plötzlich etwas hinter sich. Umrisse, die ihm folgen. Der Nachbar? Sähe ihm ähnlich. Ist doch bloß neidisch. Die besseren Erträge habe ich! Der Mann geht schneller. Vielleicht werde ich ihn los. Hastig wendet er sich. Die dunkle Gestalt hat sich an seine Fersen geheftet. Das macht ihm Angst. Er fängt an zu rennen. Das Dunkle mit. Der Mann rennt und rennt und rennt. Bis er zusammen bricht. Die Panik im Herzen. Die dunklen Umrisse liegen neben ihm am Boden. Es ist sein Schatten. In seiner Angst war er gar nicht auf die Idee gekommen.

So geht‘s: Ihr seid zur Freiheit berufen! Allerdings nicht zu einer Freiheit, die nur den Vorwand liefert für eure irdische Gesinnung. Dient euch vielmehr gegenseitig in Liebe (Galater 5,13).

Pastorin Ina Brinkmann, Kirchengemeinde Büsum

 

#hoffnunghamstern 16. April 2020

Freiheitsgedanken

Viel zu selten sitze ich hier in der Sonne. Auf dem alten Gartenstuhl von Ikea, der wirklich schon bessere Tage gesehen hat. Schrauben fehlen und das Holz hat so manchen Winter draußen verbracht. Das verrät die unübersehbar gräulich gefleckte Farbe, die es inzwischen angenommen hat.

Und doch sitzt es sich gut, hier in der geschützten Ecke. Der kalte Ostwind verliert im Schutz der Hauswand gegen die stetig zunehmende Wärme der Sonne. Ebenso wie gerade all die Dinge, die noch erledigt werden wollen, gegen den Moment verlieren.

Freiheit ist ein wunderbares Geschenk. Manchmal schmeckt sie nach Kaffee und Zigarette, manchmal kribbelt sie wie der freie Fall in der Achterbahn. Manchmal fehlt sie. Und manchmal verdunkelt sie zunehmend, begraben unter der eigenen Unaufrichtigkeit.

Sie kommt leider nicht ohne Probleme daher. Aber ihr Wozu bleibt immer die Möglichkeit. Die Möglichkeit des Moments. Die Möglichkeit, hin und wieder einfach nur da zu sein. Die Möglichkeit des Menschseins. Vor der Welt, vor Gott. Auf einem klapprigen Gartenstuhl in der Sonne.

Pastor Helge Jörgensen, Kirchengemeinde Albersdorf

 

#hoffnunghamstern 15. April 2020

Flügelschlag

In den vergangenen drei Wochen war ich fast nur zuhause. Wie heute. Es ist warm draußen. Ich sitze auf der Terasse. Da steht auch noch unser Vogelhäuschen. Meine Frau besteht darauf. Wir gehören also zu den „Spätfütterern“.

Ich sitze, bedenke die Dinge des Tages - Kohlmeise kommt, pickt ein paar Körnchen und fliegt wieder davon. So viel Feines und Zerbrechliches ist doch in den Seelen der Menschen - Amsel hüpft der Futterstelle entgegen. Wie kurz sind meine Wege jetzt, und wie kurzfristig kann ich nur planen. Aber wie überraschend sind so manche Lebenszeichen, die mich von ferne in diesen Wochen erreichen - Feldsperling. Ich schaue genauer hin, höre aufmerksamer zu. Manches ist schmerzhaft, wenn ich an die denke, die ich nun nicht als Seelsorger besuchen kann - Rotkehlchen bleibt zwei Armlängen entfernt sitzen.

Ich merke, was mir in diesen Wochen am wichtigsten ist. Und das tue ich auch. Ich nehme mir Zeit dafür - Buchfink wandert kopfüber dem hängenden Futterbällchen entgegen. Meine Gedanken werden zu Sorgen, wenn ich an unsere Freunde in Brasilien denke. Mich erreichen ihre Gebete und ich schließe sie in mein Gebet mit ein - Grünfink.

Ich weiß, es wird wieder anders werden, aber es wird keine Rückkehr in die alte, die gewohnte Zeit sein. In der Bibel heißt es: „Gott, meine Zeit steht in deinen Händen“, Psalm 31,16 - Eichhörnchen.

