Heide – Anna Prall und Wibe Junge haben ein Heim in Heide gefunden. Informationen zu diesen beiden Persönlichkeiten, die in Dithmarschen reformatorisch wirkten, sind auf den beleuchteten Stelen zu lesen, die jetzt im Eingangsbereich zweier Pflegeheime stehen. Das „Wibe-Junge-Haus“ und das „Anna-Prall-Haus“ der Diakonie Kropp tragen schon länger ihre Namen. Elisabeth Ostrowski und Nanna Mury erforschten die Biographien der beiden Frauen im Rahmen der Vorbereitungen auf das Reformationsjubiläum neu. Denn das Frauenwerk der Nordkirche gestaltete unter dem Titel „… von gar nicht abschätzbarer Bedeutung – Frauen schreiben Reformationsgeschichte“ eine Wanderausstellung. In allen Kirchenkreisen der Nordkirche wurde nach Frauen gesucht, die in den vergangenen 500 Jahren ihr Licht zum Leuchten brachten, indem sie erneuernd in Kirche und Gesellschaft wirkten. Der Kirchenkreis Dithmarschen steuerte die Biographien von Wibe Junge und Anna Prall bei.

Wibe Junge lebte zur Zeit Martin Luthers und stelle sich schützend vor den reformatorischen Prediger Heinrich von Zütphen, als dieser aus dem Meldorfer Pfarrhaus entführt und nach Heide verschleppt wurde. Sie trat mutig dafür ein, dass dieser Mann einen fairen Prozess bekommen sollte. Dafür bot sie 1000 Gulden – ein beachtliches Vermögen. Der Einsatz von Wibe Junge blieb erfolglos. Heinrich von Zütphen wurde hingerichtet. Aber die von ihr geübte Zivilcourage ist bis heute vorbildlich.

Anna Prall wurde am Ende des 19. Jahrhunderts bekannt als die „Diakonisse von Heide“. Dieser Ehrentitel sagt nichts über die berufliche Ausbildung der Propstenfrau, sondern beschreibt ihr Engagement für Menschen in Not. Zusammen mit anderen Heider Frauen baute sie die Kranken- und Armenfürsorge der Stadt auf, rief eine Speisung für Kinder ins Leben und brachte mit Geschick die politisch Verantwortlichen dazu, eine professionelle Sozialarbeit zu etablieren. In der Zeit der Weimarer Republik wurde sie selber zur Stadtverordneten gewählt. Sie hat ihre Begabungen für andere Menschen zum Leuchten gebracht, Barmherzigkeit geübt und damit sozialpolitisch erneuernd gewirkt.

Die Informationsstelen, die den Besucherinnen und Besuchern der beiden Pflegeinrichtungen künftig die Namensgeberinnen vorstellen, leuchten von innen heraus – genauso wie es diese Frauen in ihrer Zeit mit ihren Gaben taten. Nachdem jetzt die Wanderausstellung des Frauenwerkes der Nordkirche zu Ende gegangen ist, dankt das Team des Dithmarscher Frauenwerkes der Stiftung Diakonie Kropp dafür, dass sie Anna Prall und Wibe Junge in ihren Häusern ein dauerhaftes Heim bietet. Die Übergabe der Stelen wurde in beiden Häusern mit einem feierlichen Adventsgottesdienst begangen.

 

Im Bild (von links): Helga Harder (stellvertretende Vorsitzende im synodalen Frauenwerks-Ausschuss), Nanna Mury, Elisabeth Ostrowski und Katja Hose (Referentin für Frauenarbeit im Kirchenkreis Dithmarschen).