Stellungnahme der Kirchenleitung

Wir als Nordelbische Kirche sind erschüttert, was Menschen über ihnen zugefügtes Leid berichten.

Im März 2010 wurden durch den Brief einer betroffenen Frau Vorwürfe bekannt, in der Jugendarbeit der Kirchengemeinde Ahrensburg habe es in der Vergangenheit sexuelle Übergriffe auf Jugendliche und junge Erwachsene gegeben. In der Folge hat das Kirchenamt disziplinarrechtliche Ermittlungen gegen inzwischen zwei Pastoren im Ruhestand eingeleitet, die Öffentlichkeit am 19. Mai informiert und die zuständige Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Zusätzlich wurde in Ahrensburg ein Krisenstab unter Vorsitz von Pröpstin Dr. Ulrike Murmann eingerichtet. Dieser arbeitet nach den in der Nordelbischen Kirche verbindlichen Richtlinien für das Thema „Sexualisierte Gewalt in der Kirche“ (zu finden unter www. nordelbien.de/nordelbien/kirche.abisz/kirche.abisz.missbrauch).

Im Zusammenhang mit den schwerwiegenden Anschuldigungen haben wir uns vielen Fragen zu stellen und auch dem Vorwurf nachzugehen, dass unser damaliges Handeln aus heutiger Sicht dem Leid der Opfer nicht angemessen war.

Die Kirchenleitung und das Nordelbische Kirchenamt gehen allen diesen Anfragen systematisch nach. Vorrangig werden die Rechte und die Würde der Opfer geachtet. Es ist aber auch zu berücksichtigen, dass in Ermittlungsverfahren Regeln zu beachten sind, die Menschen vor öffentlicher Vorverurteilung schützen sollen.

Bisher sind sieben Vorfälle bekannt, die untersucht werden. Weitere mögliche Betroffene sind bisher namentlich nicht bekannt bzw. wollen sich nicht äußern.
Allen Hinweisen wird aber nachgegangen.

Der Kirchenkreis Hamburg-Ost hat nach Bekanntwerden der Vorwürfe die Rechtsanwältin Gisela Friedrichs (Familienrechtlerin mit dem Schwerpunkt Opferschutz) hinzugezogen. Als Externe ist sie Ansprechpartnerin und juristische Beraterin für Opfer – unabhängig von deren Kirchenzugehörigkeit. Ihre Hilfe ist kostenlos.

Aus unserer Sicht sind damit alle notwendigen Schritte veranlasst, um die Vorfälle aufzuklären. Nach Vorliegen der Ergebnisse werden wir das kirchliche Handeln bewerten und die Öffentlichkeit informieren.
Angesichts der in der Öffentlichkeit geführten Diskussion vor Ort bitten wir darum, den damals kirchenleitend Verantwortlichen, die davon überzeugt waren, korrekt und im Interesse der Opfer zu handeln, mit Respekt zu begegnen.

Sexueller Missbrauch ist ein großes Unrecht mit schwerwiegenden Folgen für die Opfer. Wir als Kirche wollen nicht dulden, dass Missbrauch unausgesprochen und ungesühnt bleibt.

Kiel, den 06.07.2010 Die Kirchenleitung