Pastor Rüdiger Burzeya, Kirchengemeinde Tellingstedt

 

#hoffnunghamstern 14. April 2020

Mutige Hanna

„Bete mal für Hanna. Sie sitzt hier zuhause, heult und will nicht in die Schule.“ Es war an einem Morgen in der Zeit kurz vor Corona, als mich diese Nachricht meiner Schwester erreichte. Als die Kinder noch in die Schule gingen. Ich saß gerade im Wartezimmer eines Arztes. Still betete ich für mein Patenkind. Dazu fiel mir ein Lied ein, dass ich schon oft mit meinen Schülerinnen und Schülern in der Grundschule gesungen habe: „Sei mutig und stark und fürchte dich nicht, denn der Herr, dein Gott ist bei dir.“ Ich suchte in meinem Handy nach diesem Lied und schickte es noch schnell hinterher.

Nützte es etwas? Hanna ging an diesem Tag nicht in die Schule. Am nächsten auch nicht. Aber am dritten Tag schaffte sie es und war stolz. Und dann schloss die Schule. Nun kann Hanna wochenlang Mut sammeln und ihren Krafttank füllen.

Kraft und Mut sammeln in einer Zeit, die unsicher ist, mit Entbehrungen einhergeht und mit Sorgen. Mir hilft in solchen Zeiten der Vers aus Josua 1,9, der in dem Kinderlied vertont ist: „Sei mutig und entschlossen! Lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst! Denn ich, der Herr, dein Gott, stehe dir bei, wohin du auch gehst.“ Die Angst verschwindet nicht unbedingt sofort, aber Gott, der uns beisteht, an unserer Seite zu wissen, kann Mut geben auch für schwere Wege.

Pastorin Esther Reininghaus-Cremers, Kirchengemeinde Meldorf

 

#hoffnunghamstern 9. April 2020

Wie wäre es mit dem Schwarzbrot?

Wenn ich beim Bäcker Brot besorge, dann habe ich die Qual der Wahl. Weißbrot, Mehrkornbrot oder vielleicht doch lieber die leckeren zwei Stücke Kuchen? Manchmal aber ist mein Lieblingsbrot nicht da. „Wie wär’s mit dem Schwarzbrot?“, werde ich gefragt. Das Schwarzbrot enthält fünfmal so viele Ballaststoffe wie Weißbrot, es ist besser verträglich und bietet eine Vielfalt an Vitalstoffen, man muss halt nur länger kauen.

Die nächsten 48 Stunden sind für uns Christen so etwas, wie das Schwarzbrot. In diesem Brot liegen Einsamkeit und Hoffnung, Liebe und Angst, Tod und Leben dicht beieinander. Für viele ist der Weg, den Jesus bis zum Kreuz geht, schwer zu verdauen.

Doch gleichzeitig ist er das Schwarzbrot für unsere Seele. Jesus zeigt uns: „Ich gebe alles für dich hin. Ich gehe in die Isolation, damit du nicht länger isoliert sein musst. Meine Liebe zeigt sich in dem Schwarzbrot, das ich dir anbiete.“ „Wer dieses Brot isst, wird für immer leben.“ (Johannes 6, 58c)

Pastor Benjamin Pohlmann, Kirchengemeinde Meldorf

 

#hoffnunghamstern 8. April 2020

Basta!

Viele wälzen sich in dieser Zeit nachts von einer Seite auf die andere. Der Kopf ist voll und das Herz ist schwer. Die Gedanken wirbeln herum.

Manchmal hilft es zu lesen…oder Radio zu hören, um Ablenkung und Ruhe zu finden. Manchmal hilft ein guter Text, ein stilles Gebet oder ein Lied, das wir schon lange kennen. Ein vertontes Gebet heißt „Nada te turbe“. Es ist von Theresa von Avila, einer spanischen Mystikerin im 16.Jahrhundert. „Nada te turbe“, das bedeutet: „Nichts soll Dich beunruhigen“.

Ich mag das Lied sehr. In der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé wird es als Abendlied gesungen. Die Melodie beruhigt. Wie ein Wiegenlied, das Eltern liebevoll ihrem Kind vorsingen. Die Gedanken kommen zur Ruhe. Vertrauen und Geborgenheit entstehen. Nada te turbe – nichts soll dich beunruhigen. Nada t‘ espante – nichts soll dich schrecken. Quien a Dios tiene nada le falta – wer Gott hat, dem fehlt nichts. Solo Dios basta – Gott allein genügt.

