Schleswig – Für Gothart Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein, ist das Osterfest ein Fest des Lebens und der Solidarität der Menschen untereinander – und ein Fest, das Neuanfänge ermöglicht. In seiner Osterbotschaft sagt der Bischof:

„Am Ostermorgen gehen Christinnen und Christen weltweit zu den Gräbern. Sie bringen Lichter mit und lesen Hoffnungsworte aus der Heiligen Schrift. Am Ostermorgen schallt Posaunenmusik über die Gräber unserer Friedhöfe. Denn wir lassen dem Tod nicht das letzte Wort über unser Leben. Wir setzen auf das scheinbar Unmögliche und glauben, dass Gottes Kraft größer ist als alle Gesetzmäßigkeiten dieser Erde.

Wir feiern das Osterfest, dieses Fest des Lebens, in Solidarität mit denen, die um einen Menschen trauern. Wir feiern es in Solidarität mit denen, die Angst vor dem Tod haben. Und wir feiern es ebenso in Solidarität mit denen, die Angst um ihr Leben haben.

Wir feiern es in Solidarität mit denen, die unter Einsatz ihres Lebens Menschen beistehen: In Syrien und Myanmar, im Jemen oder Nordkorea, in den USA und Mexico, im Kongo und mitten in unserem eigenen Land. Wir feiern es in Solidarität mit denen, die als Ärzte und Krankenschwestern um jedes ihnen anvertraute Leben ringen. Die als Politikerinnen und Politiker in stunden- und tagelangen Verhandlungen versuchen, Frieden für jene Regionen dieser Welt auszuhandeln, in denen die Menschen vor Ort und auch die Soldatinnen und Soldaten nur noch Schachfiguren auf dem Spielbrett unangreifbarer Herrscher zu sein scheinen.

Wir geben uns als Christinnen und Christen nicht damit zufrieden, dass die Welt ist, wie sie ist, und die Menschen, wie Menschen sind. Wir geben uns nicht damit zufrieden, dass wir selbst glauben zu wissen, wie wir sind. Weil Ostern geschehen ist, sind wir als Christenmenschen dazu aufgerufen, der Macht der Liebe und der Gewaltlosigkeit mehr zu vertrauen, sie für realer zu halten, als alles, was uns überwältigen möchte.

Gottes Blick auf uns ist das, was uns zu dem macht, was und wer wir sind, und keine anderen Beurteilungen oder Meinungen über uns selbst, nicht einmal die eigene Selbstwahrnehmung. So glauben wir daran, dass Veränderung und Umkehr möglich ist. Mit Gott glauben wir daran, dass wir neu anfangen dürfen – in unserem eigenen Leben und gemeinsam in dieser Welt.“