Büsum – Die Synode des Kirchenkreises Dithmarschen hat heute in Büsum einstimmig ein umfangreiches Beteiligungsverfahren zur Entwicklung des Kirchenkreises bis zum Jahr 2030 beschlossen. In den kommenden zwei Jahren wird in den sechs Dithmarscher Kirchspielen mit Vertretern der Kirchengemeinden über die Konsequenzen des demografischen Wandels, der Mitgliederentwicklung und des Fachkräftemangels diskutiert. Dabei geht es um Gebäudestrukturen, aber auch um die bevorstehende Pensionierungswelle bei Pastorinnen und Pastoren, die vom theologischen Nachwuchs nicht aufgefangen wird: Statt der bisherigen 50 wird es im Jahr 2030 voraussichtlich nur noch 30 Vollzeitstellen in Dithmarschen geben.

Synodenpräses Sonja Keck

„Das Pastorenbild und Tätigkeitsfeld unterliegt einem stetigen Wandel“, sagte Propst Dr. Andreas Crystall zu Beginn der Diskussion. Tatsächlich seien aber 30 Pastores im Jahr 2030 in Dithmarschen „seriös nicht als Pastorenmangel zu bezeichnen“. Denn die Zahlenverhältnisse der Gemeindeglieder pro Pfarrstelle blieben im historischen Mittel, werden 2030 voraussichtlich sogar verhältnismäßig niedrig sein – bei etwa 2000 pro Pfarrstelle. Allerdings: Den Pastorinnen und Pastoren müsse wieder mehr Raum für ihre Kernkompetenzen gegeben werden – beispielsweise für Seelsorge und Gottesdienste. „Pastorenmangel wird eintreten, wenn die Gemeinden keine guten Pastorate vorhalten“, so Crystall, „keine tragfähigen Teams vorhanden sind oder die Erwartung bleibt, dass 30 dasselbe schaffen sollen, was 50 geschafft haben.“ Der Kirchenkreis Dithmarschen und seine Gemeinden müssten als Arbeitgeber attraktiv bleiben.

Propst Dr. Crystall

Bereits im Jahr 2011 wurden mit der Gründung von Kirchspielen erste Maßnahmen ergriffen, um die Kräfte zu bündeln, wie Jenny Nehrdich, zuständig für die Personal- und Organisationsentwicklung im Kirchenkreis, erläuterte. Die Gründung des Kita-Werkes (2012) habe zur Entlastung der Kirchengemeinden von Trägeraufgaben geführt, das Projekt „Gemeindemanagement“ wurde eingerichtet (2013), ein Friedhofswerk gegründet (2017). Übergemeindliche Pfarrstellen wurden abgebaut. Dennoch seien viele Herausforderungen zu meistern: „Wir werden im Jahr 2030 – insbesondere demografisch begründet – weniger Gemeindeglieder haben, und damit verbunden weniger Finanzmittel und zu viele Gebäude. Zugleich bedeuten weniger Pastorinnen und Pastoren Auswirkungen auf weitere Berufsgruppen, auf das Haupt- und das Ehrenamt.“ Daraus ergeben sich aber auch Gestaltungsmöglichkeiten: „Eingeübte Kooperationen werden vertieft, Entlastungen ermöglicht. Prioritäten werden gesetzt, die Multiprofessionalität in Teams verstärkt“, so Nehrdich. Und schließlich können sich auch Freiheiten ergeben, kirchliche Angebote neu zu konzipieren: „Das gilt beispielsweise für Gottesdienste, für Jugendarbeit und Konfirmandenunterricht.“ Notwendig sei aber auch eine Aufgabenkritik und Konzentration auf pastorale Kernkompetenzen. Ein ganzes Bündel an Themen, die in den sechs Dithmarscher Kirchspielen diskutiert werden muss. „Es wird unterschiedliche Modelle von Zusammenarbeit und Aufgabenverteilung geben“, so Nehrdich.

Torben Lüdke und Jenny Nehrdich.

„Aufgrund von demographischen Faktoren, Personalentwicklungen, zurückgehenden Mitgliederzahlen und finanziellen Unwägbarkeiten ergeben sich bis zum Jahr 2030 erhebliche Gestaltungsaufgaben“, sagt Sonja Keck, Präses der Kirchenkreissynode. „Wir haben die Entwicklung eines zukunftsfähigen Pfarrstellenstrukturplans bis spätestens Januar 2021 beschlossen. Zentrales Ziel ist die flächendeckende pastorale Versorgung des Kirchenkreises Dithmarschen bis 2030. Die Attraktivität der Pfarrstellen soll gesteigert werden. Zugleich ist ein zukunftsfähiger Pfarrhausplan zu erstellen und eine zukunftsfähige Struktur der öffentlichen Gebäude und kirchlichen Standorte zu erarbeiten.“

Noch in diesem Jahr findet in jedem Kirchspiel eine thematische Konferenz statt, die die Themen für ihre Region diskutiert. Jede Kirchengemeinde entsendet mindestens einen Vertreter. Im kommenden Jahr wird sich die Synode mit ersten Ergebnissen befassen.

Die Synode hat auch den Haushalt für 2019 beschlossen. Er sieht insgesamt leicht gestiegene Einnahmen in Höhe von 12,3 Millionen Euro vor (2018: 11,9). Die Grundzuweisung an die Gemeinden wurde um 50 Cent auf 32,50 Euro pro Gemeindeglied erhöht. Torben Lüdke, Kämmerer des Kirchenkreises: „Die Gesamtfinanzsituation des Kirchenkreises Dithmarschen ist dank der anhaltend positiven konjunkturellen Lage auch im Haushaltsjahr 2019 stabil. Allerdings sind strukturelle Maßnahmen notwendig, um auch künftig handlungsfähig zu bleiben.“ Angesichts der Mitgliederentwicklung müsse spätestens ab dem Jahr 2022 mit sinkenden Einnahmen gerechnet werden, bei rückläufiger Konjunktur sogar früher.