Basta, das heißt: Jetzt, aber! Gut ist! Gott allein reicht!

Nichts möge Sie beunruhigen – nichts möge Sie schrecken. Lassen Sie uns gemeinsam durch die kommende Zeit gehen, verbunden im Vertrauen auf Gott, gestärkt durch Trost aus alten Liedern oder Mutmach-Worten. Seien Sie behütet!

Pastorin Maike Engelkes, Kirchengemeinden Windbergen-Gudendorf und Marne

 

#hoffnunghamstern 7. April 2020

Diese Tage sind ganz anders

„Diese Tage sind ganz anders“, erzählte mir eine Mutter, als ich ihr am Telefon sagte, dass die Konfirmationen verschoben werden müssten.

„Endlich leben wir als Familie so, wie wir uns das eigentlich immer vorgestellt haben: zusammen. Wir essen gemeinsam und haben viel mehr Zeit füreinander. Mein Mann arbeitet im Homeoffice. Er ist da und kann, wenn etwas Dringendes vorliegt, schnell reagieren. Ich mag das irgendwie gar nicht sagen – aber ich bin gerade total dankbar."

Im ersten Moment war ich perplex. Ich musste mit meinem Anruf doch auf den Mangel und die Unsicherheit verweisen und ein wichtiges familiäres Ereignis in eine ungewisse Zukunft aufschieben! Ganz anders, als ich es erwartet hatte, verlief dieses Gespräch.

Im Anschluss musste ich an die Erzählung aus dem Alten Testament von Josef denken. Er wurde von seinen Brüdern als Sklave verkauft und doch ließ Gott diese Geschichte gut ausgehen. Gott hilft uns in schweren Zeiten, doch oft ganz anders als wir es erwarten.

Ich habe die Hoffnung, dass wir in diesen Zeiten spüren, dass Gott es gut mit uns meint und wir sagen können: Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch (Psalm 68,20).

Pastor Benjamin Thom, Kirchengemeinden Weddingstedt und Hennstedt

 

#hoffnunghamstern 6. April 2020

Vogel in der Nacht

Bei uns in Hennstedt brennen vor vielen Häusern Kerzen – manchmal die ganze Nacht hindurch. Eine schöne Idee unserer Bürgermeisterin: Kerzen als Zeichen des Innehaltens und der Solidarität: „Wir sind zu Hause, keiner ist auf sich allein gestellt!“

Licht ist für viele von uns ein Symbol der Hoffnung: Das Leben hat eine Zukunft. Die Mitte der Nacht ist immer auch der Anfang eines neuen Tages. In China heißt es unter Christen: Der Glaube sei wie ein Vogel, der mitten in der Nacht zu singen beginnt. Daran denke ich, wenn ich die Kerzen vor den Häusern sehe. Daran denke ich, wenn ich bei geöffnetem Fenster schlafe und frühmorgens den ersten Vogel singen höre, erst einen, dann immer mehr. Vögel, die uns einen neuen Morgen, einen neuen Tag, eine neue Zukunft ankündigen.

Was ist es gerade in dieser Zeit für ein Geschenk, in Dithmarschen zu leben, wenn auch mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit. Die Natur und die bezaubernde Landschaft laden uns ein, an eine gute Zukunft in Solidarität und Achtsamkeit zu glauben – gerade dann, wenn sich in uns die Dunkelheit auszubreiten droht. Gottes Botschaft: „Ich will das dunkle Gestern in ein helles Morgen verwandeln!“

Pastor Thomas Rust, Kirchengemeinde Hennstedt

 

#hoffnunghamstern 3. April 2020

Soziale Medien können auch wärmen

„Gott möge uns schützen, davon bin ich total überzeugt.“ So las ich dieser Tage in einem örtlichen „Chatroom“. Und an anderer Stelle: „Wir beten für alle. Unsere Kerze leuchtet vor der Tür.“ Noch viele weitere Einträge in sozialen Medien wärmen mein Gemüt. Ist diese unsere Gesellschaft vielleicht doch gar nicht so kalt und gottlos, wie mancherorts behauptet wird? Der Ton scheint sich in der digitalen Welt geändert zu haben. Und ermutigende Glaubenssätze scheinen leichter zu fallen. Sie brauchen wir auch – in dieser Zeit noch mehr als sonst.

