Neuenkirchen – Wer derzeit die altehrwürdige St. Jacobi-Kirche in Neuenkirchen besuchen will, steht meist vor verschlossenen Türen: Das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert wird mit großem Aufwand umfassend saniert. Die gesamte Innenausstattung ist bereits „verpackt“, die durch den bunten Nagekäfer und Braunfäule befallenen Stützpfeiler des Turmes werden in Stand gesetzt. Und schon bald soll der Schädling, der auch die Barockausstattung  aus Taufgitter, Altar, Emporen, Orgelprospekt, Pastorenstühle und Kanzel stark befallen hat, mit einem speziellen Gas bekämpft werden. Wenn die Arbeiten optimal laufen sollten, könnte das Gebäude Ende November wieder genutzt werden.

Im 18. Jahrhundert mehrfach abgebrannt und wieder aufgebaut: St. Jacobi.

Die Kirche in Neuenkirchen wurde 1323 erstmals urkundlich erwähnt. Die Siedlungsgeschlechter der Hödienmannen und der Tödienmannen sollen sie dem heiligen Jakobus zu Ehren gegründet haben. Ein prächtiger silberner Abendmahlskelch aus dem 14. Jahrhundert ist bis heute im Gebrauch. Im Jahr 1704 brannte die Kirche erstmals ab, wurde wiederaufgebaut – nun mit einem gotischen Kreuzgewölbe-Anbau. Nur 25 Jahre später brannte das Gebäude erneut, der schwäbische Baumeister Johann Georg Schott baute die Kirche unter Verwendung der alten Mauern wieder auf. Aus dieser Zeit stammt die Barockausstattung, die heute nicht durch Flammen, sondern durch die Larven des Nagekäfers gefährdet ist.

Das ganze Ausmaß der Schäden wurde vor knapp zwei Jahren deutlich, als der Kirchengemeinderat gemeinsam mit Experten das gesamte Gebäude begutachteten. Zuvor waren bereits das Kirchendach (2011) sowie die Westfassade (2015) der Kirchenaußenwand saniert worden. Nun wurden die Schäden am Außenmauerwerk, dem Sockelbereich, an den Strebepfeilern, am Innenwandputz, an den Ausstattungsgegenständen und an der Holzkonstruktion im Turm festgestellt.

Architektin Anne Albrecht zeigt die von Nagekäfer-Larven angerichteten Schäden. Fotos: Zabel / Kirchenkreis Dithmarschen

Seit einigen Wochen laufen die Arbeiten unter der Leitung der Architektin Anne Albrecht aus Heide auf Hochtouren: Die durch Nagekäfer und Braunfäule befallenen Stützpfeiler des Turmes werden saniert. „Vor der Schädlingsbekämpfung mussten allerdings noch Fledermäuse umgesiedelt werden, die sich in den vergangenen Jahren in der St. Jacobi-Kirche eingerichtet hatten“, so Albrecht. Die Arbeiten werden nun noch einige Monate andauern.

Immerhin, die Finanzierung dieses Bauabschnitts steht: Der Förderverein St. Jacobi zu Neuenkirchen hat allein für diese Sanierung rund 64.000 Euro zur Verfügung gestellt, darin sind 25.000 Euro enthalten, die die Hermann Reemtsma Stiftung in Hamburg für die Schädlingsbekämpfung überwiesen hat. Der Kirchenkreis stellt ebenfalls 64.000 Euro zur Verfügungg, weitere Mittel kommen vom Landesamt für Denkmalpflege, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland und dem Landeskirchenamt der Nordkirche.

Dr. Heiko Seidel (Mitte) lobt das Engagement vor Ort. Von links: Fördervereinsvorsitzender Dieter Krafack, Pastor Harald Meyenburg, Peter Hübner und Stefan Heyna.

Insgesamt kostet die aktuelle Maßnahme fast 200.000 Euro. Angesichts der Leistungen des Fördervereins spricht Dr. Heiko Seidel von einer „Erfolgsgeschichte“. Der Leiter des Kirchenkreis-Bauamtes nennt das Neuenkirchener Engagement auch für andere Kirchengemeinden vorbildlich.

Solange die Arbeiten laufen, finden Gottesdienste in der kleinen Sakristei statt. Der Vorsitzende des Kirchengemeinderates, Pastor Harald Meyenburg, hofft, dass dieser Zustand nur noch wenige Monate andauert. Den Gottesdienst zum Ewigkeitssonntag Ende November würde er gerne wieder in der Kirche feiern.