Albersdorf – Mit dem Schwerpunktthema Ehrenamt und zahlreichen Ergebnissen einzelner Arbeitsgruppen hat die Synode des Kirchenkreises Dithmarschen heute (31. August) viele Impulse für die ehrenamtliche Arbeit gesetzt. Synodale sowie haupt- und ehrenamtlich im Kirchenkreis Tätige hatten sich mit Fragen zur Ist-Situation und zur Zukunft des Ehrenamtes beschäftigt. Einig waren sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer darin, dass der Wert ehrenamtlicher Arbeit nicht hoch genug geschätzt werden könne und einen wertvollen Beitrag zu einem vielfältigen Miteinander vor Ort leiste.

Um auch zukünftig dieses hohe ehrenamtliche Engagement zu ermöglichen, wurden Herausforderungen und Lösungsansätze skizziert. So sollten zum Beispiel ehrenamtliche Aufgaben interessanter gestaltet, Projekte an feste zeitliche Rahmen ausgerichtet, der Verwaltungsaufwand verringert sowie Wertschätzung, Feedback und Fortbildung gefördert werden. Für eine bessere Koordinierung von Ehrenamtlichen wurde eine „Lotsenstelle“ vorgeschlagen – auch ein Gemeindemanager könne als „Kümmerer“ Ehrenamt, Hauptamt, Kirchengemeinderat und Pastorinnen und Pastoren viel Arbeit abnehmen. Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, müssten dies zudem in einem sicheren Rahmen tun können im Hinblick auf Zeitmanagement und Anerkennung.

Einig waren sich die Teilnehmenden darin, dass die Kommunikation und der Informationsfluss zwischen Ehren- und Hauptamt, Kirchengemeinderat, Kirchenkreis und Nordkirche eine zentrale Rolle spielt. Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten müssten aufgrund des anstehenden Strukturwandels klar benannt werden, um Doppel-Strukturen und doppelte Arbeit zu vermeiden sowie Kräfte zu bündeln. Ressourcen müssten auf haupt- wie ehrenamtlicher Seite zielgerichtet und sinnvoll verzahnt werden. Hier könnte zum Beispiel ein Internetportal helfen, auf der sich die Ehrenamtlichen informieren, austauschen, vernetzen und Infos zu Fortbildungen, Vakanzen und vielem mehr bekommen können. Schließlich gehe es auf nahezu allen Ebenen darum, zunehmende Arbeit – auch durch Verwaltungsaufwand – auf weniger Schultern zu verteilen und die Motivation und den Spaß zugleich hoch zu halten.

Deutlich wurden diese Aspekte auch bei der anschließenden Podiumsdiskussion mit Vertretern anderer Vereine und Institutionen: Als Gäste waren Kai Tange (DRK), Hans-Jürgen von Hemm (Kreissportverband), Karsten Wessels (Awo), Sönke Hanßen (Kreisfeuerwehrverband) und Telse Reimers (Kreislandfrauenverband) nach Albersdorf gekommen. Um auch in diesen Organisationen die Zukunft zu sichern, müsse man sich früh um Nachwuchs kümmern und attraktive Angebote in einer Gesellschaft bieten, in der es insbesondere jungen Menschen nicht an Möglichkeiten der Freizeitgestaltung mangele. Bange wurde jedoch trotzdem niemandem: Gerade in Dithmarschen sei die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, noch vergleichsweise hoch. Gleichwohl müsse sich jede Organisation ernsthaft kümmern: Ein Selbstläufer sei ehrenamtliches Engagement keinesfalls. Hilfreich seien kleinere Vorstände, weniger Verwaltung und Regularien, Fokus auf das Wesentliche. Denn was Spaß mache, motiviere dazu, am Ball zu bleiben.