Wie schön kann es werden, wenn uns auch künftig solche gegenseitigen Bekenntnisse begleiten, stärken – auch nach der Pandemie! Ich freue mich schon darauf, wie wir dann in vielfältiger Weise Gott danken, dass Er uns die Kraft gegeben hat, dieses finstere Tal durchzustehen. Wie es in der Losung für den heutigen Tag heißt: Wohl dem Volk, das jauchzen kann! HERR, sie werden im Licht deines Antlitzes wandeln.

Pastor Harald Meyenburg, Wesselburen / Neuenkirchen

 

#hoffnunghamstern 2. April 2020

Nachbarschaftshilfe

Franziska wohnte nebenan. Tante Hitta, alle Welt nannte sie so, war alt, und sie lebte allein. Doch einsam war sie keineswegs. Das ganze Dorf kehrte bei ihr ein. Tante Hitta sorgte schon dafür.

„Brauchst du was?“ fragte Emmi übern Zaun. Man muss dieser alten Frau doch mal helfen. Sie hat ja sonst niemanden, die Arme. „Kannst du mir ein Viertelpfund Tilsiter mitbringen? Aber den scharfen!“, war Hittas Antwort. „

Brugst du wat? Ik goa taun Schlachter?“, fragte Lieschen von der anderen Seite und meinte aber: Endlich mal raus. Weg vom Franz, dem nie was recht war. Hitta konnte wenigstens Danke sagen. „Kuns mi van düsse Mettwost hoalen!“ Lieschen radelte zufrieden los.

Anna hüpfte an Hittas Mauer vorbei. „Soll ich dir was mitbringen? Ich soll zu Meiers. Milch holen.“ Hitta reichte dem Mädchen die Milchkanne übers Tor. „Ja, aber nur halb voll.“ Anna lächelte. So fühlte sich doch die Pflicht gleich viel besser an.

Als Tilsiter und Mettwurst manierlich auf dem Wachstuch lagen, die Milchkanne daneben, blickte Hitta still und zufrieden aus ihrem Fenster. Wie glücklich doch die Drei gewesen waren, als sie hier mit ihr einen Schwatz gehalten hatten. „Geben ist eben doch seliger als nehmen*“, seufzte Hitta und räumte alles in die Speisekammer. (*Apg 20, 33)

Pastorin Ina Brinkmann, Büsum

 

#hoffnunghamstern 1. April 2020

Berührt

Ich bin ein Mensch, der gerne in Kontakt kommt – und das meine ich im doppelten Sinn: Zum einen habe ich es allgemein gerne mit unterschiedlichsten Menschen zu tun, als Pastor, aber auch im Privaten. Und zum anderen nehme ich dabei beispielsweise gerne auch mal – wenn angebracht – tröstend oder freundschaftlich in den Arm, klopfe freundlich-aufmunternd auf die Schulter oder lege jemandem segnend die Hand auf. All das muss gerade in diesen Corona-Zeiten pausieren.

Und trotzdem: Auch wenn es derzeit eine Fastenzeit persönlicher bzw. körperlicher Nähe gibt, so erlebe ich eine Hoch-Zeit an täglicher Berührung – Sie vielleicht auch?

Ich jedenfalls werde und bin berührt von all dem großen Engagement Unzähliger an unterschiedlichsten Stellen und Orten.

Ich werde und bin berührt von Menschen, die in erster Reihe Verantwortung übernehmen, koordinieren und organisieren und von Menschen, die als stille Heldinnen und Helden im Hintergrund so viel Gutes tun und bewegen.

Ich werde und bin berührt von den vielen kleinen Gesten der Hilfsbereitschaft, Anteilnahme und Solidarität, die aus großen Herzen erwachsen.

Ich werde und bin berührt.

Gott sei Dank! Und Ihnen und Dir sei Dank!

Pastor Daniel Cremers, Meldorf

 

#hoffnunghamstern 31. März 2020

Aufblühen statt eingehen!

Es ist Frühling. Laut höre ich den Gesang der Vögel vor meinem Fenster. Die Frühblüher strecken ihre Köpfe aus der Erde. Im Sonnenlicht blühen sie auf. Seit Tagen scheint die Sonne. Am Anfang fand ich die Sonne unverschämt. So schönes Wetter und ich kann nur ohne Freunde nach draußen. Nein, dachte ich, für mich ist der Sonnenschein bestimmt nicht gedacht!

