Burg – Mit dem Ansgarkreuz zeichnet die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) Gemeindemitglieder aus, die sich mit großem persönlichen Einsatz ehrenamtlich engagieren. Wenn Isabel Pohl (55) am kommenden Sonntag (11. November) von Dithmarschens stellvertretender Pröpstin Astrid Buchin in Burg mit dem Ansgarkreuz ausgezeichnet wird, dann nimmt sie diese hohe Ehre zum einen in Dankbarkeit entgegen, zum anderen stellvertretend für den Gospelchor Burg, den sie seit fast 15 Jahren leitet.

Dankbarkeit deswegen, „weil ich dies alles ohne die enorme Unterstützung meines Ehemannes und auch meiner Schwiegermutter nicht hätte schaffen können“, wie sie sagt. Und verdient haben diese Ehre auch die Mitglieder ihres Gospelchores: „Das Miteinander im Chor ist das Größte. Das gibt Kraft, auch in schwierigen Zeiten“, weiß Isabel Pohl.

Als sie 1992 gemeinsam mit ihrem Ehemann nach Burg gezogen war, fand sie ihre musikalische Heimat schnell als Mitwirkende im Burger Petrichor. 2002 gründete der damalige Pastor Volker Struve den Burger Gospelchor und schlug damit einen moderneren Weg ein. Isabel Pohl, die mit ihrer Familie von 1999 bis 2002 im Rheinland gelebt hatte, stieg dann nach ihrer Rückkehr nach Dithmarschen in den neuen Gospelchor ein. 2004 verließ Pastor Struve die Gemeinde – und es wurde eine neue Chorleitung gesucht. „Ich wurde gefragt und habe das übergangsweise übernommen. Bis nun fast 15 Jahre daraus geworden sind“, berichtet Isabel Pohl mit einem Schmunzeln. Das sei nicht immer leicht gewesen, „und eigentlich war ich auch schüchtern und wollte nie als Chorleiterin vorne stehen – doch an diesen Aufgaben bin ich auch gewachsen“. Gelernte Musikerin sei sie, die nach ihrer Schulzeit Geografie in Bochum studiert hatte, zwar nicht. „Aber ich habe vieles ausprobiert, habe dazu gelernt, mir vieles angeeignet – und das tolle Feedback auf die Chorarbeit hat mich darin bestätigt, diesen Weg über die Jahre weiterzugehen“, sagt sie.

Einmal wöchentlich probt der Chor im Gemeindehaus, und von den 40 Mitgliedern zwischen 18 und 80 Jahren seien immer 20 bis 25 Sängerinnen und Sänger da. „Ich finde es toll, dass wir mit dem Chor innerhalb der Kirchengemeinde ein Zuhause haben und zur Kirchenfamilie gehören“, schätzt die 55-Jährige diese enge Verbindung sehr. So sieht sie den Chor als festen Bestandteil der Gemeinde und auch sich selbst als „Teil des Ganzen“ – wenn sie für ihre Arbeit nun das Ansgarkreuz überreicht bekomme, stehe dies „wirklich stellvertretend für unser starkes Miteinander und jeden einzelnen, der bei uns mitsingt und mitwirkt“.

Neben der Leitung des Gospelchores hat Isabel Pohl sich zudem einige Zeit in der Arbeit mit Flüchtlingen engagiert. Sie half in Zeiten, als Pegida stark wurde, das Konzert „Aufstehen – aufeinander zugehen“ auf die Beine zu stellen. Begleitete Flüchtlinge zu Arztterminen, bei Behördengängen, in schwierigen Phasen. Nahm sie in ihren Chor mit auf, und sei es, um sie an die deutsche Sprache zu gewöhnen. Rührend, dass eine junge Frau aus Syrien ihrer in Dithmarschen geborenen Tochter den Vornamen Isabel gab. Aus größter Verbundenheit und Dankbarkeit für Unterstützung und Begleitung.

„Für all das bin ich selbst ausgesprochen dankbar“, resümiert Isabel Pohl. Für die Möglichkeit, dass sie ohne Einschränkungen für ihre Kinder Julia und Tobias (heute 21 und 23 Jahre alt) da sein konnte. Für die spätere familiäre Unterstützung, ohne die ehrenamtliche Arbeit nicht realisierbar wäre. Und für die Einbindung in der Kirche und für die Gemeinschaft im Gospelchor. So sieht sie auch dem kommenden Sonntag vor allem in Dankbarkeit entgegen – ein bisschen aufgeregt und gespannt vielleicht, aber in Vorfreude auf ihre Familie aus nah und fern sowie viele liebe Menschen um sie herum.


  • Der Gottesdienst am Sonntag, 11. November, in der Petrikirche Burg (Am Markt 7) beginnt um 10 Uhr.