Meldorf – Eine Ära geht zu Ende: Der Leiter der Migrationsberatung im Diakonischen Werk (DW) Dithmarschen, Viktor Schmidt, geht am 1. März in den Ruhestand. Fast 24 Jahre lang hat er in der Diakonie gearbeitet, unter anderem in der Aussiedlerberatung. DW-Geschäftsführer Gerhard Wiekhorst sagt über den heute 64-Jährigen: „Mit großer Hingabe, engagiert und außerordentlich kompetent hat Viktor Schmidt die Migrationsarbeit im Kreis Dithmarschen weiterentwickelt und geprägt. Unzähligen Menschen hat er geholfen, hier in Dithmarschen ein neues zu Hause zu finden. Wir alle danken ihm von Herzen für seinen von Respekt und Verständnis getragenen und nimmermüden Einsatz für Migranten, für sein offenes Ohr, seine Pläne und seine Ausdauer. Er übergibt ein sehr gut bestelltes Feld!“ Dr. Andreas Crystall, Propst des Kirchenkreises Dithmarschen, ergänzt: „Viktor Schmidt ist ein großartiger und tatkräftiger Mensch mit einem diakonischen Herzen.“

Der im sibirischen Udalnoje geborene Schmidt kam 1993 selbst als Spätaussiedler nach Deutschland, kennt die Probleme aus eigener Erfahrung. „Ich habe damals sehr viel Unterstützung erhalten“, sagt er, „und bin dafür sehr dankbar.“ In Russland hatte er als junger Mann als Gleisbauer gearbeitet, dann Pädagogik studiert, schließlich bei der Polizei als Sozialpädagoge mit jugendlichen Straftätern gearbeitet. Nebenbei studierte Schmidt Rechtswissenschaften, erwarb sein Diplom. Schließlich wurde er stellvertretender Leiter einer großen Polizeistation. Dennoch hatte es seine Familie nicht leicht: Nachkommen deutscher Einwanderer, die so genannten Wolgadeutschen, wurden in Sibirien unterdrückt.  1993 dann die Ausreise: Viktor Schmidt kam mit seiner Frau, seinen drei Kindern und zwei großen Koffern nach Deutschland – zunächst nach Friedland, dann über Neumünster nach Brunsbüttel. Über das damalige Programm „Arbeit statt Sozialhilfe“ wurde er Mitarbeiter in der Aussiedlerberatung im damaligen Diakonischen Werk Süderdithmarschen. Schmidts in Russland erworbene Abschlüsse wurden in Deutschland nicht anerkannt, er jobbte nebenbei als Dolmetscher und gründete gemeinsam mit seiner Kollegin Sabine Kühl den Verein zur Integration von Spätaussiedlern und Ausländern, dessen Vorsitzender er viele Jahre war. 1994 wurde er bei der Diakonie Berater für Spätaussiedler, einige Jahre darauf kümmerte er sich vor allem um jugendliche Migranten. Schmidt studierte berufsbegleitend Sozialpädagogik und übernahm schließlich am 1. März 2008 die Leitung der Beratungsstelle.  „Das Hauptziel der Beratung war es, den Migranten zu helfen sich in Deutschland zu integrieren und sie in Arbeit oder Ausbildung zu vermitteln.“

Seitdem hat er selbst zahlreichen Menschen helfen können – bei ausländerrechtlichen Fragen, Vorbereitungen auf Anhörungen, Behördengesprächen, der Wohnungssuche und gesundheitlichen Problemen. Waren es zu Beginn noch überwiegend Spätaussiedler, kamen mit der EU-Erweiterung vor allem Migranten aus Osteuropa hinzu. Für sein großes Engagement und die beispielhafte Arbeit wurde ihm 2013 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Als zwei Jahre später zahlreiche Menschen vor dem Bürgerkrieg in Syrien flohen, stand seine Beratungsstelle vor einer riesigen Herausforderung. In enger Zusammenarbeit mit den Dithmarscher Ämtern wurde sehr schnell ein flächendeckendes Betreuungssystem mit 13 Integrationsbetreuern aufgebaut. Heute hat die Beratungsstelle noch sechs Mitarbeiter und fünf Berater. Zu tun gibt es reichlich: Allein im November 2017 wurden in der Beratungsstelle mehr als 1000 Gespräche mit rund 600 Klienten geführt.

„Wenn ich Menschen helfen kann, tanke ich positive Energie“, sagt Schmidt, der mittlerweile in Itzehoe lebt. Dort engagiert er sich ehrenamtlich in der Kirchengemeinde. „Da kann ich künftig noch mehr machen.“ Die Leitung der Beratungsstelle wird ab März Rolf Schulz übernehmen.

Am 20. Februar, seinem 65. Geburtstag, wird Viktor Schmidt im Rahmen eines Gottesdienstes im Meldorfer Dom verabschiedet (Beginn 14 Uhr).