Da fiel mir ein Text von Susanne Niemeyer ein: „Doch“, widerspricht der Engel. „Gerade für dich. Leg dich hinein.“ Es ist warm in der Sonne. „Wie in einem Gewächshaus.“ Denke ich. Der Engel nickt. „Damit du wieder aufblühst.“ Und so lege ich mich ein wenig in die Sonne. Auf dem Balkon. Im Garten. Hinter einer Fensterscheibe. Damit ich nicht eingehe, sondern aufblühe.

So, wie die Blumen ihre Köpfe der Sonne entgegenstrecken, so will ich mich dem Licht Gottes entgegenstrecken. „Denn Gott ist für uns Sonne und Schutz. Er schenkt uns Gnade und Ehre. Gott wird denen nichts Gutes vorenthalten, die tun, was recht ist.“ (Ps 84,12)

In Gottes Liebe kann ich aufblühen. Lassen Sie die Sonne in ihr Herz und bleiben Sie behütet.

Diakonin Angelika Michelly, Urlauberseelsorge Büsum

 

#hoffnunghamstern 30. März 2020

Ganz neue Zeitfenster

Zum Geburtstag habe ich einen hübschen Karton mit 100 Postkarten geschenkt bekommen. Ich habe mich sehr gefreut und gedacht: Jetzt habe ich einen Vorrat für Jahre!

Aber wenn man niemanden besuchen darf, wenn Feste und vereinbarte Treffen abgesagt werden, wenn man zu Hause bleiben muss, gibt es ganz neue Zeitfenster. Der Karton lacht mich an. 92 Karten habe ich noch.

Kartengrüße und Briefe sind etwas Schönes. Vielleicht bleibt auch ein wenig Zeit, die Mutmachbriefe in der Bibel aufzuschlagen. Darin stehen viele Sätze, die gerne für die Taufe, die Konfirmation, die Trauung als Mutmacher ausgesucht werden. Vielleicht lässt sich auch was finden für die aktuelle persönliche Lage. Zu den beliebtesten Bibelworten gehört dies aus dem 1. Korintherbrief: Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Glaube, Hoffnung und Liebe helfen uns auch jetzt dabei, getrost und unverzagt zu sein, zu werden, zu bleiben.

Und zum Schluss noch dies: (gefunden in einem Lied von Gerhard Schöne):
„Das weite All, der Schneekristall, der blasse Stern über mir… die kleinen Sonnen im Tau, die laue Luft… Gesang von irgendwoher…… sind Liebesbriefe von Gott.“

Marlies Rattay, Pastorin in St. Annen und Schlichting

 

#hoffnunghamstern 27. März 2020

„Hältst Du es noch aus?“

Montag, früher Abend. Ich marschiere durch ein Wohngebiet, immer den Sonnenstrahlen entgegen. In der Ferne rasenmäht es fleißig. Man lächelt sich zu. Ab und an umkreist mich eine schwerfällige Hummel. Gibt es ein schöneres Geräusch als das Hummelbrummen? Wie ein in die Jahre gekommenes Flugzeug aus den 20er Jahren klingt es.

Laute Stimmen unterbrechen meine Gedanken. Zwei Kinder unterhalten sich aus den geöffneten Dachkippfenstern Ihrer Zimmer heraus und über die Straße hinweg. Sie haben es sich an ihren Fensterbänken gemütlich gemacht. Nachbarskinder, die gewöhnlich miteinander auf dem Spielplatz toben, haben es nicht leicht diese Tage. Aber unterkriegen lassen sie sich zum Glück nicht. „Was hast Du heute gemacht?“, ruft die eine, schon sehr heisere Stimme. Und weil ich die Antwort nicht verpassen will, verlangsame ich meinen Schritt.

Was nun folgt, ist eine Aufzählung. Sie zeigen sich irgendwelche gebastelten Figuren. Man könne sich ja immer zuwinken, wird beschlossen. „Hältst Du es noch aus?“, ist die letzte Frage, die ich höre. Dann bin ich vorbei. Schade.

„Hältst Du es noch aus?“ Ich denke schon. Mindestens, solange ich jemanden habe, der mir diese Frage stellt.

„Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.“ Römer 12,12

Sandra Ruge-Tolksdorf, Pastorin in Brunsbüttel

 

#hoffnunghamstern 26. März 2020

Zusammenhalt

Die Schule ist dicht. Die Inseln sind dicht. IKEA ist dicht. Alles ist verwirrend anders und ich muss es erst begreifen, was ausfallen muss an Aufgaben und Dienstbesprechungen. Und was ausfallen wird an Urlaubsplänen und Familienbesuchen.

Die Ansteckungszahlen wachsen - ziemlich schnell sogar! Und die Ängstlichkeit wächst mit. Werde ich es auch bekommen? Oder jemand von meinen Lieben? Werde ich jemanden anderes anstecken? Bitte nicht, Gott.

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern die Geisteskraft der Liebe und Besonnenheit.“

Mir fällt nicht ständig ein Bibelwort ein, aber dieses trifft es grad ziemlich. Denn was jetzt dran ist, ist ein Auge und Ohr für die Schwächeren und der Gedanke, wie kann man der berufstätigen Mutter helfen. Dran ist die besonnene Vorsicht, niemandem zu nahe zu treten, und die gelassene Freude, dass es trotzdem spürbar Frühling wird.

Und ein DANKE ist dran! An alle, die uns in ihren Berufen jetzt weiterhelfen. Nicht dran ist das Horten von Klopapier – warum eigentlich grad das? Oder der Hamsterkauf von Mehl - Hauptsache ich. Und Fake-News, die Angst machen sollen, machen mich sauer.

In der Krise werden wir sichtbarer. In dem, was wir sind; in dem, was uns ausmacht. Und es macht für alle etwas aus, wenn wir zusammenhalten.

Pastorin Friederike Ohm

 

 

#hoffnunghamstern 25. März 2020

Fürchte dich nicht!

Genau 365 Mal steht in der Bibel der Zuspruch „Fürchte dich nicht!“, für jeden Tag des Jahres. Wie ein roter Faden zieht er sich durch die ganze Bibel: Abraham hört ihn, als er in hohem Alter in die Fremde aufbricht, genauso wie Hagar, deren Sohn im Sterben liegt. Der Engel sagt ihn Maria bei der Ankündigung von Jesu Geburt, und den Frauen am Grab in der Osternacht erklingt er.

Offenbar weiß die Bibel ganz genau, dass wir diesen Zuspruch immer wieder brauchen. Das gilt auch in der gegenwärtigen Corona-Krise. Gegen die Angst braucht es jetzt klare Gegenworte. „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2 Timotheus 1,7) Nicht Hysterie und Verzweiflung (und erst recht kein Egoismus), sondern besonnenes und beherztes Handeln zum Wohle aller unserer Nächsten, das ist das Gebot der Stunde. In Sorge füreinander tragen wir das Unsere dazu bei, dass die Ausbreitung des Virus verhindert wird, damit Ältere und Schwächere vor Ansteckung geschützt und Betroffene auch weiterhin medizinisch versorgt werden. Gottes „Mutmach-Geist“ begleitet uns dabei und ruft uns zu: „Fürchte dich nicht!“ Davon will ich mich gerne anstecken lassen an jedem neuen Tag.

Michael Warnck, Prädikant in Meldorf

 

#hoffnunghamstern 24. März 2020

Zukunft, die gut sein wird

Ein Spaziergang an der Küste.

Der Mensch und das Meer. Ein Land an der See, untrennbar mit ihr verbunden.

Nicht alle trauen ihr freimütig über den Weg. Anderen bedeutet sie die Welt. Sie ist Ruhe und Geborgenheit, fordert heraus und schenkt Freiheit. An ihrem Ufer meine ich der Unendlichkeit zu begegnen.

An manchen Tagen liegt sie einfach da, blau-grünlich schimmernd in der Sonne, und alles scheint still zu stehen. An anderen Tagen brechen nicht weit von hier hohe Wellen, weiß schäumend vor unbändiger Kraft, angetrieben von kräftigem Wind.

Die Welt hat Macht über uns. Macht wie die Wassermassen brechender Wellen und ich werde ohnmächtig hin und her geworfen. „Mächtiger als das Tosen großer Wasser, mächtiger als die Wellen des Meeres ist Gott in der Höhe“, heißt es im 93. Psalm.

