Dithmarschen – Es ist still geworden um die sogenannte „Flüchtlingskrise“. In den Jahren 2015 und 2016 kamen viele, viele Menschen nach Deutschland und suchten hier Schutz und Geborgenheit, die sie in ihrer Heimat nicht mehr finden konnten. Die Zeiten der dramatischen Umstände in den Erstaufnahmelagern sind vorbei – das Bemühen um Integration aber nicht.

Viktor Schmidt (64) leitet die Migrationsberatung des Kirchenkreises Dithmarschen. Die arbeitet im Stillen, weiß er, und sie arbeitet viel. „In diesem Jahr haben wir bereits 1865 Personen mit Migrationshintergrund beraten und betreut“, erzählt er, fast 6000 Beratungs-und Betreuungsgespräche seien das gewesen. Ganz am Anfang stehen Alltagsbegleitungen: Die erste Wohnung, der erste Einkauf, der erste Arztbesuch – den Neuankömmlingen ist vieles noch fremd in unserem Land. Aber dann muss es auch weitergehen: Sprachkurse, Sprachpartnerschaften, der Asylantrag, das Verfahren und zunehmend auch die Beratung, wenn Menschen nicht bleiben dürfen und in ihre Heimat zurückkehren müssen. In so belastenden Situationen ist viel Sensibilität gefragt. 17 Mitarbeitende beschäftigt das Diakonische Werk Dithmarschen (DWD) dafür – die meisten von ihnen haben selbst einen Migrationshintergrund und kennen die Probleme von Flucht und Integration aus eigener Erfahrung. Viele von ihnen sind Muslime, sie sprechen insgesamt neun verschiedene Sprachen.

Ein Problem sind und bleiben die Sprachkurse für Menschen mit einer schlechten Bleibeperspektive. Die Verfahren dauern zum Teil mehrere Jahre. In dieser Zeit haben die Geflüchteten keinen Anspruch auf diese Förderung. In Brunsbüttel, Büsum und Heide gibt es jetzt Kurse vom Diakonischen Werk, die über Spendenmittel, Kollekten und Stiftungen finanziert werden.

„Die Anforderungen haben sich verändert“, so Viktor Schmidt. Die Migrationsberatungsstelle sei die erste Anlaufstelle für Zuwanderer, Flüchtlinge und Einheimische, wenn es um Fragen von Migration und Integration gehe. „Die Migrationsberatung ist der Fachdienst, der eine wichtige Schnittstelle zwischen den Zuwanderern und der Aufnahmegesellschaft darstellt“, so Schmidt, der selbst 1993 aus Russland hierherkam. Die Arbeit geht weiter und muss weitergehen, wenn die Integration von Geflüchteten funktionieren soll. Darum wirbt Viktor Schmidt darum, dass die Ende des Jahres auslaufenden Verträge der Integrationsbetreuer mit den Ämtern verlängert werden, zumal die Aufnahmepauschalen, das hat das Land zugesichert, auch noch im Jahr 2018 gewährt werden.

Dass Integration gelingen kann, zeigen die Beispiele von Nabeel Fakhouri und Ali Tajik, die beide 2014 nach Deutschland kamen. Nabeel Fakhouri kam aus Syrien und ist inzwischen für die Asylbewerber der Stadt Heide zuständig, Ali Tajik aus Afghanistan arbeitet als Integrationsbetreuer für die Stadt Brunsbüttel. „Sie sind wie auch die anderen Mitarbeiter ein Vorbild für andere Migranten“, so Viktor Schmidt, „sie machen Mut und motivieren.“