#hoffnunghamstern

#hoffnunghamstern 27. März 2020

„Hältst Du es noch aus?“

Montag, früher Abend. Ich marschiere durch ein Wohngebiet, immer den Sonnenstrahlen entgegen. In der Ferne rasenmäht es fleißig. Man lächelt sich zu. Ab und an umkreist mich eine schwerfällige Hummel. Gibt es ein schöneres Geräusch als das Hummelbrummen? Wie ein in die Jahre gekommenes Flugzeug aus den 20er Jahren klingt es.

Laute Stimmen unterbrechen meine Gedanken. Zwei Kinder unterhalten sich aus den geöffneten Dachkippfenstern Ihrer Zimmer heraus und über die Straße hinweg. Sie haben es sich an ihren Fensterbänken gemütlich gemacht. Nachbarskinder, die gewöhnlich miteinander auf dem Spielplatz toben, haben es nicht leicht diese Tage. Aber unterkriegen lassen sie sich zum Glück nicht. „Was hast Du heute gemacht?“, ruft die eine, schon sehr heisere Stimme. Und weil ich die Antwort nicht verpassen will, verlangsame ich meinen Schritt.

Was nun folgt, ist eine Aufzählung. Sie zeigen sich irgendwelche gebastelten Figuren. Man könne sich ja immer zuwinken, wird beschlossen. „Hältst Du es noch aus?“, ist die letzte Frage, die ich höre. Dann bin ich vorbei. Schade.

„Hältst Du es noch aus?“ Ich denke schon. Mindestens, solange ich jemanden habe, der mir diese Frage stellt.

„Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.“ Römer 12,12

Sandra Ruge-Tolksdorf, Pastorin in Brunsbüttel

 

#hoffnunghamstern 26. März 2020

Zusammenhalt

Die Schule ist dicht. Die Inseln sind dicht. IKEA ist dicht. Alles ist verwirrend anders und ich muss es erst begreifen, was ausfallen muss an Aufgaben und Dienstbesprechungen. Und was ausfallen wird an Urlaubsplänen und Familienbesuchen.

Die Ansteckungszahlen wachsen - ziemlich schnell sogar! Und die Ängstlichkeit wächst mit. Werde ich es auch bekommen? Oder jemand von meinen Lieben? Werde ich jemanden anderes anstecken? Bitte nicht, Gott.

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern die Geisteskraft der Liebe und Besonnenheit.“

Mir fällt nicht ständig ein Bibelwort ein, aber dieses trifft es grad ziemlich. Denn was jetzt dran ist, ist ein Auge und Ohr für die Schwächeren und der Gedanke, wie kann man der berufstätigen Mutter helfen. Dran ist die besonnene Vorsicht, niemandem zu nahe zu treten, und die gelassene Freude, dass es trotzdem spürbar Frühling wird.

Und ein DANKE ist dran! An alle, die uns in ihren Berufen jetzt weiterhelfen. Nicht dran ist das Horten von Klopapier – warum eigentlich grad das? Oder der Hamsterkauf von Mehl - Hauptsache ich. Und Fake-News, die Angst machen sollen, machen mich sauer.

In der Krise werden wir sichtbarer. In dem, was wir sind; in dem, was uns ausmacht. Und es macht für alle etwas aus, wenn wir zusammenhalten.

Pastorin Friederike Ohm

 

 

#hoffnunghamstern 25. März 2020

Fürchte dich nicht!

Genau 365 Mal steht in der Bibel der Zuspruch „Fürchte dich nicht!“, für jeden Tag des Jahres. Wie ein roter Faden zieht er sich durch die ganze Bibel: Abraham hört ihn, als er in hohem Alter in die Fremde aufbricht, genauso wie Hagar, deren Sohn im Sterben liegt. Der Engel sagt ihn Maria bei der Ankündigung von Jesu Geburt, und den Frauen am Grab in der Osternacht erklingt er.

Offenbar weiß die Bibel ganz genau, dass wir diesen Zuspruch immer wieder brauchen. Das gilt auch in der gegenwärtigen Corona-Krise. Gegen die Angst braucht es jetzt klare Gegenworte. „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2 Timotheus 1,7) Nicht Hysterie und Verzweiflung (und erst recht kein Egoismus), sondern besonnenes und beherztes Handeln zum Wohle aller unserer Nächsten, das ist das Gebot der Stunde. In Sorge füreinander tragen wir das Unsere dazu bei, dass die Ausbreitung des Virus verhindert wird, damit Ältere und Schwächere vor Ansteckung geschützt und Betroffene auch weiterhin medizinisch versorgt werden. Gottes „Mutmach-Geist“ begleitet uns dabei und ruft uns zu: „Fürchte dich nicht!“ Davon will ich mich gerne anstecken lassen an jedem neuen Tag.

Michael Warnck, Prädikant in Meldorf

 

#hoffnunghamstern 24. März 2020

Zukunft, die gut sein wird

Ein Spaziergang an der Küste.

Der Mensch und das Meer. Ein Land an der See, untrennbar mit ihr verbunden.

Nicht alle trauen ihr freimütig über den Weg. Anderen bedeutet sie die Welt. Sie ist Ruhe und Geborgenheit, fordert heraus und schenkt Freiheit. An ihrem Ufer meine ich der Unendlichkeit zu begegnen.

An manchen Tagen liegt sie einfach da, blau-grünlich schimmernd in der Sonne, und alles scheint still zu stehen. An anderen Tagen brechen nicht weit von hier hohe Wellen, weiß schäumend vor unbändiger Kraft, angetrieben von kräftigem Wind.

Die Welt hat Macht über uns. Macht wie die Wassermassen brechender Wellen und ich werde ohnmächtig hin und her geworfen. „Mächtiger als das Tosen großer Wasser, mächtiger als die Wellen des Meeres ist Gott in der Höhe“, heißt es im 93. Psalm.

Gottvertrauen ist nicht aus der Zeit gefallen, denn es birgt die Zukunft in sich. Zukunft, die gut sein wird. Zukunft, die Gott garantiert.

Er, der mächtiger ist als die tosenden Wellen der Welt.

Pastor Helge Jörgensen, Albersdorf

 

 

 

#hoffnunghamstern 21. März 2020

Seid jetzt schlauer, nicht hinterher!

Wenn alles vorbei ist, werden wir schlauer sein. Dann wissen wir, ob wir die Kurve gekriegt haben. Ob wir „glimpflich“ getroffen wurden. Und wer nicht. Dann wird auch der letzte Ignorant kapiert haben, dass man einer solchen Bedrohung nicht mit Zögerlichkeit, Partys oder Lähmung begegnen kann. Sondern nur mit konsequent umgesetzter Solidarität. Mit Schwarmintelligenz. In dieser Krise, die man nicht üben konnte, ist nicht einer der Steuermann, sondern jeder!

Wenn alles vorbei ist, wird der Wert des Selbstverständlichen gestiegen sein. Soziale Kontakte werden wir neu lieben gelernt haben, die unbefangene Nähe zu Menschen, die freundliche Umarmung. Wir werden gelernt haben, wie wertvoll doch ein Abschied ist, bei dem das halbe Dorf trauernd am Grab stehen darf und nicht nur eine verlorene Handvoll. Und wie tröstend eine offene alte Kirche ist, in der man sich wieder versammeln kann wie seit Urzeiten. Wir werden froh sein über ein Westküstenklinikum und große Dankbarkeit gelernt haben für die Kunst und Leidenschaft von Ärzten und Krankenschwestern und Pflegern. Ein Segen, dass es diese Menschen gibt!

Unsere Hochachtung wird dem beherzten Handeln des Landrats und seinem Team gehören, und den Ämtern, der Polizei, den Rettungskräften, so vielen stillen Heldinnen und Helden. Und wir werden dann wissen, dass wir sie stärker hätten unterstützen müssen durch verändertes Verhalten.

Wir werden auch merken, dass wir konsequenter hätten regional einkaufen können, dass wir uns ja auch mal was vom Lieblingsrestaurant hätten schicken lassen können oder vom Buchladen nebenan. Dass wir die Schwächsten nicht hätten vergessen dürfen und auch nicht die ohne eine geregelte Lohnfortzahlung. Und dass wir verantwortungsvoller die Risikogruppen hätten schützen müssen - vor unserem eigenen Verhalten.

Wir werden gelernt haben, dass sich tatsächlich in der Krise der Charakter zeigt.

Um Gottes willen, seid jetzt schlauer, nicht hinterher!

Dr. Andreas Crystall, Propst in Dithmarschen

 

#hoffnunghamstern 20. März 2020

Hamstern Sie mit?

Hamsterkäufe - eines der vielen Themen der letzten Tage. Mal gucken: Klopapier (ein Paket!) habe ich glücklicherweise letzte Woche schon gekauft. Nudeln liegen immer ‘mal wieder im Supermarktregal. Mehl brauche ich nicht, denn warum sollte ich jetzt auf einmal mit dem Backen anfangen?

Also lasse ich das Hamstern. Ich gebe zu, es fällt nicht immer leicht.

Und dann das: #hoffnunghamstern.

Neugierig geworden gebe ich #hoffnunghamstern als Suchbegriff ein und finde: Bilder von brennenden Kerzen, den Vorschlag, „Der Mond ist aufgegangen“ zu singen, das Bild eines Küstensteins mit der Aufschrift „Gesundheit“, den Psalm 23 auf den Stufen vor einer Kirche mit Kreide geschrieben und so vieles mehr.

Lauter Hoffnungszeichen in dieser unsicheren Zeit von Menschen, die voller Zuversicht den kommenden Wochen mit ihren Herausforderungen entgegensehen.

„Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet“, schreibt Paulus schon vor 2000 Jahren an seine Gemeinde in Rom. Und diesen einen Satz sage ich mir, wenn ich mit meinen Bildern, Texten und Ideen beizutragen versuche, dass immer mehr Menschen beim #hoffnunghamstern mitmachen oder wenn ich wieder neue Ideen sehe, wie Hoffnung gehamstert werden kann.

Pastorin Tanja Sievers, Kirchengemeinde Heide