Gottvertrauen ist nicht aus der Zeit gefallen, denn es birgt die Zukunft in sich. Zukunft, die gut sein wird. Zukunft, die Gott garantiert.

Er, der mächtiger ist als die tosenden Wellen der Welt.

Pastor Helge Jörgensen, Albersdorf

 

 

 

#hoffnunghamstern 21. März 2020

Seid jetzt schlauer, nicht hinterher!

Wenn alles vorbei ist, werden wir schlauer sein. Dann wissen wir, ob wir die Kurve gekriegt haben. Ob wir „glimpflich“ getroffen wurden. Und wer nicht. Dann wird auch der letzte Ignorant kapiert haben, dass man einer solchen Bedrohung nicht mit Zögerlichkeit, Partys oder Lähmung begegnen kann. Sondern nur mit konsequent umgesetzter Solidarität. Mit Schwarmintelligenz. In dieser Krise, die man nicht üben konnte, ist nicht einer der Steuermann, sondern jeder!

Wenn alles vorbei ist, wird der Wert des Selbstverständlichen gestiegen sein. Soziale Kontakte werden wir neu lieben gelernt haben, die unbefangene Nähe zu Menschen, die freundliche Umarmung. Wir werden gelernt haben, wie wertvoll doch ein Abschied ist, bei dem das halbe Dorf trauernd am Grab stehen darf und nicht nur eine verlorene Handvoll. Und wie tröstend eine offene alte Kirche ist, in der man sich wieder versammeln kann wie seit Urzeiten. Wir werden froh sein über ein Westküstenklinikum und große Dankbarkeit gelernt haben für die Kunst und Leidenschaft von Ärzten und Krankenschwestern und Pflegern. Ein Segen, dass es diese Menschen gibt!

Unsere Hochachtung wird dem beherzten Handeln des Landrats und seinem Team gehören, und den Ämtern, der Polizei, den Rettungskräften, so vielen stillen Heldinnen und Helden. Und wir werden dann wissen, dass wir sie stärker hätten unterstützen müssen durch verändertes Verhalten.

Wir werden auch merken, dass wir konsequenter hätten regional einkaufen können, dass wir uns ja auch mal was vom Lieblingsrestaurant hätten schicken lassen können oder vom Buchladen nebenan. Dass wir die Schwächsten nicht hätten vergessen dürfen und auch nicht die ohne eine geregelte Lohnfortzahlung. Und dass wir verantwortungsvoller die Risikogruppen hätten schützen müssen - vor unserem eigenen Verhalten.

Wir werden gelernt haben, dass sich tatsächlich in der Krise der Charakter zeigt.

Um Gottes willen, seid jetzt schlauer, nicht hinterher!

Dr. Andreas Crystall, Propst in Dithmarschen

 

#hoffnunghamstern 20. März 2020

Hamstern Sie mit?

Hamsterkäufe - eines der vielen Themen der letzten Tage. Mal gucken: Klopapier (ein Paket!) habe ich glücklicherweise letzte Woche schon gekauft. Nudeln liegen immer ‘mal wieder im Supermarktregal. Mehl brauche ich nicht, denn warum sollte ich jetzt auf einmal mit dem Backen anfangen?

Also lasse ich das Hamstern. Ich gebe zu, es fällt nicht immer leicht.

Und dann das: #hoffnunghamstern.

Neugierig geworden gebe ich #hoffnunghamstern als Suchbegriff ein und finde: Bilder von brennenden Kerzen, den Vorschlag, „Der Mond ist aufgegangen“ zu singen, das Bild eines Küstensteins mit der Aufschrift „Gesundheit“, den Psalm 23 auf den Stufen vor einer Kirche mit Kreide geschrieben und so vieles mehr.

Lauter Hoffnungszeichen in dieser unsicheren Zeit von Menschen, die voller Zuversicht den kommenden Wochen mit ihren Herausforderungen entgegensehen.

„Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet“, schreibt Paulus schon vor 2000 Jahren an seine Gemeinde in Rom. Und diesen einen Satz sage ich mir, wenn ich mit meinen Bildern, Texten und Ideen beizutragen versuche, dass immer mehr Menschen beim #hoffnunghamstern mitmachen oder wenn ich wieder neue Ideen sehe, wie Hoffnung gehamstert werden kann.

Pastorin Tanja Sievers, Kirchengemeinde Heide