Dithmarschen – Das macht schon was her, wenn 200 Sängerinnen und Sänger ihre Stimmen erklingen lassen, das ist Gänsehaut pur. Am Sonntag, 25. Juni, wird das in Meldorf so sein: Die sechs hauptamtlich geleiteten Kantoreien Dithmarschens laden ein zum Konzert. Jubilate!, ist das Thema, Lobet!

Anlass für dieses besondere Projekt ist das Reformationsjubiläum, der 25. Juni ist der Gedenktag der Augsburger Konfession. „Das Lied und das Singen wurden unter Luther professionalisiert“, erklärt dazu Kirchenmusikdirektor Paul Nancekievill aus Meldorf. Luther schrieb Lieder und wollte die Gemeinde zum Singen befähigen, weil er der festen Überzeugung war, dass Musik den Glauben im Herzen wecken kann. Dabei sei ihre Sprache immer überkonfessionell gewesen, betont Nancekievill. Komponisten wie Mozart und Vivaldi seien bei evangelischen Musikern ebenso beliebt gewesen, wie Bach oder Brahms bei den katholischen.

Das Konzert ist wie ein Gottesdienst aufgebaut: Es beginnt mit Psalm und Gesang. „Nun freut euch, liebe Christen gemein‘“ – da singt dann die Gemeinde in guter lutherischer Manier mit. Dann kommt das Kyrie von Umas Sisak, Mendelssohns „Richte mich Gott“ gefolgt von Gloria und Gebet von Reger, Mindner und Bruch. Vor einer kleinen Ansprache von stellvertretender Pröpstin Astrid Buchin steht das „Triptychon“ von Peter Heeren, ein Werk, das dieser eigens für diesen Anlass komponiert hat und das in drei Teile gegliedert ist, wie ein Altar mit Seitenflügeln. In der Mitte steht die Leidensgeschichte Heinrichs von Zütphens. Dieses komplexe Werk wird die Kantorei Marne vortragen, unterstützt von der Kantorei Poppenbüttel. „Es ist ein modernes Stück, das durchaus auch kritisch mit Kirche umgeht“, erklärt Paul Nancekievill. „Das Triptychon spiegelt die Pluralität und Zerrissenheit unserer westlichen Welt wider, deren momentane ideelle Verfassung in nicht unerheblichem Maße auf Martin Luthers Thesen aus 1517 basiert“, heißt es auf der Webseite von Peter Heeren. Werke von Edvard Grieg, Peter Tschaikowski und César Franck folgen. Den Abschluss macht Felix Mendelssohn-Bartholdy mit „Verleih uns Frieden gnädiglich.

Abgesehen vom Triptychon singen die Chöre aus Hennstedt, Büsum-Wesselburen, Heide, Brunsbüttel, Marne und Meldorf gemeinsam, die jeweiligen Chorleiter – Kent Pegler von Thun, Gunnar Sundebo, Sebastian Schwarze-Wunderlich, Agnes Farkas, Peter Heeren und Paul Nancekievill – dirigieren abwechselnd. Ein Auswahlensemble der Dithmarscher Posaunenchöre ist ebenfalls dabei, Samuel Nauck aus Hamburg spielt die Orgel. Und Paul Nancekievills Augen leuchten, wenn er von der Musik erzählt: Sie bringe unter anderem alte Themen und Texte zu Gehör und zu den Herzen, die sonst in der heutigen Zeit kaum mehr vermittel- und verstehbar seien. Nancekievill freut sich auf das Konzert und auf die Gemeinschaft der Chöre. „Das ist eine wunderschöne Aufgabe für mich und für die Kollegen.“

Das Konzert beginnt am Sonntag, 25. Juni, um 17 Uhr im Meldorfer Dom. Der Eintritt ist frei.

Vortrag von Sebastian Schwarze-Wunderlich über Reformation und Musik anlässlich der Heider Nacht der Kirchen