Pilgers Rast auf dem Heider Marktfrieden

Als der dänische Lehrer Kay Christensen vor vielen Jahren von einem der ersten Historien-Spektakel „Heider Marktfrieden“ erfahren hatte, machte er sich auf den Weg nach Dithmarschen – zu Fuß. Das ist viele Jahre her, und es ist unbekannt, ob er sich dieses Jahr wieder auf den langen Marsch nach Heide macht. Auf jeden Fall pilgern erneut geschätzte hunderttausend Menschen zu diesem dreitägigen Fest nach Heide, mal kurze, mal lange Wege.

Allen, die nach einem langen Marsch zu dem Fest oder von den vielen Runden um den Platz ermattet sind, bieten der Kirchenkreis Dithmarschen und die Heider Kirchengemeinden mitten auf dem Marktplatz einen Platz an, auf dem sie sich körperlich, geistig und seelisch erholen können. „Pilgers Rast“ nennt sich diese Aktion, mit der das fröhliche, oft hektische und laute Angebot rundherum ergänzt werden soll. Wer hier einkehrt, bekommt einen Früchtetee und eine Brezel – „und darf dafür nichts bezahlen“, betont Weddingstedts Pastor Jörg Denke. Er hat sich intensiv mit mittelalterlichen Bräuchen befasst, zumal er bei dem alle zwei Jahre stattfindenden Volksfest während der Dithmarscher Bauernhochzeit oft Paare auf Plattdeutsch getraut hat. Denke und seine Kollegen fanden bei dem Dithmarscher Chronisten Neocorus einen Hinweis auf Gastwurthen, eine Art Außenstelle eines nahen Klosters, in dem im Mittelalter müde Wanderer, aber auch Alte und Kranke einkehren konnten. Dafür spreche auch, dass St. Jürgen (Name der Heider Marktkirche) der Schutzpatron der Aussatzkranken gewesen sei. Und schließlich fanden die Pastoren auf der ältesten Karte Heides ein Gebäude, das als Schola bezeichnet wurde – damals, so Denke, der Hinweis auf ein Hospiz für Durchreisende.

Rolf Schulz vom Diakonischen Werk, der den Einsatz der vielen freiwilligen Helfer an dem kirchlichen Rastplatz koordiniert, erinnert an die legendäre Backofengruppe von Pastor Edgar Huhn, die früher die Pilger mit einem Stück Brot versorgt hatte. Heute werden Brezeln gereicht und neben dem Ort zum Ausruhen die Möglichkeit zu intensiven Begegnungen und Gesprächen geboten. Integriert ist dabei die Gutenberg-Druckerei, die von Herbert Sölter in 160 Stunden Arbeit gebaut wurde und an der Erinnerungen an den Besuch beim „Heider Marktfrieden“ gedruckt und an die Pilger ausgehändigt werden.
Text und Bild: Birger Bahlo