Kronprinzenkoog – Noch bis zum Monatsende ist Pastor Herbert Jeute Rekordhalter, was die Amtszeit in seiner Kirchengemeinde Kronprinzenkoog betrifft. Ab dem 1. Oktober „überholt“ ihn seine Ehefrau Sabine. Denn während er dann nach 34 Kronprinzenköger Dienstjahren im Ruhestand ist, bleibt Sabine Jeute, die ihren Dienst 1985 gemeinsam mit ihm begonnen hatte, noch für drei Jahre Pastorin in ihrer Gemeinde. Am kommenden Sonnabend wird Pastor Herbert Jeute (65) offiziell in den Ruhestand verabschiedet: Der Gottesdienst, in dessen Rahmen die stellvertretende Pröpstin Astrid Buchin ihn entpflichten wird, beginnt um 17 Uhr in der Kirche in Kronprinzenkoog.

34 Jahre sind eine lange Zeit – bereut hat Herbert Jeute seine damalige Entscheidung, in eine Gemeinde zu gehen und dort zu bleiben, nie: „Für mich war es immer das Wichtigste, dass die Menschen mich kennenlernen, mit all meinen Stärken und Schwächen – nur so baut sich Vertrauen auf.“ Als er sich nach einigen Semestern Jura und dem Abschluss des Theologiestudiums also gemeinsam mit seiner Ehefrau entschloss, die Pastorenstelle in Kronprinzenkoog gemeinsam anzutreten, „gehörten wir zu den ersten Pastorenpaaren, die das so gemacht haben“. Heute sei es viel verbreiteter, sich Stellen zu teilen, um Arbeit und Familie besser unter einen Hut zu bekommen. Gemeinsam haben sie fünf Kinder und mittlerweile drei Enkelkinder.

Beim Rückblick auf 34 Dienstjahre gibt es viel zu erzählen, Herbert Jeute könnte Bücher schreiben. „Das Schönste“, so sagt er, „ist es für mich gewesen, zum Beispiel die Kinder derer zu taufen, konfirmieren oder trauen, die ich selbst schon getauft, konfirmiert oder getraut habe“. Eine Gemeinde wie Kronprinzenkoog ist überschaubar, man kennt sich, weiß umeinander. „Von Anfang an haben wir uns zum Beispiel gemeinsam mit dem Schulleiter und dem Bürgermeister darum gekümmert, dass Kindergarten und Schule im Dorf bleiben. Nur so hat ein Ort wie Kronprinzenkoog überhaupt Zukunft.“ Auch vor Gericht mussten sie dafür mal ziehen, „und unser Bürgermeister hat mir hinterher gesagt, ich hätte vor Gericht die beste Predigt meines Lebens gehalten“.

Sein Wissen aus dem Jurastudium kam Herbert Jeute bei solchen Themen stets zugute, und das auch auf anderen Ebenen: Ab 1992 war er in der Pastorenvertretung (PV) tätig, die die Interessen der Pastorinnen und Pastoren, Vikarinnen und Vikare vertritt. Schnell wurde er in den Vorstand gewählt, entwickelte dort etwa einen maßgeblichen und haltbaren Kompromissvorschlag zur Dienstwohnungsvergütung und wurde schließlich Vorsitzender der PV. Auch in der Pfarrervertretung für die lutherischen Pastoren engagierte er sich, zwölf Jahre lang, wurde auch hier Vorsitzender. All diese Ehrenämter hat er bereits abgegeben, bis auf die Mitgliedschaft in der Dienstrechtskommission der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD). In die Reihe der Aufgaben außerhalb seiner Heimatgemeinde gehört auch, dass er für acht Jahre stellvertretender Propst im Kirchenkreis war.  

All dies hat zeitlich nur deswegen so gut funktioniert, sagt er, weil die Aufgabenteilung der gemeinsamen Stelle mit seiner Frau Sabine so hervorragend geklappt habe und sie ihm insbesondere für auswärtige Termine immer den Rücken freigehalten habe. „Für diese Aufgaben braucht man Flexibilität, und die hatten wir in dem Maße, dass wir trotzdem auch unsere fünf Kinder gut großziehen konnten“, ist Jeute froh. Flexibilität und Freiheit, die das Ehepaar Jeute von Haus aus übrigens nicht kannte: „Wir stammen beide aus Beamtenfamilien, da hielt man sich insbesondere in der damaligen Zeit eher zurück. Unser Beruf und vor allem das Pastorat haben uns geöffnet.“ Auch für Begegnungen beispielsweise mit einer Gemeinde in Papua-Neuguinea oder Kindern aus Tschernobyl, die sie gemeinsam mit der Kirchengemeinde Helgoland in Kronprinzenkoog aufgenommen haben. „Seitdem stand für mich übrigens fest: Atomkraft, nein danke“, erinnert sich Jeute.  

Bei aller Freude über erfüllte Dienstjahre als Pastor – auf den Ruhestand freut Jeute sich ebenso. Tischtennis-Punktspiele, der Garten mit Produkten aus dem eigenen Gemüsebeet und dem eigenen Gewächshaus („Das ist Leben, das ist Glauben!“), die vertraute Skat-Runde und natürlich die Kinder und Enkelkinder: Langeweile fürchtet Herbert Jeute eher nicht.