Am Vormittag hatten Prof. Dr. Uta Pohl-Patalong (Universität Kiel) und Oberkirchenrat Mathias Lenz (Landeskirchenamt der Nordkirche, Kiel) die 77 Synodalen und ihre Gäste auf das Thema eingestimmt. Pohl-Patalong: „Ehrenamtliche Tätigkeit hat für Kirche sehr wichtige positive Effekte. Sie wehrt einer ‚pastoralen Versorgungskirche‘ zugunsten einer ‚Beteiligungskirche‘, die von vielen aktiv gestaltet wird und damit der Idee des Priestertums aller Gläubigen gerecht wird. Die Theologie-Professorin berichtete über einen Wandel des Ehrenamtes. „Das sog. ‚neue Ehrenamt‘ unterscheidet sich vom ‚alten‘ dadurch, dass die Ehrenamtlichen viel stärker als Subjekte in Erscheinung treten: Sie engagieren sich nicht, weil eine Tätigkeit gemacht werden muss und jemand dafür gebraucht wird, sondern weil sie eine Tätigkeit als sinnvoll und erfüllend einschätzen. Sie möchten dabei ihre persönlichen Fähigkeiten einsetzen bzw. auch entdecken und weiterentwickeln. Sie möchten über den Umfang und die Art der Tätigkeit selbst entscheiden und sie auch wieder beenden dürfen. Sie möchten durchaus etwas Gutes für andere tun, aber dabei auch sich selbst etwas Gutes tun.“ Sie empfahl der Synode die Gemeinden darin zu unterstützen, sich in einem längeren Prozess über einen Bereich „unverzichtbarer“ Aufgaben zu verständigen, die von Hauptamtlichen gestaltet werden „und Wege zu finden, die anderen Bereiche nach und nach in ehrenamtliche Gestaltung zu überführen oder aufzugeben.“ Pohl-Patalong sprach sich zudem für die Einrichtung einer Stelle zur Förderung dieser neuen Art von Ehrenamtlichkeit aus, die einerseits die Gemeinden auf diesem Weg unterstützt und andererseits ehrenamtliche interessierte Menschen dabei hilft, zu dem für sie passenden Feld zu finden.

Mathias Lenz, Dezernent für Theologie und Publizistik im Landeskirchenamt (Kiel) plädiert dafür, Haupt- und Ehrenamt gemeinsam zu denken. „Das konstruierte Gegenüber von Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen in der Kirche führt nach meiner Beobachtung leider auch in ein fruchtloses Konkurrenzdenken und zwar auf beiden Seiten“, so Lenz. „Für mich ist deshalb wichtig – und ich halte das für eine entscheidende Grundlage für die Zukunftsfähigkeit unserer Kirche – dass wir von der ‚Ehrenamtsförderung‘ zur ‚Engagementförderung‘ kommen, nämlich dazu, dass die Mitarbeit in unserer Kirche für alle, die sich für sie und in ihr engagieren, bezahlt oder nicht bezahlt, attraktiv, erfüllend und sinnvoll ist.“ Ein so verändertes Grundverständnis habe die Konsequenz, „dass wir Abschied nehmen können (und müssen) vom Prinzip der Mehrheit der im rechtlichen Sinne Ehrenamtlichen in kirchlichen Gremien.“ Und schließlich müsse die Frage beantwortet werden: „Welche Aspekte kirchlicher Arbeit sollten zentral organisiert werden und welche können in dezentraler Verantwortung – und dann auch wirklich ohne Einmischung von ‚oben oder außen‘ erfüllt werden?“

Bereits am Vormittag hatte die Synode des Kirchenkreises Dithmarschen Dr. Andreas Crystall erneut zum Propst gewählt. Der 54-Jährige hatte im Juni 2010 als erster gewählter Propst für ganz Dithmarschen seinen Dienst aufgenommen. Zu seinem Amt gehört insbesondere die geistliche Leitung: Propst Crystall ist Seelsorger und Dienstherr für rund 50 Pastorinnen und Pastoren und mit ihnen verantwortlich für knapp 80.000 evangelische Christen im Kirchenkreis.

Hier finden Sie den Vortrag von Prof. Dr. Uta Pohl-Patalong zum Download als pdf-Datei:

Vortrag_Pohl-Patalong 

Hier finden Sie den Vortrag von Mathias Lenz zum Download als pdf-Datei:

Vortrag_Lenz

Impressionen von der Synode: